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Montag, 11. Dezember 2017

Studium

Mehr Recht für Ingenieure

Von Manfred Bergheim | 16. Februar 2017 | Ausgabe 07

Die Digitalisierung wirft neue rechtliche Fragen auf – auch für Ingenieure. Müssen die Curricula entsprechend erweitert werden?

Bergheim Recht BU
Foto: Rainer Weisflog

Wenn Mensch und Roboter auf Tuchfühlung gehen, drohen Unfälle. Die Kollaboration birgt für Ingenieure rechtliche Fallstricke. Juristische Kompetenz wird deshalb wichtiger.

Regulierungen und Normierungen können nicht allein aus dem Recht kommen. Sie müssen von vornherein technisch realisiert werden. Und da sind natürlich Ingenieure in erster Linie gefragt – mit einer gewissen juristischen Kompetenz im Hintergrund“, sagt Malte Gruber, der als Jurist an der Uni Frankfurt auch mit Ingenieuren zum Technikrecht zusammengearbeitet hat. Es genüge beispielsweise nicht mehr, als Ingenieur das autonom fahrende Automobil so zu konstruieren, dass es dem gegenwärtigen Recht entspricht. Es müsse ein sehr viel kreativerer Prozess in Gang kommen, der neue Entwicklungen hervorbringt, die über einen Ausknopf für den Notfall hinausgehen. Auch mit solchen Fragen wird sich Malte Gruber künftig als frisch berufener Professor der Universität Luzern beschäftigen.

Rechtliche Probleme der Digitalisierung

Thomas Klindt hat nie verstanden, warum man Ingenieure zunächst „unvorbereitet auf die Industrie loslässt“, um ihnen dann später in berufsbegleitenden Seminaren die Grundlagen des Rechts zu erklären.

Als Jurist ist der Münchener Industrieanwalt auf Produkthaftung spezialisiert. Um dieses Thema kümmert er sich auch als Mitglied der AG Recht bei der Plattform Industrie 4.0. „Eine Integration von Rechtsthemen in die Curricula wäre wünschenswert und notwendig“, bekräftigt Klindt. Doch angesichts der mit den Kerninhalten vollgepackten Curricula der Ingenieurwissenschaftler sieht er dafür kaum Möglichkeiten.

An der Fachhochschule Aachen hatte man bereits vor zwei Jahren bei der Diskussion des Hochschulentwicklungsplans überlegt, ob das Studienangebot in Richtung Recht vergrößert werden sollte. „Im Management eines Unternehmens muss später jeder auch Rechtskenntnisse haben“, formulierte Rektor Marcus Baumann. Doch am Ende wurden nur Angebote zum Wirtschaftsrecht ausgebaut. In den 1990er-Jahren etablierten sich, vor allem natürlich an technisch ausgerichteten Hochschulen, erste Lehrstühle für Technikrecht bzw. spezielle Studienangebote auch für Nichtjuristen. Damals ging es vor allem um verschiedene Aspekte der Produkt-, Produzenten- und Anlagenhaftung und bald auch um umweltrechtliche Fragen. Nun scheint etwas in Bewegung geraten zu sein.

An der TU Bergakademie Freiberg gibt es beispielsweise den Masterstudiengang Technikrecht, der sich primär an Absolventen ingenieur- und naturwissenschaftlicher Studiengänge richtet. Nach Einschätzung von Gerhard Ring, Rechtsprofessor an der TU Bergakademie Freiberg, wird in den ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen das Thema Industrie 4.0 breit diskutiert. Gleiches gelte für Wirtschaftswissenschaftler. Bei juristischen Fragestellungen würden zunehmend Fachjuristen kontaktiert. In ihrer Masterarbeit im Technikrecht erörterte beispielsweise eine Absolventin des Studiengangs die Frage: Ist der Roboter eine Rechtsfigur mit juristischer Relevanz? Die Studentin beantwortete die Frage übrigens mit einem klaren Nein.

Die Anpassung des Curriculums an Industrie 4.0 wäre eigentlich ohne große Schwierigkeiten möglich, führt Ring aus. Die Studierenden der ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächer würden sich zwar mehr, aber immer noch nicht ausreichend für Technikrecht interessieren. Meist würden sie sich nur die eine oder andere Lehrveranstaltung herauspicken. Für ein viersemestriges Aufbaustudium entschieden sich bisher nur wenige.

Aus Sicht von Hans-Joachim Bargstädt ist dieses Verhalten der Ingenieurstudierenden nachvollziehbar. Der Vorsitzende von 4ING, dem Dachverein der Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und Informatik an Universitäten, ist sich zwar sicher, dass die Beachtung juristischer Finessen einen immer höheren Stellenwert im Ingenieuralltag erhält. Es gehe den Fakultäten aber weiterhin vor allem darum, Ingenieure auszubilden, die ihren eigentlichen Job beherrschen. „Sonderfragen wie Datensicherheit, Datennachverfolgbarkeit, Haftungsregelungen lassen sich vergleichsweise leicht in einem Vertiefungsstudium vermitteln“, sagt der Professor für Baubetrieb und Bauverfahren an der Universität Weimar.

Für Industrieanwalt Klindt ist klar: Wenn Ingenieure im Studium juristische Kenntnisse zur Digitalisierung erworben haben, sind sie auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt. Und das nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Verwaltung, etwa in Gewerbeaufsichtsämtern oder Berufsgenossenschaften.

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