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Dienstag, 12. Dezember 2017

Architektur

Schere und Papier für die Architektur

Von Peter Steinmüller | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Über das Verhältnis von Kunst und Architektur im Werk von Ludwig Mies van der Rohe informiert eine Ausstellung in Schweinfurt.

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Foto: The museum of Modern Art, New York/Scala, Florence/VG Bild-Kunst, Bonn, 2017

Flagge zeigen: Den Entwurf der Convention Hall in Chicago illustrierte Mies van der Rohe mit einem aufgeklebten Sternenbanner.

Den Entwurf einer Unternehmenszentrale zweimal für ein Museumsgebäude recyclen: Dieser Kunstgriff gelang Ludwig Mies van der Rohe. Der Architekt plante Ende der 1950er-Jahre den Firmensitz des Rumfabrikanten Bacardi in Santiago de Cuba als großzügig verglasten Flachbau. Als sich das Projekt mit der Revolution des Fidel Castro erledigt hatte, bot Mies den Entwurf dem Kugellagerfabrikanten Georg Schäfer für dessen Gemäldegalerie an, bevor er letztendlich mit der Neuen Nationalgalerie in Berlin doch Wirklichkeit wurde.

Ein Modell des architektonischen Dauerbrenners ist bis zum 28. Mai im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt zu sehen – nur wenige Hundert Meter entfernt von jener Stelle, an der einst der Mies‘sche Entwurf umgesetzt werden sollte.

Nach Angaben des Museums versammelt die Ausstellung mit rund 50 Arbeiten erstmalig alle Collagen und Fotomontagen des Stararchitekten. Mies, einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts, nutzte unter dem Einfluss der Kunstrichtungen seiner Zeit diese Bildtechniken, um seine Ideen für Wettbewerbe, Ausstellungen und Veröffentlichungen zu visualisieren. Die Collagentechnik verwendete er etwa für seinen Entwurf der Convention Hall in Chicago. Den unteren Rand der Innenansicht beklebte er mit Fotos von Delegierten des Republikanischen Parteitags im Jahr 1952. Die Menschenmenge und die von der Decke herunterhängende, ebenfalls aufgeklebte US-Flagge zeigen, wie seine Architektur in sozialen Zusammenhängen funktionieren sollte.

Eine eigener Raum in der Ausstellung widmet sich den Entwürfen nie realisierter Hochhäuser mit Glasfassaden. Um ihre Wirkung im Raum zu demonstrieren, montierte er die Zeichnungen in Fotos von Berliner Straßenzügen.

Die Bilder geben einen Eindruck vom doppelten Verlust, den die Architektur durch die Nazi-Diktatur erlitt: zum einen durch die verheerenden Gebäudeschäden, zum anderen durch die Vertreibung von Mies und anderen Vertretern der Bauhaus-Architektur ins Exil. Die Neue Nationalgalerie blieb der einzige Bau von Mies im Nachkriegsdeutschland.

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