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Dienstag, 12. Dezember 2017

Jubiläum

Wiege des Druckmaschinenbaus

Von Stephan W. Eder | 10. August 2017 | Ausgabe 32

Der Würzburger Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer AG feiert seinen 200. Geburtstag.

w - KBA 200 BU
Foto: KBA

Doppelzylinderpresse für die Tageszeitung „The Times“. Im November 1814 begann mit dieser dampfgetriebenen Maschine die Industrialisierung der Druckbranche.

Erfindergeist treibt den Maschinenbauer Koenig & Bauer aus Würzburg am 9. August, dem Mittwoch dieser Woche, nun schon seit mehr als 200 Jahre an. Dies sogar schon vor der Firmengründung: Der gelernte Drucker Johann Friedrich Gottlob Koenig ging 1807 nach London, weil es hierzulande mit der Start-up-Förderung nicht so gut lief.

Koenig hatte sich in den Kopf gesetzt, dass es eine gute Idee wäre, eine Druckerpresse mit einer Dampfmaschine anzutreiben. In London traf er den Feinmechaniker Andreas Friedrich Bauer.

Beide fanden im Herbst 1814 im Verlag der altehrwürdigen Tageszeitung „The Times“ den ersten Pilotkunden für ihre Doppelzylindermaschine. Seitdem ist die kurz KBA genannte Koenig & Bauer AG eng verbunden mit dem Zeitungsdruck. 1817 dann unterzeichneten die Gründerväter im Kloster Oberzell bei Würzburg den Gesellschaftervertrag der Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer.

Aus diesem Unternehmen gingen die drei großen deutschen Druckmaschinenbauer hervor, die weltweit die Branche bis heute maßgeblich prägen: Koenig & Bauer, Heidelberger Druckmaschinen und MAN Roland. Techniker, Ingenieure und Physiker wirken auch an der Unternehmensspitze KBA bis heute und mögen erklären, warum die Würzburger eine Art Hotspot für die Technologie des Druckens bis heute geblieben sind.

Friedrich Koenig starb 1833, aber Andreas Bauer erlebte es noch, dass Koenigs Neffe Carl August Reichenbach 1844 zusammen mit dem Maschinenbauingenieur Carl Buz die Sander‘sche Maschinenfabrik in Augsburg übernahm und die Reichenbach‘sche Maschinenfabrik gründete. Aus ihr ging später MAN Roland hervor.

Ein Jahr nach Bauers Tod, 1861, taten sich Andreas Albert, Werksmeister bei Koenig & Bauer, und der Frankenthaler Glockengießer Andreas Hamm zusammen. Sie gründeten 1963 die Schnellpressenfabrik Albert & Hamm, einen Vorläufer der Heidelberger Druckmaschinen.

Technologie und soziale Verantwortung schrieb KBA von Anfang an groß. Das Unternehmen gründete bereits 1855 eine Fabrikkrankenkasse, zehn Jahre später eine Fabriksparkasse und 1868 die Fabrik-Fortbildungsschule. Technologisch legte KBA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Grundlagen des heutigen Druckmaschinenbaus. 1876 lieferte man die erste Hochdruck-Rollenrotation aus, zwölf Jahre später die erste Vierfarbenrotation; es kam der Einstieg in den Wertpapierdruck.

Als beide Söhne von Hans Bolza, dem Urenkel des Gründers Friedrich Koenig, früh verstarben, adoptierte er den Maschinenbauer und Physiker Hans-Bernhard Schünemann, der 1956 als Chefkonstrukteur für Bogendruckmaschinen in Würzburg arbeitete. Dessen Sohn Claus Bolza-Schünemann leitet das Unternehmen seit 2011.

Claus‘ Bruder Albrecht, CEO von 2003 bis 2009, machte einmal die Unternehmerphilosphie deutlich, mit der die Familie KBA führt. Als Präsident der Branchenleitmesse Drupa im Jahr 2000 sagte er, Fusionen dienten oft eher der „Befriedigung von persönlicher Eitelkeit und Machtbewusstsein als wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Sie sind das Gegenteil des Pluralismus, eines Kernelements der Marktwirtschaft“.

Damit gingen „jedes Mal viele Arbeitsplätze unwiederbringlich verloren“. Bolza-Schünemann hielt nichts davon, den Staat zu rufen, wenn diese „Kombinate der Marktwirtschaft“ wirtschaftliche Probleme bekämen und es um den Erhalt von Arbeitsplätzen ginge.

Die Branchenkrise seit Beginn der 2000er-Jahre hat KBA überstanden – und sich an die eigene Maxime gehalten. Die Einschnitte für die Belegschaft waren schmerzhaft, aber das Unternehmen steht heute gesund mit schwarzen Zahlen da.

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