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Dienstag, 12. Dezember 2017

Museum

Japanische Raritäten im deutschen Straßenbahndepot

Von Hans W. Mayer | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

In Augsburg öffnet an diesem Wochenende die erste Mazda-Sammlung außerhalb Japans ihre Pforten.

Bildartikel zu Mazda_Cosmo_Sport_110_S__1967.jpg
Foto: Mazda

Der Mazda Cosmo Sport 110 S aus dem Jahr 1967 war der erste Personenwagen der Welt mit einem Zweischeiben-Wankelmotor.

Die Affinität der Deutschen zum Automobil gilt im internationalen Vergleich als überdurchschnittlich hoch. Sichtbares Zeichen dieser Zuneigung sind nicht zuletzt 254 Automuseen unterschiedlichster Größenordnung, die heute im Heimatland des Erfinders existieren. Die Bandbreite reicht vom perfekt inszenierten Markenkosmos traditionsreicher Hersteller wie Volkswagen, Daimler, BMW oder Porsche bis zur kleinen, aber bisweilen feinen Sammlung privater Autoenthusiasten.

Info:

Zur letztgenannten Kategorie zählte bisher auch der Augsburger Mazda-Händler Walter Frey mit seinen Söhnen Joachim und Markus. In mehr als 30 Jahren hat das autobegeisterte Trio über 120 Modelle der japanischen Marke aus aller Welt zusammengetragen und restauriert. „Wenn einen dieser Virus erst einmal befallen hat, kann man nicht mehr aufhören“, erklärt der Seniorchef seine Motivation, die ihn auf der Spurensuche nach manchem besonders raren Modell in die entlegensten Winkel der Welt getrieben hat.

Weil mit der ständig wachsenden Sammlung auch die Platzprobleme immer gravierender wurden, reifte bei den Freys die Vision, ihre historische Fahrzeugsammlung eines Tages der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mit dem Erwerb eines ehemaligen Straßenbahndepots in der Augsburger Innenstadt nahm diese Vision vor fünf Jahren konkrete Formen an. Das gemeinsam mit Mazda Motors Deutschland entwickelte Projekt mit dem Namen „Mazda Classic – Automobil-Museum Frey“ öffnet am 13. Mai dieses Jahres seine Pforten für Besucher. In historischem Ambiente präsentieren sich rund fünfzig Exponate der Mazda-Modellhistorie, darunter kaum bekannte Unikate, Prototypen, Rekord- und Konzeptfahrzeuge.

Das erste Mazda-Museum außerhalb Japans ist zugleich das erste Automuseum einer japanischen Marke auf deutschem Boden. Es umfasst eine 1500 m2 große historische Ausstellungshalle und einen knapp 700 m2 großen Eventbereich sowie einen Neubau mit Gastronomie und Museumsshop. In der Ausstellungshalle informieren großformatige Displays, Fotos und Filme die Besucher über Geschichte und technische Details der ausgestellten Fahrzeugmodelle.

Selbst viele Autokenner wissen vermutlich nicht, dass die Unternehmensgeschichte von Mazda bereits vor fast 100 Jahren begann. Keimzelle war die 1920 in Hiroshima gegründete Toyo Cork Kogyo Co. Ltd., eine Firma, die aus heimischen Pflanzen Korkersatz produzierte. Der Einstieg in den Automobilbau erfolgte elf Jahre später mit dem Mazda GO, einem Lastendreirad mit einem 7 kW starken luftgekühlten Einzylindermotor und 500 kg Nutzlast. Dieses spartanische Modell war der Urahn einer florierenden Produktion dreirädriger Nutzfahrzeuge für Handwerker und Kleingewerbetreibende, die – ähnlich wie bei Goliath oder Tempo in Deutschland – erst in den 1960er-Jahren auslief.

Ein 1940 projektierter vierrädriger Kleinwagen ging nicht mehr in Produktion. Die Herstellung „richtiger“ Autos sollte erst lange nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnen. Bereits wenige Monate nach dem Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 lief im nur teilweise zerstörten Mazda-Werk zunächst wieder die Produktion dreirädriger Kleintransporter an. Erst 1960 kam mit dem winzigen Mazda R 360 Coupé der erste Personenwagen in den Handel. Er zählt zu den optischen Highlights im Augsburger Museum. Mit seinem luftgekühlten V-2-Heckmotor (356 cm³, 12 kW) passte das 2,98 m kurze Bonsai-Gefährt damals in die niedrigste japanische Steuerklasse.

Den Mazda-Händlern müssen japanische Käufer schon bald danach die sprichwörtlichen Türen eingerannt haben, denn in den 1960er-Jahren verkaufte Mazda mehr Personenwagen als jeder andere japanische Hersteller. Mit dem Mazda Cosmo Sport 110 S debütierte 1967 ein technischer Meilenstein: Das elegante Coupé mit De-Dion-Hinterachse und vorderen Scheibenbremsen war der erste Personenwagen der Welt mit einem Zweischeiben-Wankelmotor (Der NSU Ro 80, ebenfalls mit Zweischeiben-Kreiskolbenmotor, kam erst einige Monate später auf den Markt).

Der Cosmo Sport und das ein Jahr später vorgestellte R 100 Coupé – beide stehen in Augsburg – waren die Vorläufer mehrerer Generationen von Mazda-Sportwagen (RX-3, RX-5, RX-7, RX-8) mit leistungsstarken Kreiskolbenmotoren mit und ohne Turbolader. 2004 gab es sogar eine Kleinserie des Mazda RX-8 Hydrogen RE, der wahlweise mit Benzin oder Wasserstoff betankt werden konnte.

Die Wankel-Ära endete bei Mazda erst im Sommer 2012, als die Produktion des RX-8-Coupés auslief. Fahrzeuge mit Kreiskolbenmotor bilden einen Schwerpunkt der Ausstellung. Nahezu alle jemals von Mazda produzierten Modelle sind vertreten, neben diversen Sportcoupés und Limousinen beispielsweise auch der Mazda Rotary Pick-up oder der Parkway-Bus, beide mit Wankelmotor.

Fehlen darf im Museum natürlich nicht der MX-5, jener kleine und leichte Roadster, mit dem Mazda 1989 allen gegenteiligen Marktprognosen zum Trotz das Segment der bezahlbaren offenen Zweisitzer erfolgreich wiederbelebt hat. Mit mehr als 1 Mio. Exemplaren ging er inzwischen als meistgebautes Cabriolet aller Zeiten in die Automobilgeschichte ein. Zu den Stars in Augsburg zählen ferner das Flügeltüren-Sportcoupé AZ-1 von 1992, das von 1992 bis 1998 produzierte Coupé MX-3 mit dem damals kleinsten Leichtmetall-Sechszylinder der Welt (1,8 l Hubraum) oder die in Deutschland nur selten verkauften Nobellimousinen Xedos 6 und Xedos 9 mit ihren flüsterleisen Sechszylinder-Triebwerken.

Den Bogen in die Neuzeit schlägt der Weltrekordwagen Mazda 6 Skyactiv-D 175. Drei dieser Fahrzeuge starteten im Oktober 2014 in völlig serienmäßigem Zustand (2,2 l, 129 kW) auf dem ATP-Hochgeschwindigkeitsoval in Papenburg zu einem 24-h-Marathon. Nach 5340 km Nonstop-Fahrt hatten sie in der Dieselklasse bis 2500 cm³ Hubraum mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 221,072 km/h zwanzig neue Weltrekorde aufgestellt.  

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