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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Schule

Weltmarktführer treffen auf Mint-Elite

Von Christine Demmer | 15. Juni 2017 | Ausgabe 24

Internatsschüler mit naturwissenschaftlich-technischen Talenten löcherten im schleswig-holsteinischen Güby verdutzte Firmenvertreter mit detaillierten Fragen.

Mint BU
Foto: plus-Mint/Sven Meier

Am Internat Louisenlund experimentieren die Profi-Forscher der Zukunft.

Naturwissenschaften und Technik spielen am Internat Louisenlund im schleswig-holsteinischen Güby eine große Rolle. 2016 startete die Einrichtung mit ausgewählten Schülern eine erste reine Mint-Klasse, die ab dem neunten Schuljahr zu einem kompletten vierjährigen Mint-Programm ausgebaut wird. Für die Schüler, viele davon Mathematik-Preisträger, entfällt etwa die Hälfte der Unterrichtsstunden auf Mathematik und Naturwissenschaften.

Der VDI unterstützt das Vorhaben, schon Kinder an die wissenschaftlichen Hintergründe von Technik heranzuführen, als Gründungsmitglied der Initiative plus-Mint. „Mit den VDIni-Clubs und den VDI-Zukunftspiloten hat der VDI bereits in ganz Deutschland hervorragende Technikangebote für Kinder aller Altersstufen“, erklärt Lars Funk, VDI-Bereichsleiter Beruf und Gesellschaft. „Wir brauchen zusätzlich aber Programme zur Förderung echter Spitzentalente. Dies kann in Internaten mit ausgewiesenem Mint-Schwerpunkt geschehen. Der Fußball mit seinen DFB-Leistungsinternaten dient durchaus als Vorbild.“

Der Satz könnte von Internatsleiter Peter Rösner stammen. Auch er betrachtet die Eliteförderung im deutschen Fußballverband als Vorbild für Spitzenleistungen gleich welcher Art. Und die müsse früh einsetzen, fordert Rösner unablässig. Bevor der gelernte Mathematik- und Physiklehrer die Leitung der Stiftung Louisenlund übernahm, hatte er das „Haus der kleinen Forscher“ in Berlin geleitet, eine Einrichtung, die naturwissenschaftliche Bildung in der frühkindlichen Erziehung fördert.

Über die intensive Förderung der Neunt- und in diesem Jahr auch Zehntklässler hinaus will Rösner Kindern und Jugendlichen mit spannenden Anwendungen Lust auf Technik und auf einen Beruf in und mit der Technik machen. „Als erstes plus-Mint-Nachwuchsleistungszentrum in Schleswig-Holstein ermöglichen wir dem Mint-Nachwuchs, direkt mit den Weltmarktführern und Hochschulen des Landes ins Gespräch zu kommen, um mit ihnen Ideen und Vorstellungen zu diskutieren und sich ein Bild über berufliche Perspektiven zu machen.“

Vor wenigen Wochen veranstaltete die Stiftung Louisenlund in Güby das erste Weltmarktführer-Forum zu Mint. Dabei trafen mehr als ein Dutzend Firmen aus Schleswig-Holstein sowie Fachhochschulen und Universitäten auf etwa 250 Schüler der Internatsschule und anderer Schulen in Schleswig-Holstein.

„Die Schüler haben auf uns sehr interessiert gewirkt“, sagt Britta Blömke, Geschäftsführerin der Softwareschmiede FLS in Heikendorf. „In dieser Detailtiefe haben wir das nicht erwartet.“ Ebenso begeistert urteilt Frederike Yilmaz von der Punker GmbH in Eckernförde, die Ventilatorlaufräder und andere lufttechnische Produkte herstellt: „Wir erlebten aufgeweckte, neugierige junge Menschen, die an ihrer Umwelt und an dem, was vor ihrer Haustür passiert, interessiert sind.“

Welchen Beruf sie ergreifen sollen, hätten längst nicht alle gewusst. „Das ist auch in Ordnung“, zeigt Yilmaz Verständnis für die Zehn- bis Zwölfjährigen. „Sie müssen probieren und lernen.“ Mit Treffen wie diesem, aber auch mit Praktika und Bewerbungstrainings könnten Firmen jungen Menschen einen Marktplatz zum Ausprobieren und Reifen bieten: „Mit dem Ziel der sozialen Verantwortung, aber auch der Sicherung des späteren Fachkräftebedarfs.“

Ganz klar: Von der frühzeitigen Kontaktaufnahme mit den Mint-Schülern versprechen sich die dem breiten Publikum unbekannten Weltmarktführer einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt. Denn den jungen Leuten sind die Hidden Champions aus Deutschland längst nicht so bekannt wie Konzerne, deren Produkte sie am Ohr haben, die sie am Körper tragen oder die ihnen vom Straßenbild her vertraut sind. „Viele kennen unsere Unternehmen nicht“, klagt Marketingfrau Frederike Yilmaz, „weil wir nicht an Endverbraucher verkaufen. Dennoch sind unsere Produkte aus dem täglichen Leben nicht wegzudenken – weder aus der Waschmaschine und aus der Dunstabzugshaube noch aus dem Gasbrenner in der Heizungsanlage oder aus dem Bahnverkehr.“ Es sei schade, dass man so im Verborgenen bliebe. „Das wollen wir ändern“, sagt Yilmaz entschlossen. „Wir sind offen und zeigen gern, was Ingenieurkunst im Norden zu bieten hat.“

Um sein Unternehmen bei den Schülern bekannt zu machen, kam Maik Lumma, Finanzchef des Navigations- und Kommunikationsgeräteherstellers Furunu aus Rellingen, zu diesem Treffen. „Branchenkennern sind wir durchaus ein Begriff, aber kaum den heranwachsenden Spezialisten.“ Vorbereitet hatte er sich auf Fragen nach Ausbildungsmodellen. „Gefragt wurde aber hauptsächlich nach dualen Studiengängen der Fachrichtungen Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik.“ Auch darüber, dass schon für die Teenies die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Infrastrukturanbindung des Arbeitsorts wichtige Themen waren. Lumma: „Sie waren versiert, aufgeschlossen und keineswegs unkritisch im Umgang mit künftigen Arbeitgebern.“

Von einem Aha-Erlebnis berichtet Farina Krancher, Marketingleiterin beim Elektronikhersteller Timm aus Glinde bei Hamburg. „Zwei Kinder sind mir im Gedächtnis geblieben. Ein junger Schüler des plus-Mint-Programms, der sich intensiv mit unserem Gerät vor Ort auseinandergesetzt hat, hat mich mit technischen Fragen gelöchert und Ideen zur Produktverbesserung eingebracht.“ Mit einem anderen Schüler hatte Farina Krancher ein intensives Gespräch über die Vorteile von Mittelständlern gegenüber Konzernen und über die unterschiedliche Auslegung des Begriffs Karriere. 

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