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Dienstag, 12. Dezember 2017

Hochschule

Mit dem Solarbuggy durch die Wüste

Von Sabine Neumann | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Australiens Sonne ist wie geschaffen für den „Solarbuggy“, den Bochumer Studenten im Herbst in Down Under auf die Reise schicken wollen.

Solarbuggy BU
Foto: Sabine Neumann

Die Bochumer Entwickler und Konstrukteure des Solarbuggys sehnen den Oktober herbei, wenn Team und Fahrzeug nach Australien aufbrechen. Die Vorfreude ist den jungen Autobauern in die Gesichter geschrieben.

Die Idee, mit Studierenden ein Solarbuggy zu bauen, kam Matthias Wiemers während eines Aufenthaltes in Australien: „In der Simpsonwüste herrschen jeden Tag sonnige Temperaturen von 50 ° C bis 58 ° C. Dort ist es heiß, staubig, es gibt keine Straßen und die schmalen Wege kann man nur mit Fahrzeugen befahren, die einen Allradantrieb haben. Warum nicht mal einen zweisitzigen Benziner zum Solarbuggy umrüsten, um dann damit die australische Wüste zu durchqueren?“

Solarprojekte sind in Bochum Tradition

Wiemers ist erheblich „vorbelastet“. Er leitete das SolarCar-Projekt der Hochschule Bochum. Dort entwerfen und konstruieren die Studierenden schon seit vielen Jahren solarbetriebene Autos mit Straßenzulassung und nehmen mit ihren Sonnenautos an internationalen Rennen teil. 2011/2012 ging es sogar mit dem „SolarWorld GT“ einmal rund um die Welt. Damit stellten sie damals einen Weltrekord auf. Nun möchten die Bochumer Studenten mit einem Solarbuggy in acht Tagen die Simpson Wüste durchqueren; das wäre ebenfalls rekordverdächtig.

Das Team der Hochschule Bochum besteht aus 30 Studierenden der Fachbereiche Elektrotechnik, Wirtschaft, Mechatronik und Maschinenbau sowie Designern von der Folkwang Hochschule Essen, unter ihnen fünf Frauen. Das gemeinsame Ziel ist die eigenständige Entwicklung und der Aufbau eines solarbetriebenen Offroadfahrzeugs, um somit der solaren Elektromobilität einen neuen Anschub zu verleihen. Finanzielle Unterstützung bekamen sie unerwartet durch den französischen Rallyefahrer Eric Vigouroux („Paris-Dakar“). Er hörte von diesem Projekt, zeigte Interesse und sponserte spontan den Buggy „Froggee“.

Seit Monaten wird jetzt in Bochum fleißig gewerkelt. Eine kleine Starthilfe erhalten die Hochschüler von dem Start-up-Unternehmen Auktora, das vor einigen Jahren von ehemaligen Studierenden der Hochschule Bochum gegründet wurde und sich auf elektrische Antriebe spezialisiert hat. Solarbuggy-Projektleiter Matthias Wiemers ist einer von fünf Geschäftsführern: „Wir haben den von Eric Vigouroux gesponserten Elektrobuggy konstruiert und auf seinen Wunsch hin zur Weiterentwicklung dem Solarbuggy-Team überlassen.“

Die Anfänge mit Froggee waren nicht einfach. Gemeinsam musste das vielköpfige Team zahlreiche technische Herausforderungen bewältigen. „Das neu entwickelte Getriebe erhielt ein größeres Übersetzungsverhältnis, damit beim Befahren von Sanddünen in der Wüste bei geringer Geschwindigkeit ein höherer Drehmoment vorhanden ist,“ erklärt Christian Vahle, der Wirtschaftsingenieurwesen im sechsten Semester studiert. „Außerdem haben wir einen speziellen Solargenerator entwickelt, um die Sonnenenergie in elektrische Energie umzusetzen.“

Der 25 m2 große ausfaltbare Solargenerator wird in den „Wüsten-pausen“ die 15 kWh große Fahrzeugbatterie mit der Energie der Sonne aufladen. „Froggee“ soll 120 km/h Höchstgeschwindigkeit erreichen und eine Straßenzulassung erhalten. Vahle: „Dafür müssen noch alle straßenrelevanten Teile, wie Blinker, angebracht werden.“

Viele der Studierenden arbeiten in ihrer Freizeit am Solarbuggy mit; andere nutzen das Hochschulprojekt als Wahlmodul oder „Stoff“ für ihre Abschlussarbeit. Somit haben sie die Möglichkeit, ihr in der Vorlesung erlerntes Fachwissen hautnah und praktisch anzuwenden.

Im Oktober möchten die Bochumer startklar sein, um mit ihrem Solarbuggy die Simpsonwüste in Australien zu durchqueren. Das sind immerhin rund 400 km. Vermutlich sind die kreativen Köpfe acht Tage unterwegs. Der geplante Weltrekord soll sie ins Guinnessbuch der Rekorde bringen. „Wir sind weltweit die einzigen, die mit einem selbst gebauten Solarbuggy eine Wüste durchqueren wollen“, sagt Teamleiter Marc Blüge, der im dritten Mastersemester Elektromobilität an der Hochschule Bochum studiert.

Gedanken über den detaillierten Ablauf hat sich das Team natürlich schon gemacht. „Um die Batterien zu schonen und um eine größere Reichweite zu erzielen, muss dauerhaft die richtige Fahrspur gesucht und die zuvor festgelegte Geschwindigkeit konstant gefahren werden“, sagt Blüge. Bei der Rekordjagd durch die Wüste werden die Fahrer mit Sonnenbrille, Kopfbedeckung, Maske oder Tuch zum Schutz vor Sonne und Staub ausgerüstet. Leider gibt es keine Servolenkung an dem Solarbuggy – da ist Muskelkraft gefragt. Scharfe Kurven sollen sich in der Wüste aber bekanntlich in Grenzen halten. 

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