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Dienstag, 12. Dezember 2017

Womenpower-Kongress

„Wir müssen einen weiten Weg gehen“

Von Claudia Burger | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

Chancengleichheit ist noch immer keine Selbstverständlichkeit. Das zeigte sich beim 14. Karrieretreffen auf der Hannover Messe.

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Foto: Rainer Jensen/Deutsche Messe AG

Agnes Heftberger, Vice-President Consumer Industries bei IBM Deutschland, setzt auf Networking.

In Zeiten des viel beklagten Fachkräftemangels ist es bemerkenswert, dass beim diesjährigen 14. Womenpower-Kongress während der Hannover Messe rund 1400 Frauen teilnahmen – und 17 Männer. Dabei dürfte es sich herumgesprochen haben, dass der Karriereevent zwar das weibliche Geschlecht im Titel trägt, sich dennoch auch an das andere richtet und dort Themen wie die Arbeitswelt von morgen und Diversity im Mittelpunkt stehen.

Themen, die sich nicht nur die Personalabteilungen aller Firmen, die etwas auf sich halten, in Leitbilder geschrieben haben und an anderer Stelle gern zur Schau stellen. Beiratsmitglied Barbara Schwarze, Vorsitzende des Vorstandes Kompetenzzentrum Technik-Diversity Chancengleichheit in Bielefeld sagte: „Es ist schade, dass nicht so viele Vertreter von Unternehmen da sind. Den Firmen entgehen Chancen.“ Und Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, zeigte sich verwundert darüber, dass so wenig Männer den Weg gefunden hatten. Dabei, so betonte sie es in ihrer Keynote, seien Frauen, die Karriere machen, „die Speerspitze des Wandels“.

Vom Wandel und dem passenden Personal ist in diesen Tagen der Digitalisierung viel die Rede. Fahimi, die in Vertretung von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles kam, erinnerte bei ihrer Ansprache zum Kongressmotto „Arbeitswelt 4.0 – Grenzenlos kommunizieren“, dass Frauen trotz ausgezeichneter Qualifizierung auf ihren Karrierewegen auf Widerstände stießen. Frauen, die Karriere machen, seien oft Frauen, die mit Gewohnheiten und Rollen, die ihnen zugewiesen werden, brechen. Sie hätten internalisiert, wie es geht, Dinge zu verändern und zu verschieben. Fahimi erinnerte an Chancen und Risiken der Arbeitswelt 4.0 und dass die Gesellschaft selbst die Rahmenbedingungen festlegen muss. „Welches Menschenbild wollen wir? Welche Art des Wettbewerbs?“ Sie hoffe darauf, dass es ein Wettbewerb der Ideen werde, weil dieser die deutsche Wirtschaft stark gemacht habe.

Ihren Beitrag dazu leistet die Frau, die in diesem Jahr als fünfte Preisträgerin den mit 5000 € dotierten Engineer-Powerwoman-Preis der Deutschen Messe erhielt: María Belén Aranda Colás. Der Preis wird an Frauen verliehen, die durch ihr Engagement, ihre Ideen und ihre Arbeit innovative Akzente im technischen Umfeld ihres Unternehmens setzten. Aranda Colás ist seit März 2017 bei der Robert Bosch GmbH als Referentin der Geschäftsführung tätig. Davor arbeitete die studierte Elektrotechnikerin als Projektleiterin für Automatisiertes Fahren im Geschäftsbereich Chassis Systems Control. Sie setzt sich engagiert für Technologien ein, die die Verkehrssicherheit erhöhen, und hat sich auf Kongressen und Podiumsdiskussionen oder in Arbeitskreisen mit Gesetzgebern und Regulationsverbänden für das automatisierte Fahren stark gemacht. Gleichzeitig engagiert sich Colás als Mentorin und ermuntert junge Mädchen und Studentinnen dazu, sich von der Technik faszinieren zu lassen.

Colás sprach sich für Vielfalt in den Unternehmen aus. Sie habe ihrer Mutter, eine Hausfrau, vieles zu verdanken, weil diese ihren Töchtern vermittelt habe: „Barrieren gibt es nur in den Köpfen.“ Vor 17 Jahren habe sie bei Bosch als Jungingenieurin angefangen, sie und die Sekretärin seien die einzigen Frauen in der Abteilung gewesen. Sie habe oft dementsprechende Aufgaben erhalten und gelitten. Heute sei das Bild durch Mentoren anders. Die Vielfalt sei wichtig und bringe bessere Ergebnisse.

Eine, die ihre Karriere auch Mentoren verdankt, ist Agnes Heftberger. Sie ist Vice-President Consumer Industries bei IBM Deutschland und sprang beim Kongress für die erkrankte IBM-Deutschland-Chefin Martina Koederitz ein. Die Mittdreißigerin erzählte von ihrem Einstieg ins Berufsleben und dass sie damals dachte, die Gleichberechtigung sei kein Thema, die Hürden wären ausgeräumt. Sie wisse heute, dass das nicht so gewesen ist. De facto habe sich in den letzten Jahrzehnten wenig verändert. Vor einem Jahr beispielsweise habe ein Kunde irritiert darauf reagiert, dass sie bei einem Meeting die ausschlaggebende Gesprächspartnerin gewesen sei und nicht diejenige, die das Protokoll schreibe. „Ich bin lange davon ausgegangen, dass Fleiß und Glück meine Karriere gesichert haben, aber im Nachhinein stelle ich fest, dass es Förderer waren, die mir das ermöglichten“, sagte Heftberger.

Sie habe dem Netzwerkgedanken am Anfang ihrer Laufbahn skeptisch gegenüber gestanden, sei aber mittlerweile davon überzeugt. „Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen“, konstatierte sie. „Mein Traum ist, dass die nächste Generation das erlebt, wovon ich vor 15 Jahren fälschlicherweise schon glaubte, dass sie da ist“, sagte sie im Hinblick auf die Chancengleichheit.

Dass die nicht erreicht ist, räumte Thomas Sigi, Mitglied des Vorstands und Personaldirektor bei Audi, ein. „Ich war immer Gegner von Quoten, aber ich muss sagen, wir müssen das steuern“, sagte er. „Wir brauchen klare Ziele, was Diversity Management angeht.“ Bei Audi sei das in Zielvereinbarungen festgezurrt. Zudem wurde eine Abteilung Diversity Management implementiert. „Schade, dass es das braucht“, sagte Sigi. Wer Diversity lebe, habe einen Wettbewerbsvorteil.

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