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Dienstag, 12. Dezember 2017

Existenzgründung

Schätze in Big Data heben

Von Ariane Rüdiger | 29. Juni 2017 | Ausgabe 26

Viele junge Unternehmen profitieren von den Chancen der Datenökonomie. Mit ihren Leistungen gewinnen sie Großunternehmen als Kunden.

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Foto: panthermedia.net/adiruch

Fingerzeig: Aus dem Analysieren riesiger Datenmengen haben Unternehmensgründer attraktive Geschäftsmodelle entwickelt.

Das deutsche Datenschutzrecht ist eines der strengsten der Welt. Dass das kein Hindernis für datengetriebene Geschäftsmodellen sein muss, belegen viele Beispiele.

Zum Beispiel Idalab. Das Unternehmen berät Businesskunden zu den Themen KI-Algorithmen (KI: Künstliche Intelligenz) und Datenstrategie. „Wir übersetzen sehr individuelle Kundenanforderungen in aufgabenspezifische Algorithmen“, sagt Paul von Bünau, Inhaber und Geschäftsführer. In Zukunft sollen mehr neuronale Netze, Maschinenlernen oder mathematische Optimierungsverfahren eingesetzt werden.

Ein Beispiel: Ein Kunde, der Industrieglas und andere Baustoffe herstellt, baute Vibrationssensoren in das hergestellte Fensterglas ein. Intelligent analysiert, zeigen die Vibrationen des Glases, ob gerade eingebrochen oder nur gelüftet wird. „Dabei muss man Energiebegrenzungen beim Sensor beachten und lokale Intelligenz einsetzen“, sagt von Bünau. „Unser größtes Problem ist nicht Datenschutz, sondern Nachwuchsmangel. Dass jemand die Technik und den Umgang mit den Kunden beherrscht, ist selten – wir müssen also selbst ausbilden.“

Ubermetrics, gegründet im Jahr 2011, hilft Betrieben, unternehmenskritische Informationen früher zu erkennen und so bessere Entscheidungen zu treffen. Dabei verwendet die bereits profitable Firma ausschließlich öffentlich zugängliche elektronische Datenströme aus der ganzen Welt, etwa aus Foren, Nachrichten, Blogs, Radio, Fernsehen und Handelsregistern. „Wir analysieren Hunderte Millionen von Quellen in Echtzeit, um unseren Kunden zu helfen, ihre Performance zu steigern“, sagt Bernd Molzahn, Mitgründer und Verkaufsleiter. „Unsere Viralitätsanalyse ermöglicht ein effizientes analytisches Kommunikations-Controlling und ist noch immer einmalig.“ So beobachtet etwa ein deutscher Autohersteller schon seit mehr als fünf Jahren mit Ubermetrics seine Lieferkette.

 Sensape, im Jahr 2015 gegründet, bietet nach eigenen Aussagen ein Digital-Signage-System für „Interactive Infotainment“ an, das mit dem deutschen Datenschutz kompatibel ist. Die Firma liefert Kunden ein Hard- und Softwarebündel für elektronische Werbeflächen. Kernbestandteil sind Aufsteller mit Bildschirmen, die mit Kameras und intelligenten Verarbeitungsalgorithmen gekoppelt sind. Wer eigene Bildschirme verwenden will, kann auch nur ein Verarbeitungssystem mit Bildsensor kaufen und an den Bildschirm anschließen. Das System scannt und analysiert die Kunden und findet heraus, auf welchen Input sie besonders gut ansprechen. Dieser Input kann dann der entsprechenden Zielgruppe präsentiert werden, um den Absatz der beworbenen Marken und Produkte zu steigern. Das System registriert in Echtzeit persönliche Merkmale wie Alter, Geschlecht, Betrachtungsdauer, Stimmung aber auch die Produkte in der Hand oder im Einkaufskorb und korreliert diese Informationen mit den präsentierten Werbebotschaften. Dann löscht das System das konkrete Bild nach Sekundenbruchteilen wieder, so dass es unmöglich ist, die Person zu identifizieren. Steuerbar ist die Lösung per Smartphone. Die Methode erhöht laut Sensape den Umsatz beworbener Produkte aufs Mehrfache und sei weit effizienter als konventionelle Werbung. Pilotkunden gibt es bereits, mit einer großen Handelskette laufen Verhandlungen um eine Implementierung. Im nächsten Jahr möchte Sensape profitabel werden.

Foto: A. Rüdiger

"Berater verbringen zu viel Zeit mit der Analyse von Daten." Grigori Gajdukow, Business Developer bei Inspirient.

Inspirient automatisiert per Softwareservice die Analyse von strukturierten Daten (z.B. aus Excel). „Berater verbringen zu viel Zeit damit, Excel-Tabellen auszuwerten und Power-Point-Präsentationen aufzubereiten", erklärt Grigori Gajdukow, Business Developer bei Inspirient. Gegründet 2016, hat Inspirient mit vier Mitarbeitern ein auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen beruhendes Expertensystem entwickelt, das als Cloud-Service wichtige Trends, Ausreißer und auffällige Muster aus solchen Daten herausfiltert. Schon im kommenden Jahr sind schwarze Zahlen geplant, Pilotkunden sind große Beratungsunternehmen.

Weitere datengetriebene Start-ups soll der Wettbewerb „Space 4.0 – From Space to Business“ inspirieren. Ausgeschrieben haben ihn die Software AG und die Cesah GmbH, die Betreiberfirma des EU-Projekts „FabSpace“ an der TU Darmstadt. In den europaweit sechs FabSpaces bekommen Interessenten kostenlosen Zugriff auf die als Open Data zugänglichen Daten der Europäischen Weltraumorganisation ESA und Tools der Software AG, um Ideen zu entwickeln, die zu einer Gründung führen können. Einreichungen waren bis Ende Juni möglich, Siegerehrung ist auf der Cebit im nächsten Jahr. Den beiden Erstplatzierten winkt eine Woche im Silicon Valley.

Dass aus ESA-Daten Nützliches entstehen kann, belegt die Spacenus GmbH. Sie entwickelte eine App, die die Aufnahmen aus der Umlaufbahn so auswertet, dass Bauern aus ärmeren Ländern Hinweise erhalten, wie viel Dünger oder Wasser ihr Boden an einer bestimmten Stelle tatsächlich braucht.

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