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Dienstag, 12. Dezember 2017

Südeuropa

Junge Ingenieure mit Biss

Von Wolfgang Schmitz | 6. April 2017 | Ausgabe 14

Jungakademikerhaben in der Heimat wenig Hoffnung auf Arbeit, eine Initiative hilft ihnen hierzulande beim Einstieg.

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Foto:  ddp images/P. Tzamaros

Proteste gegen Stellenabbau – wie hier in Athen – gibt es nahezu überall in Südeuropa.

Im Schatten der Flüchtlingskrise wird die Arbeitsmarktsituation in Südeuropa zum Nebenschauplatz. Dabei hat sich die Lage kaum entspannt. In Griechenland lag die Arbeitslosenquote laut Statistischem Bundesamt im Januar bei 23 %, in Spanien bei 18 %, in Italien bei 12 % und in Portugal bei 10 %. Die Aussicht auf Besserung ist trüb. „Es herrscht weiterhin große Perspektivlosigkeit“, sagt Wolfgang Haupt, Verwaltungsratsmitglied der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland und des erhöhten Fachkräftebedarfs spreche viel dafür, dass junge Akademiker eine vielversprechende Zukunft in Deutschland haben könnten.

Zukunft in Deutschland

Deshalb beteiligte sich Haupt an der „Zukunftsinitiative d.eu.tsch“, die neben dem Verein HSBC Trinkaus Jugend Bildung in Düsseldorf auch von der Metzler-Stiftung in Frankfurt getragen wird. Ziel der Initiative ist es, jungen Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und IT-Spezialisten den Berufseinstieg in Deutschland zu erleichtern. Kern des Programms ist das Erlernen der deutschen Sprache in den jeweiligen Goethe-Instituten, im letzten von fünf Monaten stehen die Suche nach einem dauerhaften Wohnsitz und die Bewerbungsphase im Mittelpunkt. Der Erfolg kann sich sehen lassen. „Über 80 % der Stipendiaten der ersten beiden Staffeln haben eine Anstellung gefunden“, berichtet Wolfgang Haupt.

Das kann Sigrun Stosius von der Metzler-Stiftung nur bestätigen: „Das Stipendienprogramm funktioniert sehr gut, auch wenn eine Arbeitssuche schon mal zwölf Monate dauert, die mit Putzen, Kellnern, Parkplatzeinweisen auf der Messe oder der Aushilfe in einer Backstube überbrückt werden muss.“ Viele Teilnehmer nutzten die Zeit des Stipendiums, um sich von Tag eins an zu bewerben. So übten sie, Telefonate oder Skype-Interviews zu führen.

Bewerber müssten nicht zwangsläufig akademische Abschlüsse vorweisen. Ausschlaggebend, so Stosius, seien andere Kriterien: „Wir suchen Leute mit Biss und hoher Frustrationstoleranz, denn es klappt mit der Stellensuche nicht immer sofort.“ Außerdem sollten besonders Bewerber unterstützt werden, die sich aus eigener finanzieller Kraft keinen Sprachaufenthalt in Deutschland leisten könnten.

Welche Erfahrungen sie während der fünf Monate in Deutschland gesammelt haben und wie ihre aktuelle berufliche Situation aussieht, schildern Stipendiaten hier auszugsweise in Abschlussberichten.

Foto: Metzler

Anna Maria Bayarri Martínez: „Ich trainiere Deutsch mit „Tagesschau in 100 Sekunden“.

Anna Maria Bayarri Martínez (26), Bauingenieurin aus Valencia, ist nach Spanien zurückgekehrt und sucht noch Arbeit: „Aktuell lerne ich jeden Tag für die Prüfungen für die staatlichen Bau-Institutionen in Spanien. Dort gibt es Stellenangebote. Ich trainiere auch mein Deutsch, indem ich jeden Morgen ,Tagesschau in 100 Sekunden‘ sehe. Außerdem spreche ich ab und zu mit meinen Kollegen in Deutschland. Ich vermisse viele Dinge, die ich in Deutschland geschätzt habe, wie die Zuverlässigkeit, die Multikulturalität und – Sie werden lachen – auch die Heizung überall. Deshalb hoffe ich, einmal dort zu arbeiten.“

Foto: Metzler

Christina Kyratzidou: „Ich hoffe, dass ich mit der Zeit Freundschaften schließe.“

Christina Kyratzidou (29), Wirtschaftsingenieurin aus Thessaloniki, lebt und arbeitet in Leipzig bei einem Medizintechnikunternehmen: „Mein beruflicher Anfang in Deutschland genügt meinen Erwartungen, soweit es mit dem freundlichen Klima im Rahmen der Arbeit sowie mit meinen Aufgaben zu tun hat. Ich fühle mich zufrieden, da mein berufliches Leben gut anfängt. Bei der Arbeit spreche ich Deutsch. Erfreulicherweise sprechen alle hier auch Englisch, wenn ich auf Deutsch Schwierigkeiten habe. Leipzig gefällt mir sehr und ich hoffe, dass ich mit der Zeit Freundschaften schließe. Meine Familie ist in Berlin, das heißt, dass ich mich oft mit ihnen treffen kann.“

Foto: Metzler

Maria Petrou: „Mein Wunsch ist, mein Studium abzuschließen und in Frankfurt zu bleiben.“

Maria Petrou (26), Ingenieurin Elektro- und Informationstechnik aus Athen, absolviert ein duales Studium zum Master of Science „International Management“ an der Steinbeis-Hochschule, Berlin. „Ich habe seit Juli eine Wohnung in Hanau, denn ich arbeite dort bei einem internationalen Energieunternehmen. Ich beschäftige mich mit Energiemanagement. Darüber hinaus habe ich noch andere Projekte übernommen, die sich nicht direkt auf meine Masterarbeit beziehen. Mein Wunsch ist, mein Studium erfolgreich abzuschließen und in Frankfurt zu bleiben. Da ich großen Wert auf Menschen lege, hoffe ich, dass ich auch in Zukunft liebe Freunde in Frankfurt haben werde.“

Foto: Metzler

Anna Petroulaki: „Ich bemühe mich noch mehr, um jeden Tag besser zu werden.“

Anna Petroulaki (32 Jahre), Informations- und Kommunikationstechnologin aus Thessaloniki, arbeitet in der Konzernkommunikation der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): „Ich habe eine befristete Arbeitsstelle und meine eigene Wohnung in Frankfurt. Fast drei Jahre nach dem Abschluss meines Masters fand ich endlich eine Arbeitsstelle in meinem Bereich. Ich arbeite schon seit Mitte Juni bei der KfW und beschäftige mich hauptsächlich mit der Filmproduktion und der Bildredaktion. Ich langweile mich nie, weil es immer etwas Neues zu tun gibt. Allerdings ist jeder Tag noch eine Herausforderung und ich habe Angst vor der Zukunft. Da ich bei der KfW nur bis Juni arbeiten werde, muss ich allmählich meinen nächsten beruflichen Schritt vorbereiten. Außerdem will ich mich jeden Tag verbessern und hilfsbereit in meiner Arbeit sein. Aber das ist nicht immer einfach. Manchmal ärgere ich mich, wenn ich einen Fehler mache oder wenn ich meine Kollegen nicht verstehen kann. Zum Glück macht mich das trotzig und ich bemühe mich noch mehr, um jeden Tag besser zu werden. Trotzdem gibt es keinen Moment, in dem ich meine Entscheidung bereue, nach Deutschland gekommen zu sein.“

Foto: Metzler

Isidoros Sapounas : „Wichtig sind viele Bewerbungen, auch in kleinen Städten.“

Isidoros Sapounas (25) aus Athen, Maschinenbauingenieur, Schwerpunkt Kunststofftechnik, hat im Februar eine Anstellung bei der Deutschen Bahn in Berlin bekommen: „Durch das Stipendium erhält man viel Unterstützung, Zugang zum Arbeitsmarkt sowie Kontakte. Jedoch braucht man unbedingt fortgeschrittene Kenntnisse der Fachsprache und sollte wissen, wie das Arbeitssystem im jeweiligen Bereich funktioniert, etwa welche Softwareprogramme ein Ingenieur kennen muss. Bei meinem letzen Besuch des „Recruiting Tags“ der VDI nachrichten in München habe ich erfahren, dass die deutsche Sprache mindestens in verhandlungssicherem Niveau beherrscht werden sollte. Wichtig sind Vertrauen und viele Bewerbungen zu verschicken, und zwar nicht nur in deine Traumstadt, sondern auch in kleine Städte, in denen man seinen Traumberuf ausüben kann.“

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