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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Arbeitsmarkt

Technik-Studiengänge bei Frauen beliebter

Von Hans Schürmann | 27. April 2017 | Ausgabe 17

Trotz guter Berufsaussichten arbeiten in Ingenieurberufen nur wenige Frauen. Ihr Anteil liegt laut Bundesagentur für Arbeit gerade mal bei 15 %.

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Foto: imago/Westend61

Seltener Anblick: Die Zahl der Studentinnen in Ingenieurstudiengängen ist gestiegen, aber es wird dauern, bis das am Arbeitsmarkt ankommt.

Die Zahl der Frauen in Ingenieurstudiengängen steigt zwar kontinuierlich, doch es wird noch lange dauern, bis in Technikberufen ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis erreicht sein wird. Das Werben von Politik und Wirtschaft um Studentinnen in den Bereichen der Ingenieur- und Naturwissenschaften scheint sich auszuzahlen. Die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) werden bei Frauen immer beliebter: Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren im Wintersemester 2016/17 knapp 32 % der Studienanfänger in diesem Bereich weiblich. Im Wintersemester 2012/13 vor vier Jahren waren es nur 26 %.

Besonders hoch war der Zuwachs an jungen Frauen in der Mathematik und den Naturwissenschaften. Dort stieg der Anteil der Frauen von 38 % im Wintersemester 2012/13 auf mehr als 50 % im Wintersemester 2016/17. Doch auch bei den Ingenieurstudiengängen konnten bei den Studienanfängerinnen nicht nur die bei Frauen beliebten Fächer Architektur, Umwelt- oder Medizintechnik punkten: So ist im Fach Elektrotechnik der Anteil der Studentinnen erstmals auf eine Rekordquote von 16,3 % gestiegen. 2011 habe der Anteil dort nur bei 10 % gelegen, sagt Michael Berger. Nach Ansicht des Vorsitzenden des VDE-Ausschusses „Studium, Beruf und Gesellschaft“ hat die Energiewende dazu geführt, dass sich immer mehr Frauen für das Studienfach begeistern.

Bemühungen, Mädchen und Frauen für IT und Naturwissenschaften zu begeistern, gibt es seit Langem und zuhauf. Unternehmen und Hochschulen engagieren sich hier auf vielfältige Weise: Mit Schnupperangeboten, Schülerinnen-Workshops oder Werksführungen bieten sie Einblicke in die Praxis.

Die Ursachen für das geringe Interesse von Frauen beispielsweise an IT-Berufen sind vielfältig, wie eine aktuelle Studie zeigt, die KRC Research im Auftrag von Microsoft in zwölf europäischen Ländern durchgeführt hat. Danach haben viele Frauen kaum Berührungspunkte mit IT, kaum Praxiserfahrungen oder Kenntnisse über mögliche Anwendungsgebiete von IT im „echten Leben“ und es gibt einen Mangel an weiblichen Vorbildern. Das größte Problem besteht laut Studie jedoch darin, dass sich Mädchen im Alter zwischen elf und 16 Jahren zwar durchaus für Fächer wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik interessieren, dass dieses Interesse jedoch danach rapide abnimmt und oft nicht wiederkehrt. Es sei denn, man steuere gezielt dagegen, so das Fazit der Studie.

Um Technikstudiengänge attraktiver zu machen, integrieren inzwischen immer mehr Hochschulen Lerninhalte in das Studium, die bei Frauen beliebt sind. „Das macht die Studiengänge für viele Frauen nicht nur interessanter, sondern kann auch dazu führen, dass diese später bei der Vertiefung eine Berufsrichtung für sich entdecken, an die sie vorher nicht gedacht haben“, sagt Kira Kastell, Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences und Vorsitzende des VDI-Netzwerks Frauen im Ingenieurberuf.

Bis der positive Trend bei der Studienwahl auch in der Arbeitswelt sichtbar wird, wird noch einige Jahre dauern, Vor allem im Bereich IT sind Frauen heute immer noch deutlich unterrepräsentiert: Nach einer aktuellen Studie liegt der Anteil weiblicher Beschäftigter im IT-Bereich in Deutschland bei lediglich 17,8 % und damit unter dem EU-Durchschnitt, sagt Heike Wiesner, Professorin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern, wie die geringe Zahl an Bewerberinnen auf offene IT-Positionen zeigt. Die Universität Bamberg hatte im Rahmen der Studie „Recruiting Trends 2017“ 37 der Top-300 Unternehmen befragt. Danach kamen nur 17,4 % der Bewerbungen von Frauen.

In der Industrie sind Frauen mit einem abgeschlossenen Ingenieurstudium begehrt und viele Unternehmen bemühen sich um eine größere Attraktivität als Arbeitgeber für Ingenieurinnen. Viele große Unternehmen haben die Gleichstellung von Mann und Frau bereits fest in ihrer Unternehmenskultur verankert, während kleinere und mittlere Firmen sich hier oft noch schwerer tun. „Sie wollen zwar als Arbeitgeber attraktiver werden für Frauen, die ein Ingenieurstudium absolviert haben, wissen aber nicht, wie sie das anstellen sollen“, sagt Kira Kastell.

Bei der Formulierung von Stellenanzeigen richten sich viele Unternehmen oft unbewusst in den Formulierungen vor allem an Männer. So würden oft Erwartungen beschrieben oder Kenntnisse gefordert, wie beispielsweise eine spezifische Industrieerfahrung. Oft, und das sei bekannt, leisteten Frauen aber ihre Praktika in Instituten, in denen sie ähnliche Erfahrungen sammeln wie in der Industrie. Hier könne ein Austausch mit dem Netzwerk helfen. Mit über 11 000 Frauen im Ingenieurberuf hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen der Ingenieurinnen in der Öffentlichkeit und im Berufsleben zu vertreten.

„Obwohl sich vor allem in der Ausbildung eine Menge verändert hat, Frauen und Männer gleichberechtigt behandelt werden, gibt es in der Arbeitswelt immer noch Nachholbedarf“, so die Vorsitzende des VDI-Netzwerks. So verdienen Frauen in gleicher Position oft weniger als Männer oder sie sind proportional zu ihrer Gesamtheit im Unternehmen nur selten in höheren Führungsebenen vertreten.

Damit die Ingenieurinnen im Alltag der oft reinen Männerwelt besser zurechtkommen, bietet das Netzwerk ihnen den Erfahrungsaustausch unter Frauen. „Der kann besonders dann helfen und Rückhalt bieten, wenn Frauen mit ihrer Situation im Beruf nicht glücklich sind“, sagt Kastell. Dann könne ein Gespräch helfen, Klarheit zu gewinnen, ob es an der Arbeit als solches oder nur an den Rahmenbedingungen im Unternehmen liege, und verhindern, dass diese Frauen vorschnell in einen anderen Beruf wechseln. 

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