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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

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Kommentar

Quälende Glückseligkeit

Von Wolfgang Schmitz | 29. Juni 2017 | Ausgabe 26

Tack... tack ... tack. Gnadenlos tritt Lara in die Pedale. Wir alle folgen ihr.

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Wir lassen das gelbe Trikot nicht allein.

Im Takt, nicht auf Strecke. Denn unser Rad bewegt sich trotz aller Strampelei nicht von der Stelle. Wir befinden uns in einer Düsseldorfer „Muckibude“, genauer gesagt: in einem Cycle-Kurs. Lara ist unser gelbes Trikot. „Ihr dürft mich jetzt nicht allein lassen“, ruft sie uns mit einem Lächeln zu. Wir lächeln zurück. Tack ... tack ... tack. Wir nehmen tatsächlich für bare Münze, dass dieses Kraftbündel unserer Hilfe bedarf. Schließlich sind wir ein Team. Alle für eine, eine für alle. Hier quält sich niemand allein; keiner, der so tut als ob. Tack ... tack ... tack. Lara macht oben auf der Bühne die Pace – ohne eine Rampensau zu sein. „Herausragend“ kommentiert sie unsere Leistungen und die Schweißbäche, die wir vergießen. „Da geht noch mehr“, glaubt sie. Diese Meinung hat sie exklusiv. Sie dreht am Schräubchen, das den Widerstand ihres Rades erhöht. Spinnt die? Na gut. Ich kann und darf Lara jetzt nicht enttäuschen. Also drehe auch ich.

Zu Uffta-uffta-Musik, die Liebhaber ernster Musik in den Wahnsinn, uns aber über physische Grenzen treibt, hole ich das Letzte aus mir heraus. Ein verstohlener Blick in die Runde: Nicht nur ich bewege mich am Limit, auch die Jugend lässt Körner. Tack ... tack ... tack. Noch ein paar kräftige Sprints, um den Gegner in mir abzuschütteln, dann sollte es geschafft sein. Die Aussicht auf jede Menge Endorphine hält mich im Sattel. Die Fensterscheiben beschlagen mit unseren Ausdünstungen. Dann hat das Lara-Team das Ziel erreicht. Unser gelbes Trikot haben wir zum x-ten Mal erfolgreich verteidigt. Die Mannschaft ist der Star, jeder hat seinen Anteil am Erfolg. Das jedenfalls lässt Lara uns spüren: „Jetzt einfach nur noch stolz sein!“

Das sind wir. Und dank Hormonschub ein bisschen glücklicher. Und ein wenig nachdenklich. Warum kann das nicht häufiger so sein? Warum sind Motivationskünstler wie Lara so selten? Nicht nur auf dem Rad, auch im Büro. Meine These lautet: Lara hat Spaß an der Arbeit. Das steckt an. Da kommt alles andere automatisch: Lachen, Sich-Abstrampeln, Teamgeist, Stolzsein und weitere Zutaten für den Happy-Shake. Tack ... tack ... tack ...

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