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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Digitalisierung

Klage über politische Passivität

Von Wolfgang Schmitz | 7. Dezember 2017 | Ausgabe 49

Arbeitswissenschaftlern fehlt beim technologischen Wandel die Rückendeckung aus den Parteien.

In Deutschland sieht jedes vierte Unternehmen seine Existenz aufgrund fortschreitender Digitalisierung gefährdet. 60 % sehen sich beim technologischen Wandel als Nachzügler. Fast genauso viele Arbeitgeber (57 %) fühlen sich durch Firmen aus der Internet- und IT-Branche einem verschärften Wettbewerb ausgesetzt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom.

Die Skepsis ist fast schon greifbar. „Wir spüren nicht nur bei den Beschäftigten, sondern auch bei den Arbeitgebern eine große Unsicherheit“, sagte Christiane Benner, zweite Vorsitzende der IG Metall, auf der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) in Duisburg. Durch den Mangel an Ideen und Geschäftsmodellen zur Gestaltung der Digitalisierung in vielen klassischen Branchen wie dem Maschinenbau übertrügen sich Existenzängste naturgemäß auf die Belegschaften. Bislang sei die Botschaft „Wir stehen dafür, dass keiner durchs Netz fällt!“ nicht vernehmbar. Benner fehlen aus der Politik positive Zukunftsbilder.

Als „Depressiver“ wollte Christoph Dammermann „nicht um die Ecke kommen“. Der Staatssekretär im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium sieht soziale Sicherheit nicht als vorrangige politische Aufgabe. Junge Menschen drängten auf verbeamtete Jobs und nicht in die Unternehmen. Das dürfe in diesem Maße nicht sein. Zu Mündigkeit und Souveränität gebildete Bürger brauchten keine zusätzliche soziale Absicherung.

Das brachte Sabine Pfeiffer auf die Palme. Natürlich müssten die Menschen in ihrem individuellen Handeln gestärkt werden, betonte die Soziologin der Universität Hohenheim. Das stehe aber in keinem Gegensatz zum Sicherheitsbedürfnis, das in einer immer komplexer werdenden Welt für die Bevölkerung immer wichtiger werde. Wie Benner wartet auch Pfeiffer auf positive Signale aus der Politik. Natürlich könne man nicht für jeden Arbeitsplatz eine Bestandsgarantie geben; es ginge aber auch nicht, Technologien und Geschäftsmodellen freien Lauf zu lassen, ohne den Menschen zu signalisieren, dass sich die Politik für ihre Sicherheit einsetze.

Es gebe in den Unternehmen bereits viele gute Ansätze, die den Mitarbeiter ins Planungsboot holen, weiß Achim Wambach. Der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht vor allem die deutsche Politik in Zugzwang. Sie läge bei der sozialen Rahmensetzung im europäischen Vergleich weit hinten. „Der Staat ist bei der Strukturanpassungspolitik gefordert. Wir dürfen den Wandel nicht nur den Unternehmen überlassen.“

„Eine große Lücke zwischen Leitbild und Realität“ sieht Thomas Haipeter, IAQ-Abteilungsleiter Arbeitsorganisation. Die Arbeitgeber investierten zu wenig in digitale Aus- und Weiterbildung. Das sei in kleineren Firmen extremer als in großen. „Die Arbeitsbedingungen sind schlechter geworden, die Unsicherheiten größer.“

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