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Freitag, 15. Dezember 2017

Wissenschaft

Partner unter einem Dach

Von Monika Etspüler | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

In unmittelbarer Nachbarschaft der RWTH Aachen entsteht eine Begegnungsstätte von Wissenschaft und Industrie mit insgesamt 19 Clustern.

RWTH BU
Foto: RWTH

Noch ist es ruhig in den Räumen und Gängen des Clusters Smart Logistik der RWTH Aachen. Das wird sich ändern.

Von Günther Schuh, Geschäftsführer des Campus der RWTH Aachen, stammt der Spruch „Forschung braucht Raum“. Seit 2010 lässt er diesem Satz Taten folgen. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Hochschule entsteht eine der größten technologieorientierten Forschungslandschaften Europas. „Idee dieses Projektes ist es, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie unter einem Dach, den sogenannten Clustern, zu stärken“, charakterisiert Volker Stich, der Leiter des Smart Logistik Clusters, das Selbstverständnis des RWTH Aachen Campus.

Visionäre Lösungen aus Aachen

Insgesamt 19 dieser Cluster mit Büros, Hallenflächen und Laboreinrichtungen sind für die nächsten Jahre geplant. Im Endeffekt werden auf einer Fläche von 2,5 km² rund 10 000 Mitarbeiter und mehr als 300 Unternehmen mit aktuellen Fragen wie Digitalisierung, Industrie 4.0 und Klimawandel befasst sein. Sechs Cluster forschen bereits auf interdisziplinär relevanten Gebieten. Dazu zählen Smart Logistik, Nachhaltige Energie, Biomedizin, Photonik, Produktionstechnik und Schwerlastantrieb.

Der RWTH Aachen Campus ist eine Kooperation auf Gegenseitigkeit. Die Forschungsgebäude werden von Privatinvestoren errichtet und von der Campus GmbH angemietet. Die Industriepartner sind in den Clustern „immatrikuliert“. Das heißt, die Unternehmen setzen für Forschung und Entwicklung langfristig eigene Mitarbeiter auf dem Aachener Campus ein. Die Hochschule ihrerseits stellt ihr Know-how, die Forschungsinfrastruktur und darüber hinaus auch noch qualifizierten Nachwuchs zur Verfügung. Davon profitieren auch die angehenden Ingenieure, denn sie haben die Möglichkeit, als Studierende, Masterabsolventen oder Doktoranden an den technologischen Aufgabenstellungen der Cluster mitzuforschen.

Einer von ihnen ist Tobias Zentgraf. Demnächst beginnt er am Forschungszentrum Flexible Elektrische Netze (FEN), das zum Cluster Nachhaltige Energie gehört, mit der Masterarbeit. Mit seinem Studienschwerpunkt Elektrische Energietechnik fühlt er sich dort gut aufgehoben. „Das ist das, was ich schon immer machen wollte.“ In den letzten Monaten hat er als studentische Hilfskraft beim FEN Praxisluft geschnuppert und dadurch ein gutes Gespür bekommen, was ihn bei seiner Forschungsarbeit erwartet.

Für Christian Haag, den Geschäftsführer des FEN, ist die Integration der Studierenden in die Campusaktivitäten ein wichtiger Aspekt. „Die Industriepartner bekommen so ein realistisches Bild von der Leistungsfähigkeit der studentischen Mitarbeiter und können auch besser abschätzen, inwieweit diese in das jeweilige Unternehmen passen. Andererseits erhalten die Studentinnen und Studenten eine Vorstellung, wie sich ihr künftiges berufliches Leben einmal gestalten wird“, so Christian Haag.

Auch Tobias Zentgraf will über seine Masterarbeit Kontakte zu Unternehmen knüpfen. Zehn Industriepartner und 15 Lehrstühle sind im FEN zusammengefasst. Ihr übergeordnetes Ziel ist es, zu einer effizienteren Energienutzung beizutragen und so die Wende hin zur nachhaltigen Energieversorgung zu beschleunigen. Die Liste der beteiligten Firmen liest sich wie der Auszug aus dem Who‘s who der Energietechnik und Energiewirtschaft. Zu ihnen zählen unter anderem Infineon, Siemens und der Düsseldorfer Energieversorger E.on.

Zu den Clustern der erste Stunde gehört die Smart Logistik. Circa 100 wissenschaftliche Mitarbeiter und 150 studentische Hilfskräfte sind hier eingebunden. Außerdem sind rund 60 Firmen in dem Cluster immatrikuliert. „Bei uns geht es wesentlich um die IT hinter der Logistik und die Digitalisierung hinter der physikalischen Logistik bzw. hinter dem Materialfluss in den Unternehmen“, so Volker Stich. Das heißt, für die unterschiedlichsten Produktgruppen kann in den Labors die komplette Wertschöpfungskette im Sinne von Supply Chain über verschiedene Fertigungs- und Montagestufen bis hin zur Auslieferung abgebildet werden.

Die Möglichkeiten, die der Cluster bietet, machte sich die E.go Mobile AG zunutze. Sie entwickelte ein Elektroauto für den Privatgebrauch. Zu dem 50-köpfigen Team gehören auch Aachener Studierende. Mit Begeisterung dabei ist Student Bunly Lay. „Ich habe immer vor Augen, dass dieses Auto schon bald auf der Straße zu sehen sein wird.“

Das Elektroauto E.go Life wird eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h und eine Reichweite von 80 km haben. Die Entwicklungskosten betragen mit rund 30 Mio. € etwa ein Zehntel der Kosten, die Autobauer normalerweise für ein Auto veranschlagen und ist für rund 14 000 € zu haben.

E.go Life ist nicht das erste Elektroauto aus der Campusschmiede. Schon der „Street Scouter“ wurde im Umfeld der RWTH Aachen entwickelt. 2014 übernahm ihn die Post DHL Group, seitdem ist die RWTH‘ler Flotte bundesweit unterwegs. Auch der E.go Life soll 2018 in Serie produziert werden. Geplant sind 10 000 Fahrzeuge.

Volker Stich ist überzeugt: „Studierende, die sich durch solche Projekten kämpften, sind mindestens zwei Schritte weiter auf der Karriereleiter als klassische Hochschulabsolventen.“ Das sei zwar anstrengend, aber es lohne sich, sagt er. 

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