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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Kommentar

Technik kann nur bedingt heilen

Von Wolfgang Schmitz | 9. November 2017 | Ausgabe 45

Ohne Technik ist die Medizin nichts. Oder zumindest nicht das, was sie heute zu leisten imstande ist und in Zukunft leisten muss.

Wolfgang Schmitz, Redakteur: Technik ist kein Allheilmittel.

Angetrieben von einer alternden und damit zunehmend pflegebedürftigen Gesellschaft wird der Ruf nach der Technik immer lauter. Sie soll das bisher medizinisch Unmögliche möglich machen, operative Eingriffe von menschlichen Unwägbarkeiten abkoppeln und uns körperlich harte Arbeit ersparen. Stillstand wird es in der Branche nicht geben. Dafür sorgt allein schon die Digitalisierung, die der Medizintechnik weiter Beine machen wird. Software ersetzt Denkprozesse, Dienstleistungen im privaten Umfeld wie in Arztpraxen und Krankenhäusern werden zunehmend automatisiert. Fest steht: Arbeitsplätze werden zuhauf wegfallen. Ob sie tatsächlich in ähnlich hoher Zahl an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, ist fraglich.

Was die generell zu befürwortende Technisierung der Medizin auf keinen Fall bewirken darf, ist die Hoffnung, ja die trügerische Sicherheit, mit ihrer Hilfe könne sich der Mensch jede Krankheit leisten, alles wäre dank Technik halb so schlimm und in den Griff zu bekommen. Die Ingenieure würden’s schon richten.

So sehr ihre Existenz zu begrüßen ist, so sehr leben Medizintechnikunternehmen nun einmal von Kranken und Gebrechlichen. Eine rundum gesunde Bevölkerung wäre Gift für ihr Wachstum. Das klingt brutal, basiert aber auf dem Kerngedanken unserer kapitalistischen und wachstumsorientieren Gesellschaft und verschärft sich im Zuge der Globalisierung noch.

Wir sehen die Technik viel zu sehr aus der Perspektive des Machbaren, viel zu wenig aus der des Sinnvollen und für den Menschen Nützlichen. Diese Aufgabe werden uns Medizintechnikunternehmen nicht abnehmen. Beispiel Stress: Jeder zweite Arbeitnehmer hierzulande berichtet laut „Arbeitszeitreport“ des Bundesamts für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin von größerer Hetze und gestiegenem Druck am Arbeitsplatz. Die Befragten klagen über Müdigkeit, Erschöpfung und fehlende Erholungsphasen.

Maschinen sollen uns von Stress befreien. Das Gegenteil ist offenbar der Fall. Dabei liegt der Fehler nicht in der Technik. Wir müssen sie nur zu gebrauchen lernen.

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