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Freitag, 15. Dezember 2017

Schule

Vom Wert der Werte im Mint-Unterricht

Von Evdoxia Tsakiridou | 20. April 2017 | Ausgabe 16

Sind naturwissenschaftliche Fächer geeignet, gesellschaftliche Werte zu vermitteln? Forscher suchen eine Antwort.

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Foto: photothek.net/T. Imo

Genau hingeschaut. Wenn Schüler den Geheimnissen der Naturwissenschaften aus gesellschaftsrelevanter Perspektive begegnen, spornt das den Forschergeist an.

Wertepluralismus, Wertewandel, Werteverfall – der Begriff Wert macht Furore. Doch was ist ein Wert? Philosophen und Soziologen beißen sich seit Langem die Zähne daran aus. Den Teilnehmern einer Podiumsdiskussion in München erging es nicht besser. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob naturwissenschaftlich-technischer Unterricht das Vehikel für Erklärung und Vermittlung von Werten sein kann. Mit der Tagung wollte der Veranstalter, die Siemens Stiftung, dazu anregen, junge Menschen einerseits für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, andererseits über Mint Werte bewusst zu machen. „Indem Kinder das Zusammenspiel von Naturwissenschaft, Technik und Gesellschaft reflektieren und bewerten, stärken sie Werte wie Verantwortung, Teamorientierung, Solidarität, Toleranz und Umweltbewusstsein“, erläuterte Nathalie von Siemens. Die Geschäftsführerin der Siemens Stiftung wies auf Konzepte für Experimentalunterricht wie forschendes Lernen hin.

In der Podiumsdiskussion berichtete Jean-Luc Patry, emeritierter Professor der Erziehungswissenschaften, dass Moral- und Dilemmadiskussionen motivierend für die Schüler seien. Man könne diese mit Wissen verknüpfen. Patry veranschaulichte dies an einer Schulaufgabe aus seiner Forschungspraxis.

Die Jugendlichen hatten die Aufgabe, die Perspektive eines fiktiven Schülers einzunehmen, dessen Vater, der in einer Lackiererei arbeitet, schwer erkrankt ist. Die Recherche der Jugendlichen ergab, dass Nanoteilchen in den Lackfarben die Erkrankung auslösten. Sollte der Junge mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit gehen? Wenn ja, bestünde die Möglichkeit, dass die Fabrik schließt und die Angestellten ihre Jobs verlieren. Entscheidet er sich dagegen, könnten mehr Menschen erkranken und die Umwelt geschädigt werden. Über das moralische Problem kamen die Schüler zum problembasierten Lernen, erläuterte Jean-Luc Patry. Sie recherchierten zum Themenfeld Nanopartikel und führten Experimente durch: von den Gründen für die Verwendung über die Größenverhältnisse bis zum Gesundheitsrisiko. „Die Kinder diskutierten gesellschaftspolitische Fragen und Werte wie Gerechtigkeit. Sie wollten gar nicht mehr aufhören“, erzählte der Erziehungswissenschaftler.

„Die Wertevermittlung in den naturwissenschaftlichen Fächern wird teilweise umgesetzt und teilweise nicht. Meist wird der Unterrichtsstoff durchgepaukt. Da geht es ums Auswendiglernen. Das ist genau das, was wir nicht wollen“, fasste Stephan Wassmuth, Vorsitzender des Bundeselternrats, zusammen. So sahen die Diskutanten Handlungsbedarf bei der Professionalisierung und Fortbildung der Lehrkräfte und der Schaffung von Freiräumen für die Unterrichtsgestaltung. „Welche Werte vermitteln wir überhaupt?“, gab Ulrich Seiser vom bayerischen Bildungsministerium zu bedenken. Diese ließen sich weder vorgeben noch vermitteln, war sich das Podium einig. Man könne nur Situationen schaffen, in denen die Schüler Werte auf ihre Gültigkeit hinterfragen. 

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