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Donnerstag, 12. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 41

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Recruiting

Was der Körper sagt

Von Chris Löwer | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Selbst wenn es im Bewerbungsgespräch fachlich reibungslos läuft, kann es bei der Körpersprache hapern. Die ist aber viel entscheidender, als viele ahnen.

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Foto: PantherMedia/photographee.eu

Wer beim Vorstellungsgespräch punkten will, sollte auch seinen Körper darauf vorbereiten.

Karriereberaterin Anke Quittschau spricht von „Mikrogesten“, die oft unterschätzt würden. Sie meint damit so etwas wie das ständige Drehen am Ehering, das Klicken mit dem Kugelschreiber, Kratzen am Hals, bei Frauen das Spielen an Halskette oder Ohrringen: „Diese kleinen Gesten drücken bereits Unsicherheit und wenig Souveränität aus.“ Auch ständiges Rühren und Klimpern in der Kaffeetasse könne die Gesprächspartner nerven.

Das leuchtet ein, passiert dem nervösen Bewerber aber unbewusst. Überraschender ist, dass man beim Betreten und Verlassen des Raums besser keine Gegenstände vor den Körper hält, etwa die Bewerbungsmappe, erklärt Quittschau: „Dies kann als schüchtern, abweisend oder zurückhaltend interpretiert werden. Besser die Unterlagen in der linken Hand seitlich am Körper tragen, das wirkt offener.“

Das sind Dinge, über die sich die wenigsten Gedanken machen dürften. Das gilt auch für Ingenieure. „Wer lange im Beruf ist und den ganzen Tag an technischen Lösungen arbeitet, achtet nicht mehr unbedingt auf die körperliche Präsenz. Erst in einem Bewerbungsgespräch fällt dann auf, dass der Körper auch Inhalte übermittelt“, sagt die Berliner Körperspracheexpertin Violeta Mikic. Allein der Umstand, dass man zum Gespräch eingeladen wurde, zeige, dass man für fachlich fit gehalten werde. Nun heißt es, sein Können anzubieten, was eine eher körperlich-nonverbale Angelegenheit ist. „Jetzt kommt es darauf an, den Menschen, seine Ausstrahlung, seine Teamfähigkeit und sozialen Kompetenzen kennenzulernen“, sagt Mikic. Das ist die Grundkonstellation, die man sich vor Augen halten sollte.

„Die besten Kompetenzen helfen nichts, wenn der Gesprächspartner aufgrund der Körpersprache dem Bewerber die Position nicht zutraut oder ihn als überheblich einstuft“, sagt Sladjan Petkovic, Managing Director bei Robert Half. Umgekehrt ließe sich mit „einer selbstbewussten Körpersprache und einer offenen Art die eine oder andere Schwäche durchaus wettmachen. Schließlich sei Sympathie ein entscheidender Faktor bei der Auswahl des geeigneten Bewerbers.

„In unseren Seminaren zeigt sich, dass Ingenieure noch immer glauben, Fachlichkeit schlage Sympathie. Doch dem ist nicht so“, unterstreicht Quittschau. „Es nützt nichts, viel PS zu haben, man muss sie auch auf die Straße bringen.“

Schon die Begrüßung ist wichtig. Beim Handshake dem anderen in die Augen schauen und lächeln, strahle Selbstsicherheit aus, meint Mikic. „Dabei ist darauf zu achten, sich mit dem gesamten Körper, von den Schultern über die Hüfte bis zu den Fußspitzen, frontal zum Gegenüber auszurichten.“ Das ist auch Quittschaus erste Regel: „Wir können jemanden während eines Gesprächs noch so sehr in die Augen schauen; solange die Füße und vor allem der Bauchnabel nicht in Richtung der Person zeigen, kann das auf das Gegenüber so wirken, als seien wir nicht wirklich an ihm interessiert.“

Petkovic rät von „schwachem Händedruck, hochgezogenen oder hängenden Schultern“ ab, denn all das könnte als Schwäche und mangelndes Selbstbewusstsein gedeutet werden. Es gilt, weitere Feinheiten zu beachten. Quittschau empfiehlt eine gerade Kopfhaltung, weil diese neutral und sachlich wirkt: „Neigt der Bewerber den Kopf zur Seite, kann das als Verlegenheit interpretiert werden. Wird das Kinn nach oben gezogen, kann dies arrogant wirken. Wird der Kopf zur Seite gedreht, wendet sich die Person im wahrsten Sinne des Wortes vom Gesprächspartner ab.“

Sobald der Personaler einen Platz anbietet, darf man sich setzen – was auch gelernt sein will. Kompetenz strahlt aus, so Mikic, wer sich nicht hektisch Halt suchend hinsetzt, sondern es ruhig angeht und den Stuhl etwas vom Tisch wegrückt, so dass der Gesprächspartner die Hände des Bewerbers auf der Stuhllehne sieht – so erscheint dieser größer, souveräner. „Die Hände weder in den Schoß legen noch am Bauchnabel parken“, rät die Expertin. Wichtig ist, stets Blickkontakt zu halten. Um unangenehmes Starren zu vermeiden, gilt die Faustregel, den Blick mindestens eine Sekunde, jedoch nicht länger als drei Sekunden zu halten.

Bei mehreren Personen im Raum gilt es, alle mit einzubeziehen, vornehmlich die jeweiligen Fragesteller. „Ein leichtes Lächeln signalisiert nicht nur dem Gegenüber, sondern auch dem Gehirn Entspanntheit und sorgt so für einen Extraschub an Glückshormonen“, behauptet Petkovic.

Gesagtes mit sparsamen Gesten zu unterstreichen, hilft, der eigenen Kompetenz Gewicht zu verleihen. Dabei nicht übertreiben, sonst wirkt das zu zappelig und damit eben nicht sonderlich kompetent. Wer allerdings zu ausufernden Handbewegungen neigt, sollte es aus Authentizitätsgründen dabei belassen und nicht etwa versuchen, sich durch ein Versenken der Hände in den Hosentaschen zu zähmen. Ungute Gesten sind auch zeigende Finger oder Stifte, die als Zeiger verwendet werden. Das wirkt unterschwellig bedrohlich. cer

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