Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Freitag, 15. Dezember 2017

Lernwelten

Training für Industrie 4.0

Von Kathleen Spilok | 9. Februar 2017 | Ausgabe 06

In der gerade eröffneten Modellfabrik „Future Worklab“erhalten produzierende Unternehmen Anregungen, wie sie die Arbeitswelt von morgen digital gestalten können.

Fraunhofer BU
Foto: Ludmilla Parsyak/Fraunhofer IAO

Für Johanna Wanka war der Ausflug ins „Future Worklab“ nicht nur informativ, die Bundesforschungsministerin hatte auch sichtlich Spaß.

Lebenslanges Lernen ist längst ein geflügeltes Wort. Wie jedoch Qualifizierungen aussehen können, die im Zeitalter Industrie 4.0 taugen, dazu gibt es noch wenig Greifbares. Eine Ausnahme ist das Innovationslabor „Future Work Lab“, das die Fraunhofer-Gesellschaft vor wenigen Tagen in Stuttgart eröffnete.

Drei Wege in die Zukunft der Arbeit

Es gibt zahlreiche Katastrophenszenarien, die vorhersagen, dass mit Industrie 4.0 Zehntausende Arbeitsplätze wegfallen. Welche Zahlen tatsächlich zu erwarten sind, wird heute keiner verlässlich sagen können. Sicher ist: Die Arbeitsplätze und die Arbeitsformen werden sich verändern. Angetrieben durch die Digitalisierung geht diese Entwicklung sehr schnell. „Wir können nicht ständig darüber reden, was die neue Arbeitswelt bedeutet. Sondern wir müssen forschen, vordenken und Antworten geben“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka zur Eröffnung. Ihr Ministerium förderte die Modellfabrik mit 5,5 Mio. €.

„Wir brauchen Orte, an denen handfest etwas geschieht“, forderte Wanka in ihrer Rede. Das neue Stuttgarter Innovationslabor ist ein solcher Ort – mitten im Epizentrum der deutschen Automatisierungsindustrie. Aufgebaut haben ihn die Fraunhofer Institute IAO und IPA, begleitet von Gewerkschafts- und Arbeitgeberseite. Stellvertretend für die Unternehmen der Metallindustrie lobte Stefan Wolf, Vorsitzender von Südwestmetall: „Dieses Labor ist exakt das, was wir heute brauchen.“ Es gehe darum, Führungskräfte, Betriebsräte und Beschäftigte für die Industrie-4.0-Themen fit zu machen. Schulungsmittel und Ideengeber nennt er das Labor.

IG-Metall-Chef Hofmann erhofft sich von der Modellfabrik Klarheit, wie Arbeitnehmer auf die neue Arbeitswelt vorbereitet werden können. „Welche Tätigkeitsprofile werden erwartet, für welche Qualifikationen besteht Bedarf und wie gestaltet man Ausbildung und Ausbildungsinhalte?“. Das sind für ihn die wichtigen Fragen. Nicht warten, bis die Veränderung da ist, mahnt er. Man solle nicht nur in die Maschinen investieren, sondern in die Menschen und das rechtzeitig. Hofmann betonte, der technische Fortschritt müsse sozialen Fortschritt mit sich bringen – „sonst wird das zum Rationalisierungsprogramm“.

Die Modellfabrik ist als eine Art Trainingscamp für Industrie 4.0 angelegt. „Sie bietet eine Mischung aus konkreten Industrie-4.0-Anwendungen und Angeboten zur Kompetenzentwicklung nach dem aktuellen Stand der Arbeitsforschung“, beschreibt Institutsleiter Wilhelm Bauer den Anwendungskern. „Menschen auf dem Transformationsprozess begleiten“, das will Bauer. „Unternehmen, die zu uns kommen, können eine vorhandene Infrastruktur nutzen und direkt am Arbeitsplatz lernen.“

Auf dem Parcours mit zwölf Demonstratoren können vor allem Mittelständler ausprobieren, wie das Einmaleins der Digitalisierung funktioniert. So kann ein Exoskelett die Fabrikarbeit der Zukunft erleichtern. Es unterstützt den Werker beim Rangieren schwerer Lasten. Mit Datenbrillen lassen sich Dinge in virtueller Umgebung ausprobieren, ein wichtiges Werkzeug für die Prozessplanung. An einer anderen Station zeigen Sensoren, die der Mitarbeiter an Hand-, Schulter- und Kniegelenk trägt, an, wo bei Montagearbeiten Überbelastungen auftreten. Ein assistierter Montagearbeitsplatz macht vor, wie Informationen für einzelne Arbeitsschritte auf Bildschirmen und an Displays angezeigt werden können. Und eine einfache Roboterprogrammierung kann am Knickarmroboter gelernt werden: Im einfachsten Fall bekommt der Werker ein Tablet in die Hand und gibt dem Roboter über Pfeiltasten die Bewegungsrichtung vor. Die Positionen lassen sich speichern, die Bewegungsbefehle können danach als Arbeitsablauf abgespult werden.

Die Fraunhofer Lernumgebung verfügt über einen papierlosen Schreibtisch. Elektronische Dokumente legt man auf dem Tischbildschirm ab. Dahinter liegt eine Software, die die freie Anordnung vieler geöffneter Fenster zulässt. Dokumente werden mit Schieben und Wischen frei auf der Arbeitsfläche verteilt wie Papier. Besonders profitieren komplexe Tätigkeiten, die mit vielen verschiedenen Informationsquellen gleichzeitig arbeiten. „In der Endausbaustufe sollen es 60 dieser Exponate werden“, erklärt Institutsleiter Wilhelm Bauer.

Die Modellarbeitsplätze sind Teil eines Konzepts, das die Fraunhofer „Lernwelten“ nennen. Denn neben Informationen zur neuen Arbeitswelt gibt es das Modul Qualifizierung und als dritten großen Baustein die Begleitung im konkreten Veränderungsprozess. Die Lernwelt besteht aus Workshops mit unterschiedlichsten Inhalten und Zielgruppen. Ein Baustein ist das Betriebsratsseminar. Arbeitnehmervetreter lernen dort, Technik einzuschätzen, welche Veränderungen die Arbeit dadurch nimmt und was das für die Beschäftigten im Unternehmen bedeutet.

Solche Modelle sollen Schule machen. Gerade hat in Görlitz ein Lernlabor für Cybersicherheit bei kritischen Infrastrukturen eröffnet. „Das, was wir in der Forschung wissen, schnell in die Breite bringen“, wünscht sich Ministerin Wanka. Das Motto für das Wissenschaftsjahr 2018 werde wahrscheinlich „Zukunft der Arbeit“ lauten. 

http://www.futureworklab.de

stellenangebote

mehr