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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Cybermobbing

„Schüler müssen verstehen, was technisch passiert“

Von Wolfgang Schmitz | 2. März 2017 | Ausgabe 09

Informatiklehrer André Hilbig erklärt, wie der Unterricht informieren und aufklären kann.

VDI nachrichten: Kann der Informatikunterricht helfen, Schüler vor Cybermobbing zu schützen?

Foto: André Hilbig

André Hilbig: „Der Informatikunterricht kann das Verantwortungsbewusstsein stärken.“

Hilbig: Ein Lehrer muss die allgemeinen Konzepte hinter sozialen Netzwerken vermitteln, um die Schüler auf lange Sicht vor Mobbing zu schützen. Diese Aufgabe müsste der Informatikunterricht übernehmen. Der ist aber nur in wenigen Bundesländern verpflichtend.

André Hilbig

Wie sollte Cybermobbing im Informatikunterricht behandelt werden, damit die Schüler bewusster mit dem Thema umgehen?

Zum einen müssen Schüler verstehen, was technisch passiert, wenn eine Nachricht von einem Gerät zum nächsten übertragen wird, wie Internetseiten aufgebaut sind, wie und welche Daten etwa Facebook einsammeln kann. Inhalte über Netzwerke und Protokolle können schon in der Sekundarstufe I vermittelt werden. Zum anderen müssen Schüler für die Auswirkungen sensibilisiert werden.

Wie lassen sich solche Sensibilisierungen im Unterricht umsetzen?

Ein Szenario: Ich schicke eine Nachricht nur an meine Freunde. Niemand sonst kann diese lesen. Allerdings schickt einer dieser Freunde diese Nachricht weiter, etwa durch Kopieren oder Fotografieren. Die von mir vorgenommene Einschränkung wird damit ohne mein Wissen durchbrochen. Erst wenn ich weiß, wie Facebook und Co. funktionieren, erkenne ich das Risiko und hinterfrage mein Vorhaben, bevor ich „blind“ weiterleite.

Welche Kompetenzen halten Sie für besonders wichtig?

Es gibt viele Mobbinghandlungen, die entstehen, weil sich Schüler im Internet für jemand anderen ausgeben, Nachrichten mitlesen oder sogar veröffentlichen. Das sind Mobbingattacken, denen ich technisch einen Riegel vorschieben könnte. Innerhalb des Klassenverbands wäre dies leicht über kryptografische Verfahren zu validieren. Verschlüsselung und Signierung halte ich daher für eine wichtige Kompetenz, die im Informatikunterricht vermittelt werden kann.

Was kann der Informatikunterricht sonst noch leisten?

Er kann das Verantwortungsbewusstsein stärken. Außerdem können die meisten Inhalte durch spielerische Zugänge vermittelt werden. Zurzeit werden solche Inhalte nur in den Wahlpflichtbereichen gelehrt.

Sie veranstalten Workshops zum Thema „Soziale Medien und Schule“. Welche Erkenntnisse haben Sie aus dieser Arbeit gewonnen?

Meine Erfahrungen zeigen, dass Lehrkräfte und Schüler von den fachlichen Grundlagen und Auswirkungen überrascht und sogar überfordert sind. Obwohl allen klar ist, dass das Internet nichts vergisst, wissen nur wenige, was damit eigentlich konkret gemeint ist und welche Folgen das haben kann. 

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