Passwort vergessen?  | 
 |  Passwort vergessen?  | 
Suche
  • Login
  • Login

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Karriere

„Wer Software kann, ist heiß umworben“

Von Peter Trechow | 23. Februar 2017 | Ausgabe 08

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht in der Elektromobilität einen Faktor, der die Branche und ihren Ingenieurbedarf im nächsten Jahrzehnt radikal verändern wird.

Dudenhöffer BU
Foto: Catrin Moritz/laif

Dudenhöffer: „Größte Umgestaltung in der Geschichte der Autoindustrie.“

VDI nachrichten: Herr Dudenhöffer, General Motors verhandelt mit PSA über einen möglichen Verkauf von Opel und Vauxhall. Was würden Sie jetzt tun, wenn Sie Ingenieur bei Opel wären?

Dudenhöffer: Ich würde mich umschauen, was es an Arbeitsstellen außerhalb von Opel gibt, denn man kann davon ausgehen, dass Doppelfunktionen in der Entwicklung zwischen Paris und Rüsselsheim herausgenommen werden.

Sie sehen schwarz für Opel?

Ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiterzahl in den nächsten Jahren sinkt. Ein Teil der zentralen Aufgaben bei Opel wird, so glaube ich, nach Frankreich verlagert. Die Zentrale mit Einkauf, Vertrieb, Marketing und Produktionssteuerung ist auf jeden Fall betroffen. Wie es dann im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum weitergeht, hängt davon ab, welche Aufgaben übrig bleiben. PSA ist in Fragen der Entwicklung bereits sehr gut aufgestellt. Letztlich bleiben nur das Design und die Anpassungen von Serienmodellen, um die markenspezifischen Plattformfahrzeuge umzusetzen.

Keine guten Aussichten für Opel-Ingenieure. Auch bei Volkswagen ist das Fahrwasser unruhig. Wird sich der Skandal längerfristig auf den Ingenieurbedarf auswirken?

Der Skandal ist auf jeden Fall ein Katalysator für die forcierten Anstrengungen in der Elektromobilität. Das ist aber nicht auf Volkswagen beschränkt. Noch sagen die Automobilbauer, dass sie auch nach 2030 Verbrennungsmotoren produzieren werden. Ich bezweifele das. Bis dahin werden in Europa und China nur noch Elektroautos auf den Markt kommen. Verbrennungsmotoren wird es dann fast nur noch im Lkw-Bereich geben, möglicherweise vor allem in den USA – falls sich Präsident Trump mit seiner Gegenbewegung gegen den Klimaschutz durchsetzt.

Was droht, wenn Trump mit Einfuhrzöllen ernst macht?

Die werden kommen – sofern Präsident Trump die nächsten Wochen übersteht. Für Zulieferer und Autobauer, die in Mexiko in den letzten Jahren große Kapazitäten aufgebaut haben, bricht jedenfalls eine unruhige Zeit an. Sie werden wohl oder übel Kapazitäten in die USA verlagern müssen. Da kommen hohe Kosten auf sie zu.

Zurück zur Elektromobilität: Was bedeutet der von Ihnen skizzierte Umbruch für Ingenieure in den Entwicklungsabteilungen der Automobilindustrie?

Bei den Batterien als Kernkomponente mit dem weitaus größten Wertschöpfungsanteil haben uns die Japaner und Südkoreaner um Längen abgehängt. Die Entwicklung von Elektromotoren und Wechselrichtern ist bei Weitem nicht so aufwendig wie die Entwicklung heutiger Antriebsstränge. Auch wenn momentan ein zusätzlicher Bedarf an Ingenieuren besteht, um herkömmliche Modelle an die Abgasnormen anzupassen und nebenher Hybride und Elektroautos in verschiedenster Auslegung zu entwickeln – in den nächsten Jahren droht ein radikaler Umbau und eine deutliche Verschlankung der Entwicklungsabteilungen.

Warum?

Die Investitionen in Dieselantriebe sind schon massiv zurückgefahren und bei Benzinmotoren wird es ähnlich kommen. Da werden schon heute nur noch Stellen nachbesetzt, wenn ein Entwickler in Ruhestand geht oder den Job wechselt. Wenn ab dem Jahr 2030 kaum noch ein Modell mit Verbrennungsantrieb auf den Markt kommt, wird der Bedarf an Entwicklern für diesen Bereich spätestens 2025 einbrechen. Die Zukunft des Automotive-Engineering liegt in der Software und Steuerung. Hier besteht fast unendlicher Bedarf.

Inwiefern verändern sich die Anforderungsprofile an Ingenieure?

Der Bereich Software, Vernetzung, Assistenzsysteme und automatisiertes Fahren bietet riesiges Potenzial. Ingenieure aus Elektronik, Nachrichten-, Kommunikations- und Informationstechnik sind gefragt. Der Bedarf an klassischen Maschinenbauingenieuren wird zurückgehen.

Wie ist es einzuordnen, dass der Daimler-Betriebsrat Zusicherungen für die Fertigung von Elektroautoteilen im Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim eingeholt hat?

Die Beschäftigten spüren, was auf sie zukommt. Es wird die größte Umgestaltung der Automobilindustrie seit ihren Anfängen. Elektromobilität, automatisiertes Fahren und die Sharing Economy stellen die bisherigen Strukturen auf den Kopf. Automobilhersteller bekommen neue Rollen. Wenn sie nicht aufpassen, werden sie zu reinen Zulieferern degradiert und neue internetbasierte Mobilitätsdienstleister machen das Geschäft.

Dazu passt die aktuelle Abwerbewelle, in der Start-ups aus den USA und China für Projekte in E-Mobilität und autonomem Fahren deutsche Spezialisten ködern. Droht ein War-for-talents?

Das würde ich nicht zu hoch hängen. Außer Tesla hat keiner von denen bisher etwas Handfestes vorzuweisen. Aber klar ist, wer Software kann, ist heiß umworben. 

stellenangebote

mehr