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Freitag, 15. Dezember 2017

Sachliteratur

„Krieg der Energiewelten“

Von Stephan W. Eder | 11. Mai 2017 | Ausgabe 19

Energie- und Klimapolitik ist ein Schlachtfeld der Desinformation. Da helfen Analysen, wie das neue Buch von Claudia Kemfert; auch dies braucht eine Einordnung.

w-Rezension BU
Foto: Murmann Publishers

Energiewende und Klimawandel – beides hängt eng zusammen. Sowohl politisch wie technisch und wissenschaftlich. Sachlicher Positionsaustausch ist selten auf diesem Gebiet, denn die Erkenntnisse der Klimaforscher und die Zielsetzung der Energiewende kennzeichnen langfristig unvermeidliche Verlierer und Gewinner. Ein Feld also, auf dem sich trefflich Position beziehen lässt.

Foto: Daniel Morsay

„Immer erbitterter kämpfen die Vertreter der alten Energiewelt gegen die Welt der erneuerbaren Energien.“ Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Gleich zehn „Fake News“, die die „Verfechter der konventionellen Energiewelt“ anführen, hat Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, identifiziert. In ihrem neuen Buch „Das fossile Imperium schlägt zurück“ nimmt sie sich die einzeln zur Brust und zerpflückt sie gnadenlos. Kemfert kann das; analytisch treibt sie wolkig-pauschale Behauptungen vor sich her. Wer ihren Argumentationen folgt, für den bleibt von den Statements wenig übrig.

In manchen Passagen kommt aber auch durch, dass sie selbst stark bewegt, mit welcher Vehemenz gestritten wird. Sie beschreibt nicht als Erste, aber sehr eindringlich, wie Klimaforscher weltweit seit Jahren unter enormem Druck stehen. Weil sie Forschung betreiben, deren Erkenntnisse oft „das gesamte energieintensive Wirtschaftssystem“ infrage stellen. Da zählt die banal pöbelnde E-Mail noch zu den vernachlässigbaren Übeln. Als Resultat bleibe, so skizziert sie, eine Auswahl der Mutigen unter Forschern, Wissenschaftlern und Journalisten. Applaus von denjenigen, die sie demaskiert, dürfte sie wohl nicht erwarten. Lesenswert ist es allemal.

Der Physiker Gerd Ganteför löckt in ganz anderer Sache wider den Stachel. Schon mit dem 2012 erschienenen Buch „Klima – der Weltuntergang findet nicht statt“ widersetzte er sich einer aktionistischen Politik aufgrund klimawissenschaftlicher Erkenntnis. „Wir drehen am Klima – na und?“ ist die konsequente Fortsetzung. Sie ist zwar nicht mehr taufrisch, bereits 2015 erschienen, aber zusammen gelesen mit Kemferts Buch, spannt sich so der große Bogen einer aktuellen Debatte übergreifend auf.

Falsch liegt, wer glaubt, der Physikprofessor aus Konstanz ließe sich vor den Karren jener spannen, die sich immer noch daran abarbeiten, dass derzeit ein Klimawandel im Gange ist und der Mensch ein Gutteil dazu beiträgt. Er sieht ein ganz anderes Problem: „Die globale Energiewende wird scheitern und die Menschheit braucht einen Plan B für das Klima.“ Der ist im Endeffekt ein Geo-Engineering, um die solare Einstrahlung zu verringern.

Folgt man Ganteför, ficht Kemfert einen Kampf aus, der sich nicht lohnt. So oder so scheitere die Energiewende, auch die deutsche – weil sie zu langsam sei, sich technisch der Speicherbedarf nicht realisieren lasse und die Bürgerschaft sie irgendwann nicht mehr haben wolle, denn sie werde zu teuer und zerstöre die Landschaft in hohem Maße.

Eines wird bei der Lektüre beider Bücher deutlich: Die Verunsicherung kann groß sein, wenn man sich blindlings in die Debatte um Energiewende und Klimaforschung begibt. Solche Bücher geben Anregungen, sie ersetzen aber das eigene Denken nicht.

Claudia Kemfert: „Das fossile Imperium schlägt zurück“, Murmann Publishers Hamburg, 2017, 132 S., 14,90 €Gerd Ganteför: „Wir drehen am Klima – na und?“ Wiley-VCH, Weinheim, 2015, 248 S., 24,90 €

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