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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Digitalisierung

„Massive Jobverluste bleiben aus“

Von Wolfgang Schmitz | 16. März 2017 | Ausgabe 11

Stellenabbau trifft ländliche Regionen mit hoher Produktionsdichte eher als Städte

Ein Blick auf die Auswirkungen der Digitalisierung lohnt sich nicht nur auf globaler und nationaler Ebene. Auch regionale Wirtschafts- und Arbeitsmarktakteure benötigen detaillierte Kenntnisse über die möglichen Folgen des technologischen Wandels, denn die Digitalisierung wird sich laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) regional unterschiedlich ausprägen.

Eine aktuelle IAB-Studie widmet sich mit NRW dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Zentrale Erkenntnis: „Gegenwärtig sind massive Beschäftigungsverluste im Zuge der Digitalisierung in Nordrhein-Westfalen nicht zu erwarten.“ Die analysierten Potenziale, die menschliche Arbeit durch Technik ersetzen könnten (Substituierbarkeitspotenziale), seien nicht mit Beschäftigungsverlusten gleichzusetzen, betonen die Autoren.

Die Befunde zeigen, dass aktuell vor allem Produktionsberufe vom technologischen Wandel betroffen sein werden, weniger Dienstleistungen. Das lässt sich entsprechend auf die Regionen übertragen. Insbesondere in Südwestfalen und im Bergischen Land liegen die Werte deutlich höher als in den dienstleistungsintensiven Kreisen und Städten entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet. Gegenwärtig arbeiten in NRW rund 16 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen mit einem hohen Substituierbarkeitspotenzial von über 70 %. Damit liegt das Land etwas über dem Bundesdurchschnitt von 15 %.

Digitale Schere: Wer in der Fertigung tätig ist, läuft eher Gefahr seine Stelle zu verlieren, als Beschäftigte im Dienstleistungssektor.

Vergleichsweise zukunftsfeste Jobs haben vor allem „Experten“, also Menschen mit einem mindestens vierjährigen Hochschulstudium, während „Helfer“ (höchstens einjährige Ausbildung) und „Fachkräfte“ (mindestens zweijährige Berufsausbildung), aber auch „Spezialisten“ (Meister- oder Technikerausbildung, Bachelorabschluss) eher zu ersetzen sein werden.

Verlässliche Aussagen allerdings sind aus diversen Gründen schwierig. Inwieweit tatsächlich Computer oder computergesteuerte Maschinen an die Stelle von Menschen rücken werden, hängt laut IAB auch von ethischen, rechtlichen und kostentechnischen Hürden ab. „Auch dürfen makroökonomische Anpassungsprozesse nicht unberücksichtigt bleiben: Die Investitionen in digitale Technologien müssen sich lohnen.“ Selbst wenn die Preise in diesem Bereich weiter sänken, sei es möglich, dass die Lohnkosten niedriger seien als die Kosten für Investitionen in Computer oder computergesteuerte Maschinen.

Zudem gingen durch technischen Wandel nicht nur Arbeitsplätze verloren, es entstünden auch neue. „Die computergesteuerten Maschinen müssen entwickelt und gebaut werden. Es werden Fachkräfte gebraucht, um Maschinen zu steuern, zu kontrollieren und zu warten. Fachkräfte, die mit der neuen Technik umgehen können, müssen geschult werden“, so die Forscher des IAB in ihrer Studie.

Im Zuge der Digitalisierung führten Produkt-, Prozess- und Dienstleistungsinnovationen sowie Produktivitätswachstum zu Preissenkungen. „Wenn diese steigende Nachfrage zur Folge haben, steigt die Beschäftigung. Damit könnte der Gesamtbeschäftigungseffekt der fortschreitenden Digitalisierung in der Summe durchaus positiv ausfallen.“

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