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Donnerstag, 18. Mai 2017, Ausgabe Nr. 20

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Ausbildung

Tarif im dualen Studium

Von Bernd Kupilas | 15. Dezember 2016 | Ausgabe 50

Der Dax-Konzern Continental hat eine Tarifvereinbarung für dual Studierende unterschrieben. Was bringt es dem Unternehmen, was den Gewerkschaften?

Foto: Panthermedia.net/Robert Kneschke

Nicht nur ums Geld geht es beim Tarifvertrag für dual Studierende, auch um Arbeitszeiten und Urlaub.

Dual Studierende bei dem Reifenhersteller und Technologiekonzern Continental kommen künftig in den Genuss einer eigenen tariflichen Regelung. Einen entsprechenden Vertrag hat das Unternehmen mit der IG Metall und der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) unterschrieben. Er regelt künftig einheitlich die Bezahlung, aber auch Urlaubsansprüche, Weihnachtsgeld und Ähnliches für die 520 Dualstudenten bei Continental. Unternehmen und Gewerkschaften bezeichneten die Einigung als „wegweisend“.

Denn bei Continental kommt nun eine Beschäftigtengruppe unter die Geltung einer Tarifregelung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bundesweit gibt es rund 95 000 junge Menschen, die im weitesten Sinne ein duales Studium absolvieren – also ein Studium mit der Tätigkeit in einem Unternehmen verbinden. 2009 waren es gerade einmal halb so viele. „Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung wird das duale Studium bei Studierenden immer beliebter und für uns immer bedeutsamer“, sagte Ariane Reinhart, Personalvorstand bei Continental.

Dual Studierende im engeren Sinne sind bei einem Unternehmen angestellt und verbinden ein vierjähriges Bachelor-Studium mit einer betrieblichen Ausbildung, die ihnen den Facharbeiterbrief einbringt. Durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis werden dual Studierende in den Unternehmen immer begehrter – die Firmen sichern sich hier den Fach- und Führungskräftenachwuchs im eigenen Haus. In der Metallindustrie sind bereits 15 % aller Auszubildenden dual Studierende.

Tarifverträge für dual Studierende sind aber bislang die Ausnahme. Die Bezahlung ist oft ungeregelt. Die Nachwuchskräfte fallen unter keinen eigenen Tarifvertrag, und auch ihr arbeitsrechtlicher Status bleibt oft verschwommen – im Gegensatz zu den normalen Auszubildenden, für die in der Regel ein Tarifvertrag gilt. Die Gewerkschaften pochen deshalb auf eine Klärung und tarifvertragliche Regelungen. Bei Volkswagen gibt es einen Haustarifvertrag, aber der Automobilkonzern spielt in der deutschen Tariflandschaft ohnehin eine Ausnahmerolle. Neben einer Reihe kleinerer Unternehmen ist Continental nun der zweite große deutsche Konzern, der eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet und damit die Arbeitsbedingungen auf Unternehmensebene regelt.

Ziel der Gewerkschaften ist es, dass der Status der dual Studierenden aber per Flächentarifvertrag geregelt wird – also in einem Tarifvertrag, der nicht nur für ein einzelnes Unternehmen, sondern für alle Dualstudenten einer Branche gilt. Die Arbeitgeber, beklagt die IG Metall, weigerten sich aber. Einen ersten solchen Vertrag für eine Industriebranche hat 2014 die IG BCE für die Kautschukindustrie unterschrieben. Dieser Vertrag diente als Blaupause für die jetzige Vereinbarung bei Continental.

Das Unternehmen profitiert davon, dass an 32 verschiedenen Standorten von Continental jetzt einheitliche Bedingungen für die Dualstudierenden herrschen. Schon bislang fielen sie unter einen der geltenden Tarifverträge in dem Unternehmen, die aber alle Unterschiede aufwiesen. Personalchefin Ariane Reinhart freut sich, „dass wir uns mit IG Metall und IG BCE auf eine einheitliche Ausgestaltung der Ausbildungsbedingungen in Deutschland einigen konnten“. Zudem ist eine Tarifregelung für das Unternehmen auch ein gutes Werbeargument, um neue Dualstudenten zu gewinnen.

Die Gewerkschaften wiederum bieten ihrer Klientel, die auch für sie immer wichtiger wird, eine Art eigenen Tarifvertrag. In einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt werden in Zukunft mehr hoch qualifizierte Fachkräfte mit Hochschulhintergrund in den Fabriken arbeiten. Diese gelte es, „für die Logik von Tarifverträgen zu gewinnen“, sagt ein Sprecher der IG Metall in Niedersachsen – und sie als Mitglieder in die Gewerkschaft zu locken. Mit dem Vertrag für Dualstudenten habe man „einen Pflock eingeschlagen“. Auch die Gewerkschaften hoffen, dass ihre Vereinbarung mit Continental Nachahmer findet. „Wir setzen darauf, dass diese Regelung auf weitere Unternehmen ausstrahlt“, sagt Peter Hausmann, Tarifvorstand der IG BCE.  

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