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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Vorurteile

Mehr Wertschätzung ist nötig

Von Hans Schürmann | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Die Unternehmen müssen sich ändern, fordert Ulrike Struwe, Projektleiterin beim Nationalen Pakt für Frauen in Mint-Berufen.

VDI nachrichten: Frau Struwe, dass Frauen unter ihren männlichen Kollegen einen schweren Stand haben, ist das überhaupt noch ein Thema?

Foto: privat

Ulrike Struwe: Unternehmen haben die Aufgabe, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der sich Frauen und Männer wohl fühlen und fachlich entwickeln können.

Struwe: Es ist nicht die Regel, kommt aber leider immer noch vor. Für Frauen ist die Einmündung in einen technischen Beruf derzeit noch keine Selbstverständlichkeit. Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen wird ihre technische Kompetenz häufiger infrage gestellt, und das, obwohl wir heute die am besten qualifizierte Frauengeneration aller Zeiten haben. 

Wie sollten Frauen reagieren, wenn Kollegen so mit ihnen umgehen? 

Das ist die falsche Frage! Immer wieder wird behauptet, Frauen müssten sich Verhaltensweisen antrainieren, die sie befähigen, mit solchen Anspielungen oder Vermutungen umzugehen. Das ist nicht der richtige Weg. Vielmehr muss es in den Unternehmen um eine wertschätzende Unternehmenskultur gehen. Das Thema Frauen in technischen Berufen muss Normalität und Selbstverständlichkeit werden. Mit mehr Frauen in der Technik erreichen wir eine Erweiterung der Perspektiven bei Produktentwicklung und Problemlöseansätzen. Das sind nicht zu unterschätzende Vorteile. Aufgabe von Unternehmen, die Frauen als Fachkräfte gewinnen wollen, sollte sein, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der sich Frauen und Männer gleichermaßen wohl fühlen und fachlich entwickeln können. 

Unternehmen müssten also das Potenzial, das in der Zusammenarbeit gemischter Teams liegt, zu ihrem Thema machen? Passiert das nicht längst?

Nicht alle Unternehmen haben das bereits verstanden und eine entsprechende Willkommenskultur für alle ihre Mitarbeiter entwickelt – egal ob Mann oder Frau oder welcher Hautfarbe. Es ist eine Frage des Diversity-Managements in Unternehmen. Wichtig ist, diese Unterschiedlichkeit anzuerkennen und für sich zu nutzen. Ein weiterer Schritt ist es, in dieser Unterschiedlichkeit Führungspotenziale zu erkennen und zu fördern, auch wenn sie nicht den gängigen Erwartungen entsprechen. Männer gelten eher als durchsetzungsstark, dominant und entscheidungsfreudig und werden damit eher für Führungspositionen vorgesehen. Frauen werden als empathisch, kontaktfreudig und kooperativ gesehen, damit aber weniger für Führungsaufgaben wahrgenommen. Hier müssen sich Unternehmen ändern, damit Frauen wie Männer ihre Potenziale in gleichem Maße einbringen können. 

Was muss sich noch ändern?

Auch das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird häufig noch als Thema der Frauen behandelt. Dabei gibt es heute eine zunehmende Anzahl an Vätern, die sich aktiv der Erziehung ihrer Kinder widmen möchten. Diese Themen gilt es in den Unternehmen für Männer und Frauen entsprechend zu kommunizieren. Hier müssen die Unternehmen umdenken. Das erreicht man natürlich nicht von heute auf morgen. Das ist ein Prozess. Wichtig ist, dass die Unternehmen dies stärker als bisher in den Blick nehmen.

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