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Donnerstag, 14. Dezember 2017

Schule

Wenn der Virus überspringt

Von Wolfgang Schmitz | 1. Juni 2017 | Ausgabe 22

Sohn Christian und Vater Rainer teilen ein Hobby. Sie kommen beide nicht mehr von „Formel 1 in der Schule“ los.

Barth BU
Foto: Rainer Barth

Volle Konzentration vor dem großen Coup. Die Schüler des Mannheimer Karl-Friedrich-Gymnasiums (Zweiter von rechts ist Christian Barth) schicken bei der WM 2016 ihre Boliden ins Rennen. Am Ende reichte es für Platz drei.

Christian Barth hatte sich infiziert und war hochansteckend. Nicht mit Ausschlag und Fieber. Den Unterstufenschüler des Mannheimer Karl-Friedrich-Gymnasiums (KFG) hatte der Technikvirus erwischt. Fasziniert von der Initiative seines Vaters Rainer, der mit Schülern einen Zeppelin gebaut und ihn durch die Aula hatte fahren lassen, wollte es Christian nicht bei dem Luftverkehrsmittel in Kleinformat belassen. Es sollte ein kleines technisches Meisterwerk auf vier Rädern sein. „Ich habe meinen Vater damals angesteckt“, erzählt der inzwischen 19-Jährige Ingenieurstudent der Universität Darmstadt.

Die Teamleistung entscheidet

Auf der Suche nach einem Mittel gegen den Virus stolperte Rainer Barth über den Wettbewerb „Formel 1 in der Schule“. Schüler im Alter zwischen elf und 19 Jahren konstruieren dabei einen Miniaturrennwagen.

Sie arbeiten sich in die Bereiche CAD-Konstruktion, Strömungstechnik, Marketing, technische Dokumentation und Projektmanagement ein – und bereiten sich dadurch unbewusst auf ein mögliches Ingenieurstudium vor. 2007 gingen in Deutschland die ersten Schülerteams an den Start, ab 2011 war das Karl-Friedrich-Gymnasium mit Rainer und Christian Barth regelmäßig dabei.

„Das Projekt hat wenig mit dem zu tun, was man in der Schule lernt“, erklärt Christian Barth. Ob es Konstruktionsprogramme sind, ob Aerodynamik, 3-D-App-Programme oder Sponsorensuche – alles ist für das junge Rennstallteam Neuland, alles beruht auf Freiwilligkeit. Christian fasziniert die Vielfältigkeit des Wettbewerbs, der über Teamgeist Freundschaften entstehen lässt. „Es gab auch mal Streit, es läuft nie alles rund. Wichtig ist, dem anderen in seinem ‚Job‘ zu vertrauen und Konflikte auszudiskutieren.“

Die größte Herausforderung sei es, um Finanzierung und materielle Unterstützung für Entwicklung und Fertigung der gasgetriebenen und bis zu 100 km/h schnellen Autos zu bitten, sagt Christian. Das ist nicht jedermanns Sache. „Auf Menschen aus der Unternehmenswelt zuzugehen, kostet eben Überwindung.“

Bislang aber hatten die jungen Marketingfachleute Erfolg. An der Hochschule Mannheim und bei lokalen Firmen stießen sie auf reges Interesse. Dennoch bleibt die Sponsorensuche für das KFG und die anderen rund 230 deutschen Teams ein dickes Brett, das es immer wieder neu zu bohren gilt.

Für Vater Rainer Barth, der neben den erfahreneren Schülern zwei „Junior Teams“ betreut, ist „Formel 1 in der Schule“ ideal, um für Technik zu begeistern. Der Virus greife nicht immer direkt, in der Regel aber hartnäckig und dauerhaft auf die Schüler über: „Das Projekt läuft meistens schleppend an, in den zwei Monaten vor dem Wettbewerb gehen Begeisterung und Engagement aber exponentiell nach oben. Die Jugendlichen sind dann wie high und arbeiten wie die Wilden, auch in den Ferien.“ Der Aha-Effekt ginge weit über das rein Fachliche hinaus. „Die Schüler haben gelernt, mit Frustrationen umzugehen. Wenn Ergebnisse nicht wie gewünscht sind oder die Zeit knapp wird, dann wird die Nacht schon mal zum Tag.“ Der Unterricht könne das nicht leisten.

Längst nicht jeder hat Mathematik oder eine Naturwissenschaft als Leistungskurs gewählt, einige sind vor allem musisch oder sportlich talentiert. Wichtiger als Vorwissen seien Engagement und Neugierde, betont Rainer Barth. Der Rest wächst zusammen.

Die Erfolge für das KFG blieben nicht aus. In diesem Jahr qualifizierten sich die Schüler als Vize-Landesmeister Baden-Württemberg für die Deutsche Meisterschaft. 2016 schafften sie es als Team „Endeavour“ zur Weltmeisterschaft in Austin, wo die Mannheimer in Kooperation mit einen Heidelberger und einem Sindelfinger Gymnasium als Dritte aufs Siegertreppchen kamen. In diesem Jahr wurde ein Nachwuchsteam des Mannheimer Gymnasiums Deutscher Junior Meister.

Das alles aber ist zweitrangig. Wichtig ist der Virus. „Seitdem mein Vater und ich uns für ‚Formel 1 in der Schule‘ engagieren, können wir nicht mehr davon lassen“, zieht Barth junior Bilanz.

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