Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausstellung

Völlig losgelöst

Von Claudia Burger | 13. Juli 2017 | Ausgabe 28

Die Raumfahrtagentur ESA und das Hessische Landesmuseum präsentieren das Abenteuer der Raumfahrtmission Rosetta und ihrer Landesonde Philae.

Bildartikel zu 4_Rosetta_at_Comet_landscape_ESA.jpg
Foto: Esa/ATG medialab

Zehn Jahre dauerte die Reise der Sonde Rosetta und ihrer Landesonde Philae. Die Auswertungen der Ergebnisse der Mission wird wohl Jahrzehnte dauern.

Die Raumsonde Rosetta hängt an der Decke, hat ihre Sonnensegel ausgefahren, über ihr ist das Weltall abgebildet. Auch wenn sie nur als Modell gezeigt wird – selbst im Maßstab 1:4 verkleinert ist sie ein Blickfang. Entspannt blicken auf Sitzsäcken liegende Besucher zur Decke und erleben im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt einen besonderen Genuss: Eine multimediale Deckenprojektion, die in einer 30-minütigen Schleife läuft und die interessierten Laien-Weltraum-Forscher mitnimmt auf die Expedition von Rosetta und ihrer Landesonde Philae. Dieser Weg war lang, sehr lang: Nach zehnjähriger Reise und über 6,4  Mrd. km hatte sich Rosetta am 6. August 2014 dem Kometen 67P/Tschurjumov-Gerassimenko auf 100 km genähert. Kurz danach landete Philae auf dem Kometen.

Darmstadt

Bekannt wurde der Komet als „Tschuri“, Millionen Menschen interessierten sich plötzlich für Raumfahrt. Und jetzt können es alle noch einmal miterleben: Der Countdown läuft ab, die Rakete startet und schon schweben die Besucher auf den Spuren von Rosetta durchs All. Über den Köpfen projizieren zwölf Beamer auf 30 m Länge die wichtigsten Etappen des Weges der Sonde bis hin zum Missionsende im September 2016, als der Orbiter nach insgesamt 7 Mrd. km auf der Oberfläche des Kometen kontrolliert landete.

Dazwischen herrschte auch geplante Funkstille. Nach sieben Jahren Flug wurde sie im Jahr 2011 in einen 957 Tage dauernden Schlaf versetzt, um Energie zu sparen. „Wir hatten einen Zeitkorridor von zwei Stunden festgelegt, in denen die Sonde nach dieser Zeit wieder erwacht und ein Signal senden sollte. Diese Anspannung damals werde ich nie vergessen. Zehn Minuten vor dem Ablauf dieser Zeit kam das Signal. Es war ein unbeschreibliches Gefühl“, erinnert sich der ehemalige ESA-Flugdirektor Paolo Ferri. Der Film macht die Dimension dieser Mission, an der 17 europäische Nationen beteiligt waren, auf spielerische und anschauliche Weise deutlich, gewährt Einblicke in die Technologie, verdeutlicht an einem Zeitstrahl, was während der Mission so alles auf der Erde passierte. Und wenn Ferri an diesen 30. September 2016 denkt, als Rosetta landete, wird ihm noch immer wehmütig ums Herz. „13.19 Uhr, das war ein sehr emotionaler Moment“. Die Rosetta-Mission sei ein Unterfangen mit vielen Unbekannten gewesen. „Kometen sind die Reste des Sonnensystems, das vor 4,6 Mrd. Jahre entstand“, erklärt der Ferri. „Sie sind das Älteste, was wir im Sonnensystem erforschen können.“

Die Sonde Philae mit dem Labor landete nach siebenstündigem Abstieg und zweimaligem Abprallen auf „Tschuri“. Sie führte 60 Messungen auf der zerklüfteten Oberfläche durch und ging schließlich in den Schlafmodus über. Sieben Monate später wachte sie wieder auf, da genügend Sonnenlicht zur Ladung der Batterien zur Verfügung stand, aber schon im Juli 2015 kam das letzte Signal. In Vitrinen sind die kleinen Harpunen zu sehen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass Philae im Boden fest verankert wird.

Auf Stelen mit Touchscreen sind weitergehende Infos zur Mission, aber auch zum Kosmos generell zu erhalten. Die Ausstellung verknüpft Kometenforschung mit Meteoritenfunden und gibt damit Auskunft über die ältesten uns bekannten Urstoffe.

Neben dem Modell der Trägerrakete Ariane und einem 1:1-Modell von Philae sind Meteoritenfunde zu sehen, die Einblicke in die Zusammensetzung des Sonnensystems geben. Darunter befinden sich Meteoriten von Mars und Mond. Diese werden ergänzt durch den Steinmeteoriten „Darmstadt“, der vor 1804 über der Stadt niederging, und den Eisenmeteoriten „Unter-Mässing“, der mit einem Gewicht von 80 kg der größte erhaltene Meteorit Deutschlands ist.

Foto: ESA/ATG medialab

Die Landesonde Philae ist gar nicht so wuchtig, wie sich Laien das vorstellen. Das macht die Ausstellung deutlich.

Klein und ein wenig unscheinbar liegt ein anderes, weniger auffälliges Prunkstück in einer Vitrine. Kurator Patrick Zell ist die Freude darüber sichtlich anzumerken. Er darf nur so viel preisgeben: Es ist ein Marsmeteorit, gerade mal 62,7 mg schwer, Fundort in Zentral-Libyen, und von großem Seltenheitswert, weil es sich um einen Shergottiten, einer besonderen Untergruppe der Meteoriten handelt. Sie entstammen wahrscheinlich dem 55 km großen Mojave-Krater auf der 4,3 Mrd. alten Marsoberfläche. Der Meteorit befindet sich in Privatbesitz, wo, ist ein Geheimnis, nicht mal den Erdteil darf Zell nennen.

Die Sonderausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landesmuseums und der ESA. Es wird Jahre oder auch Jahrzehnte dauern, bis die Funde von Rosetta ausgewertet sind. Ein Ergebnis ist kürzlich schon bekannt geworden: Rosetta hat die Isotopenhäufigkeiten des Elements Xenon in der Koma (nebeligen Hülle) des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko bestimmt und damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Rolle von Kometen für die Zusammensetzung der Erdatmosphäre geleistet. Unter den Edelgasen ist es das schwerste stabile Element.

stellenangebote

mehr