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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Jubiläum

Sparsamer Schwabe und Tüftler

Von Johannes Wendland | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Gottlob Bauknecht, einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer, wäre am 30. April 125 Jahre alt geworden.

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Foto: Bauknecht Hausgeräte GmbH

Blick in das Bauknecht-Werk in Heideklinge (undatiert).

Kaum ein Werbeslogan steht wie dieser für die frühe Bundesrepublik mit ihren konservativen Geschlechterverhältnissen und für das Zeitalter des Wirtschaftswunders: „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen.“ Er entstand 1954 eher durch Zufall. Keine Werbeagentur hat dafür hohe Honorare kassiert, sondern es war der damalige Leiter der Abteilung „Weiße Ware“ des Elektrogeräteherstellers Bauknecht, der den markanten „Claim“ zwischen Tür und Angel erdachte.

Foto: Bauknecht Hausgeräte GmbH

Gottlob Bauknecht zog zunächst mit einem mobilen Reparaturdienst von Ort zu Ort und gründetet dann eine eigene Firma.

Gekostet hat es das Unternehmen im schwäbischen Schorndorf keinen Pfennig. Und das dürfte dem Unternehmensgründer und Firmenpatriarchen Gottlob Bauknecht damals sehr gefallen haben. Der Mann, der am 30. April 1892, vor genau 125 Jahren, in Neckartenzlingen zur Welt kam, zeichnete sich durch eine Sparsamkeit aus, die andere als Geiz bezeichnen würden. Dies und dazu ein unersättlicher Erfindergeist waren Merkmale, die Bauknecht zu einem der erfolgreichsten deutschen Innovatoren und Unternehmensgründer des 20. Jahrhunderts machen sollten. Und zum Hauptdarsteller einer Geschichte vom Aufstieg und Niedergang eines großen Unternehmens.

Der Name Bauknecht steht heute für Waschmaschinen, Geschirrspüler und Küchenmaschinen. Den Sprung auf den Markt für Haushaltselektronik vollzog Gottlob Bauknecht allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich als Erfinder und Unternehmer einen Namen gemacht.

In den ärmlichen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich Gottlob Bauknecht im ländlichen Tailfingen auf der Schwäbischen Alb mit einem mobilen Reparaturbetrieb für Landwirtschaftsgeräte selbstständig gemacht. Nebenbei baute er in einer kleinen Werkstatt Elektromotoren. Wo er Bedarf erkannte, bot er Verbesserungen an. So entwickelte er einen Nähmaschinenmotor und Ende der 1920er-Jahren einen Universalmotor für die damals noch weitgehend manuell betriebene Landwirtschaft.

Foto:  Bauknecht Hausgeräte GmbH

Der Motor mit der Bezeichnung „Landfreund“ ermöglichte Bauknecht den Durchbruch als Unternehmer.

Dieser Motor mit der Bezeichnung „Landfreund“, der heute unter Sammlern und Liebhabern hohe Preise erzielt, ermöglichte Bauknecht den Durchbruch als Unternehmer und den Übergang in die industrielle Fertigung. Schon bald beschäftigte Bauknecht in seinem Betrieb ganze Hundertschaften. Gefertigt wurden Motoren für immer neue Einsatzbereiche, von der Textil- bis zur Holzindustrie.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg baute Bauknecht seinen wachsenden Betrieb auf die Kriegswirtschaft um und stellte Rüstungsprodukte her. Das Kriegsende bedeutete für ihn lediglich einen kleinen Knick in der Wachstumskurve. Schon 1947 beschäftigte er in seinem Stuttgarter Werk mehr als 1000 Mitarbeiter. Und dann kam es, dass Gottlob Bauknecht einmal mehr von seinem Hang zur Sparsamkeit profitieren sollte. Weil bei der Herstellung der Motoren viele Blechreste anfielen, suchte er nach neuen Verwertungsmöglichkeiten, um Materialvergeudung zu vermeiden. Zwar herrschte noch ein großer materieller Mangel, doch zeigte die Konsumkurve in der Nachkriegszeit schon steil nach oben. Und so entwickelte Bauknecht 1948 die elektrische Rührhilfe Allfix, einen Vorläufer der modernen Küchenmaschine. Das Gerät wurde trotz seines schon für damalige Zeiten stolzen Preises zum Verkaufserfolg, was Bauknecht durch die Entwicklung von Ergänzungsteilen und Zubehör weiter anfeuerte.

Damit hatte Gottlob Bauknecht das Geschäftsfeld entdeckt, auf dem er sein Unternehmen im großen Stil ausbauen konnte. Die Wachstumsraten in den 1950er-Jahren waren hoch, die Elektrifizierung des Haushalts, die in den USA bereits weit fortgeschritten war, sollte auch in Deutschland Einzug halten. So stellte Bauknecht 1951 seinen ersten Kühlschrank, einige Jahre darauf auch Gefrierschränke und Waschmaschinen vor. 1964 brachte Bauknecht den ersten Geschirrspül-Vollautomaten auf den Markt – damals ein echter Luxusartikel im Haushalt.

Bauknecht war auf dem Höhepunkt des Erfolgs angelangt. Zu Spitzenzeiten beschäftigte sein Unternehmen 13 000 Menschen, der Umsatz erreichte 1,7 Mrd. D-Mark. Bauknecht erhielt Verdienstkreuze in der Bundesrepublik und in Österreich, wo er eine Fertigung aufgebaut hatte. Als Bauknecht am 9. September 1976 in Stuttgart starb, hinterließ er ein etabliertes Unternehmen, das sich jedoch als unfertiges Gebilde erwies. Bis zu seinem Tod hatte Gottlob Bauknecht an der Geschäftsführung des Unternehmens festgehalten und seinen beiden Söhnen die Übernahme von Verantwortung verwehrt.

Prompt verhoben sich Günter und Gert Bauknecht in den folgenden Jahren mit waghalsigen Auslandsinvestitionen und ritten den Konzern in die Pleite. Die deutsche Marke Bauknecht wurde zunächst Teil des niederländischen Philips-Konzerns und schließlich vom US-Konzern Whirlpool geschluckt. Tausende Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Für die Autorin Sabine Weißengruber-Auer, die über den Generationswechsel in Familienunternehmen forschte hat, stellt Bauknecht ein Beispiel dafür dar, wie schwer es die Nachfolger von Gründungsunternehmern haben können. Arm sind die Bauknecht-Erben trotz ihrer unternehmerischen Fehlentscheidungen nicht geworden. Vor seinem Tod übertrug Gottlob Bauknecht rund 200 Mio. Mark in private Stiftungen und entzog sie somit der Konkursmasse. Begünstigte dieser Stiftungen waren einzig Familienangehörige.

Die Marke Bauknecht hat alle diese Wirren überstanden. Beworben wird sie nicht mehr mit dem Slogan der 1950er-Jahre. Bis in die 1980er-Jahre wusste Bauknecht noch, was Frauen wünschen, aber dann machte die Emanzipationsbewegung diesem Motto den Garaus. Seit 2013 firmiert die Marke unter dem Claim „Bauknecht. Mehr als Technik“. Ob das dem Firmengründer und Techniknarr Gottlob Bauknecht gefallen hätte? cer

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