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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Kommentar

Mehr als nur ein Sahnehäubchen

Von Wolfgang Schmitz | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

Der Mann hat was zu sagen. „In der Marktwirtschaft gibt es immer Gewinner und Verlierer.

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Die Gretchenfrage lautet: Wie definieren wir Wohlstand?

Erstere müssen aber mit Letzteren solidarisch sein – sonst kündigen die Verlierer den Konsens der Gesellschaft auf.“ Und: „Das jetzige System ist so nicht aufrechtzuerhalten. In den USA könnten in den kommenden Jahren Millionen Busfahrer und Kassiererinnen ihre Jobs verlieren, weil sie durch die Digitalisierung überflüssig werden.“ Der das sagt, ist weder ein Träumer noch ein technikfeindlicher Innovationsverweigerer. Klaus Schwab ist Ingenieur und Chef des Weltwirtschaftsforums in Davos, wo sich vor einigen Tagen die Politik- mit der Wirtschaftselite unter dem Motto „Der Verbesserung der Welt verpflichtet“ austauschte.

Schwabs Appell, die Zukunft nicht auf einen Alleingang digitaler Innovationen, sondern auch auf ihre soziale Kompatibilität hin auszurichten, ist die Kritik eines Kapitalisten am Kapitalismus. Er hinterfragt das herrschende wirtschaftspolitische System, er stellt es nicht generell infrage. Auch die CDU machte auf ihrer Klausurtagung die soziale Frage zum Thema und forderte Wohlstand für alle.

In der Diskussion wird Technik häufig als mögliche Gefahrenquelle betrachtet, als Chance wird sie leider meist übersehen. Gesamtgesellschaftliches und persönliches Wohlergehen sind nicht trotz, sondern durch die Technik möglich. Die Gretchenfrage lautet: Wie definieren wir Wohlstand und Wachstum?

Materielle Sicherheit zu schaffen, ist eine Pflichtaufgabe, sie ist der Sockel des Wohlstands. Was wir daraufsetzen, ist mehr als nur ein Leckerli, ein Sahnehäubchen. Wohlstand kann auch bedeuten, vom Gaspedal zu gehen. Warum immer noch einen Gang höher schalten, wenn uns die Digitalisierung mehr Flexibilität und Freiheit verspricht? Es ist nachgewiesen, dass neue Techniken der Leistungssteuerung, wie Zielvereinbarungen und Vertrauensarbeitszeit, mit zunehmendem Stress einhergehen. Die Jungen wollen aus dem Hamsterrad heraus. Sie sind bereit, Abstriche zu machen. Das System kommt ihnen entgegen: Soziale Marktwirtschaft lebt von Kompromissen, sie funktioniert aber nur, wenn alle mitspielen. Dann werden auch (fast) alle profitieren. Und Klaus Schwabs Hoffnung auf eine solidarischere Gesellschaft wird ein bisschen realistischer.  Seite 31

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