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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Film

Mit Gummistiefeln im Angesicht des Klimawandels

Von Stephan W. Eder | 10. August 2017 | Ausgabe 32

Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore hat einen Nachfolger seines Oscar-gekrönten Films „Eine unbequeme Wahrheit“ gedreht. Er zeigt auf, an welch seidenem Faden die globale Klimapolitik hängt.

Der Mann, das Podium, sein Publikum, Grafiken, Naturaufnahmen: Nach diesem Rezept produzierten Laurie David und Lawrence Bender 2006 den Film „An Inconvenient Truth“, deutsch: „Eine unbequeme Wahrheit“. Im Mittelpunkt stehen der ehemalige US-Vizepräsident und Umweltpolitiker Al Gore und sein Vortrag zum Klimawandel, den er zuvor schon mehrere Hundert Mal vor Publikum in aller Welt gehalten hatte. Daraus einen Film zu machen, brachte dem Regisseur Davis Guggenheim 2007 den Oscar in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ein. Ein Kassenschlager, was Dokumentarfilme angeht.

Jetzt bringt Al Gore mit den Regisseuren Bonni Cohen und Jon Shenk eine Fortsetzung, neudeutsch: Sequel. Hebt das Original auf den Vortrag Gores ab, für den Guggenheim damals extra ein Set mit Vortragsbühne und Auditorium bauen ließ, ist der Nachfolger ein Roadmovie. „Immer noch eine unbequeme Wahrheit: Unsere Zeit läuft“ (englisch „An Inconvenient Sequel: Truth to Power“) zeigt einen Elder Statesman, der unermüdlich durch die Welt reist.

Seine stärksten Szenen hat der Film dann, wenn greifbar wird, wie fragil die Balance ist, was den Planeten und was die Klimaschutzpolitik angeht. Natürlich ist Gore in Grönland, natürlich ist Hurrikan Sandy dabei, der das 9/11 Memorial in New York flutet. Er zeigt an verschiedenen Schauplätzen der dritten Welt, wie dort heute die Auswirkungen des Klimawandels spürbar sind. Davon mehr bitte.

Gore ist mit dem Bürgermeister von Miami vor ein paar Wohnblocks zu sehen. Ratlos stehen die beiden und andere Verantwortliche der Stadt, bewehrt mit Gummistiefeln, auf einer überfluteten Straße. Immer und immer wieder wird hier das Wasser hochgedrückt. Seit Wochen. Und nicht nur hier. Man wolle die Straßen neu bauen, höher legen. Ob das reicht? Schulterzucken. Klimawandel live.

Danach fährt Gore in ein Konferenzzentrum in Miami, zieht die Gummistiefel aus, den Anzug an und eilt zum Vortrag: Die Botschaft: „Schaut her, Klimawandel ist nicht länger akademisch, wir müssen etwas tun.“

Gore in Indien, Gore in China, immer in Kontakt mit Regierungsverantwortlichen, dann: der Weltklimagipfel 2015 in Paris. Der Film macht das gut: Er verdeutlicht die besondere Atmosphäre seinerzeit, als nur wenige Wochen nach den Attentaten vom 13. November die Mehrheit aller Staats- und Regierungschefs nach Paris kam – und zuerst kondolierte. Bevor es in beinharte Verhandlungen ging. Eine grenzwertige Situation, die, das suggeriert der Film, auch durch „a little help from my friend“ Mr. Al Gore, schließlich zum Pariser Weltklimaabkommen führte.

Zum Schluss wird Gore aktuell: Das Aufkündigen dieses Vertrags durch US-Präsident Donald Trump habe ihn schwer getroffen, gesteht er ein. Doch anders als von ihm befürchtet, zieht die Welt nicht nach. Nur Trump steigt aus. Und Gore macht weiter, unermüdlich, wird reisen und reden und mahnen.

Filmstart Deutschland: 7. September, 98 min, Verleih: Paramount Pictures

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