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Dienstag, 12. Dezember 2017

Flüchtlinge

Im Dschungel der Bürokratie

Von Wilfried Urbe | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Arbeitswillige mit guten Sprachkenntnissen und Arbeitgeber scheitern an bürokratischen Hürden.

Eigentlich hören sich die Ergebnisse der neuen OECD-Studie gut an: Laut einer Umfrage mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag unter mehr als 2000 Firmen in Deutschland sind 80 % der Firmen, die Geflüchtete beschäftigt haben, zufrieden mit deren Arbeitsleistung.

Syrische Flüchtlinge als Ingenieure anerkannt

Entscheidend für eine erfolgreiche Integration in Ausbildung und Arbeit seien gute bis sehr gute Deutschkenntnisse. Mehr als jedes dritte Unternehmen erachtet die Vermittlung von berufsbezogenen Sprachkenntnissen für sehr wichtig. Insgesamt sind in einem Viertel aller deutschen Unternehmen Flüchtlinge tätig.

Doch wie steht es mit der Arbeitsmarktpolitik? Matthias Knuth vom Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen sieht da noch jede Menge Spielraum. „Verschiedenste Akteure wollen helfen, zeigen vielfältiges und beachtlich hohes Engagement. Das alles ist aber eher gut gemeint als gut gemacht“, kritisiert der Hochschullehrer. Viele Neuankömmlinge seien hoch motiviert, wollten rasch Geld verdienen und strebten eine akademische Karriere an. Sie verfingen sich aber in einem unübersichtlichen Behördendschungel. Mittlerweile sind Innenministerium, Bundeskanzleramt, Ministerium für Arbeit und Soziales, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundesagentur für Arbeit, weitere Bundes- sowie Landesbehörden und kommunale Gebietskörperschaften an Entscheidungen beteiligt, wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht. Abgesehen davon, so Knuth, würden 70 % der Flüchtlinge unabhängige professionelle Beratungsangebote gar nicht kennen. Jobcenter bieten sich an, sind aber nur so lange zuständig, wie Sozialleistungen fließen.

Ein Unternehmen, das von der Bundesregierung für sein vorbildliches Engagement bei der Integration von Flüchtlingen ausgezeichnet wurde, ist Esta. Die Jury prämierte den Sendener Absaugtechnikhersteller mit dem Corporate-Social-Responsibility-Preis 2017. Esta-Geschäftsführer Peter Kulitz hat für seine Firma eine Flüchtlingsquote von 2 % eingeführt. Unter 190 Mitarbeitern sind nun vier Flüchtlinge.

„Die Caritas in Ulm empfahl uns den sehr motivierten Nigerianer Emanuel, der ein Praktikum im Lagerbereich absolvieren wollte“, so Personalchef Wolfgang Fezer. Nachdem er sich bewährt hatte, erhielt er eine befristete Stelle. „Sie läuft bald aus und wir würden ihm gerne eine Ausbildung anbieten, aber das würde für ihn finanziell einen Rückschritt bedeuten. Dazu kommt die Frage, ob er als Flüchtling anerkannt wird.“

Bei zwei jungen Syrern, die Esta vom Freundeskreis Asyl in Senden vermittelt wurden, gab es Probleme, da sie ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg haben, nur wenige Kilometer von ihrem Arbeitsplatz und Ankunftsort in Bayern entfernt. Das hatte zur Folge, dass sie für die Wohnung in Baden-Württemberg keine Unterstützung der Behörden bekamen. Inzwischen finanzieren die beiden ihre Wohnung über den Job bei Esta.

Anfragen von der Bundesagentur für Arbeit gab es auch, aber da waren die Kapazitäten des Unternehmens bereits ausgeschöpft. „Wenn wir eine Ausbildung durchführen, hätten wir gerne mehr Planungssicherheit“, wünscht sich Fezer. Zurzeit kann ein Flüchtling, der nicht anerkannt wird, zwei Jahre nach seiner Ausbildung bleiben, ehe er Deutschland verlassen muss.

Aus Sicht von Rudolf von Borries hat sich in den letzten Monaten kaum etwas verändert, wenn es um die Unterstützung durch Behörden geht. Der promovierte Ingenieur betreibt die „Wolkenburg“ und ist im Köln-Bonner Raum ein renommierter Gastronomie- und Eventveranstalter, der letztes Frühjahr eine viel beachtete Veranstaltung organisierte, um auf die Situation aufmerksam zu machen: Rund 20 Flüchtlinge bereiteten ein multikulturelles Dinner für Gäste aus Politik und Wirtschaft zu.

Der Unternehmer hat viel Erfahrung mit Mitarbeitern unterschiedlicher Nationen und Kulturkreise mit sehr unterschiedlichen Sprachkenntnissen und Vorbildungen. „Was viele dieser Menschen auszeichnet, ist ein ausgeprägter Wille zur Arbeit und überdurchschnittliches Engagement.“ Aber es sei immer noch schwer bis unmöglich, Flüchtlinge einzustellen. Es sei aufwendig, die zuständigen Vermittlungsstellen auszumachen. Und Behörden, die auf ihn zugekommen seien, hat er noch nicht erlebt. ws

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