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Freitag, 15. Dezember 2017

Gesprächsrunde

Schlechte Chancen für den Robo-Boss

Von Chris Löwer | 30. März 2017 | Ausgabe 13

Die Generation K sieht die Digitalisierung eher skeptisch.

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Foto: Chris Löwer

Konica-Minolta-Chef Shoei Yamana stellte in Berlin eine neue IT-Plattform vor. Er setzt auf künstliche Intelligenz.

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Übernimmt künstliche Intelligenz das Ruder? Antworten auf diese Fragen suchte eine Expertenrunde, die Konica Minolta in Berlin an einen Tisch brachte. Die neue Arbeitswelt, sie ist verwirrend. Allein schon, weil etliche Generationen in ständig wechselnden Projektteams scheinbar immer und überall zusammenarbeiten. In Teams treffen Vertreter der Generation X, der Generation Y, der Generation Z und neuerdings auch der Generation K aufeinander. K? Ja, den Begriff hat die Wirtschaftswissenschaftlerin Noreena Hertz geprägt. Sie meint damit zwischen 1995 und 2002 Geborene, die unsichere Jobs und Zukunftsängste einen. Verantwortlich dafür seien vor allem die Finanzkrise und der Terrorismus.

Hertz traf bei einer Diskussion von Konica Minolta rund um die Evolution der Arbeit und kognitive Unternehmen auf den Schöpfer des Begriffs Generation X, Douglas Coupland. Der kanadische Autor und kritische Geist blickte mit gemischten Gefühlen in die Zukunft der Arbeit. Es könnte nämlich sein, dass sich bald „jeder Tag nach Mittwoch anfühlen wird“, meinte er – das könne passieren, wenn sich die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit immer weiter verflüchtigt. Könnte auch sein, dass durch Roboter und künstliche Intelligenz „immer mehr Leute immer weniger zu tun haben“, sagte Coupland, um sogleich zu schlussfolgern: „Aber zu viel Freizeit ist ein Desaster.“ Was würde dann aus der ohnehin desorientierten Generation X, die sich durch eine gewisse Ziellosigkeit, Slackertum (Schlaffheit) und Interesselosigkeit auszeichnet?

Foto: Chris Löwer

„Es ist gut, wenn Technik neue Räume für Kreativität, emotionale Intelligenz, Empathie und Problemlösungskompetenz ermöglicht.“ Belinda Parmar, Gründerin von The Empathy Business und Lady Geek.

Arbeit und Gesellschaft werden sich tief greifend durch die digitale Transformnation verändern, daran hatte keiner der Teilnehmer des Panels den geringsten Zweifel. Doch es müsse nicht böse enden, so der Tenor, wenn wir die Technik clever für uns arbeiten lassen, so dass neue Freiräume für menschliche Stärken geschaffen werden: Kreativität, emotionale Intelligenz, Empathie und Problemlösungskompetenz. Dafür plädierte Belinda Parmar, Gründerin von The Empathy Business und Lady Geek, eine Initiative, die mehr Frauen für IT-Jobs begeistern möchte. Parmar hat den „Empathie-Index“ erfunden, der darauf zielt, die Fähigkeit von Unternehmen, sich in die Lage ihrer Mitarbeiter zu versetzen und entsprechend zu agieren, misst. Genau davon werde abhängen, ob neue Technologie Mitarbeiter verschreckt oder sie Nutzen aus ihr ziehen, meint Parmar. Erstaunlicherweise ist die junge Generation K ziemlich skeptisch, zitierte Hertz eine ihrer Studien, wonach ausgerechnet die Digital Natives schillernden IT-Konzernen zutiefst misstrauen: „Nur 6 % halten Google, Apple und Facebook für vertrauenswürdig.“ Aber auch dem Staat trauen nur 10 % über den Weg.

Wichtig seien moralische Werte wie Gerechtigkeit und Toleranz, persönlicher Erfolg zähle eher weniger, dafür gemeinschaftliches Erleben und Arbeiten: „Die jungen Leute wollen real und nicht virtuell zusammenarbeiten und Erfahrungen teilen“, hat Hertz beobachtet. Eine Botschaft, die direkt auf Unternehmenslenker zielt: „Die Unternehmensführung muss revolutioniert werden“, forderte Parmar, „hin zu mehr und offeneren Formen der Kollaboration, zu mehr Flexibilität.“

Dabei könne die Technik durchaus helfen, sofern sie demokratisiert werde, die neuesten Tools eben nicht nur einer Informationselite zur Verfügung stehen, sondern allen. Wie es auch gelingen sollte, alle am Wissen des Unternehmens teilhaben zu lassen. Konica Minolta hat in Berlin mit dem „Workplace Hub“ eine IT-Plattform für Unternehmen vorgestellt. „Künftige Versionen der Plattform werden zusätzliche Funktionen für das Internet of Things, künstliche Intelligenz (KI), intelligente Peripherie und die Entscheidungsunterstützung umfassen, um das Herz des digitalen Unternehmens zu werden“, stellte Konica-Minolta-Chef Shoei Yamana in Aussicht.

Fraglich ist nur, ob Mitarbeiter kognitive Software und KI als Teammitglied akzeptieren werden. Stichwort Generation K, die digitalen Skeptiker. Eine Antwort darauf versucht die in Berlin vorgestellte Studie zum Arbeitsplatz der Zukunft, für die das Marktforschungsinstitut YouGov auf internationaler Ebene untersucht hat, was Arbeitnehmer über die Einführung neuer Technologien wie der künstlichen Intelligenz denken. Ergebnis: Ein gutes Drittel der 11 362 Befragten fürchtet, dass sie oder Kollegen durch Roboter, KI oder Automation ersetzt werden. Mehr als ein Viertel gab an, dass Roboter oder KI durchaus ein Fünftel ihrer täglichen Aufgaben übernehmen könnten. Zwei Drittel fänden es betrüblich, von KI oder einem Robo-Boss Arbeitsanweisungen zu erhalten.  cer

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