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Dienstag, 12. Dezember 2017

Hochschule

Zwei in einer Stadt

Von Wolfgang Schmitz | 26. Januar 2017 | Ausgabe 04

ImProjekt „Guter Studienstart“ testen Studieninteressierte ihre Neigungen und Talente an beiden Aachener Hochschulen.

Aachen BU
Foto: FH Aachen

Wer es praxisnah mag, ist an der Fachhochschule Aachen womöglich besser aufgehoben als an der RWTH. Studieninteressenten können sich an beiden Hochschulen ein Bild der Ingenieurausbildung machen.

Ein Ingenieurstudium – was kommt da eigentlich auf mich zu? Diese Frage stellen sich viele Schulabgänger. Aus gelebter Praxis können die theoriegeschulten Jugendlichen sie nicht beantworten. Auch wenn ein Berater informiert, bleiben Studieninhalte abstrakt. Da hilft nur der Härtetest vor Ort. Die Fachhochschule Aachen sowie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen haben das Projekt „Guter Studienstart“ ins Leben gerufen, um Studienbewerbern und sich selbst etwas Gutes zu tun.

Aachener Servicepaket zum guten Studienstart

Die jungen Interessenten können sich im „nullten Semester“ Eindrücke von Studieninhalten und Studienalltag verschaffen; an den Hochschulen reduziert sich die Zahl derjenigen, die sich ahnungslos einer anspruchsvollen akademischen Ausbildung aussetzen. Die Hoffnung hinter dem Projekt: Die Quoten in den von Abbrechern gebeutelten Ingenieurwissenschaften sinken und auch die Summe der Studienwechsler bleibt überschaubar.

Nullte Semester gibt es an einigen deutschen Hochschulen, was den „Guten Studienstart“ laut der beiden Aachener Hochschulen einzigartig macht, ist der Kooperationscharakter des Projektes: Die Studierwilligen machen sich innerhalb der Schnupperphase schlau, welche der beiden Hochschultypen – Fachhochschule oder Universität – das für sie geeignetere Angebot unterbreitet.

Die Schulabsolventen sind immatrikuliert und besuchen reguläre Erstsemesterveranstaltungen. Die Wege zum Erkenntnisgewinn sind offen: Die Studienschnupperer können thematische Schwerpunkte setzen oder sich breit informieren.

Da die Mathematik bekanntlich meist die größte Hürde auf dem Weg zum Studienerfolg ist, sind entsprechende Veranstaltungen Pflicht. Die Abschreckung mit dem fachlichen Holzhammer ist nicht beabsichtigt. Schritt für Schritt, vom Mittelstufenwissen über den Oberstufenstoff, werden die Studenten in spe an die höhere Mathematik herangeführt. Die Mühen dienen nicht nur der Auffrischung und Informationsaufnahme, Klausuren werden im Erfolgsfall auch auf das spätere Ingenieurstudium angerechnet. Das gilt nicht nur für die Mathematik.

Mentoren stehen beratend zur Seite, wenn es um Praxisprojekte geht, die häufig interdisziplinär aufgebaut sind. Am Ende der möglichst selbstständigen Entwicklungsarbeit steht die Präsentation vor einer Jury. „Im Projekt arbeiten wir stets bilateral, sodass die Kultur beider Hochschulen erkennbar bleibt“, erläutert Jonas Gallenkämper, der für die RWTH die Initiative „Guter Studienstart“ betreut. „Das Orientierungssemester wird gleichermaßen von beiden Hochschulen getragen und organisiert. Die Projektstruktur ist auf beiden Hochschulseiten ähnlich.“

Die Aachener bieten damit einen Service, der im Dschungel ingenieurwissenschaftlicher Angebote Durchblick verschafft. „Diese Hochschul- und Fächerorientierung kann von der Schule nicht geleistet werden“, entlastet Gallenkämper die Lehrer von dem vielfach erhobenen Vorwurf, sie müssten besser auf das Studium vorbereiten. „Da die meisten Schulen ingenieurwissenschaftliche Fächer nicht anbieten, nimmt die Ingenieurausbildung für die Teilnehmenden im ,Guten Studienstart‘ oft zum ersten Mal eine sehr konkrete Form an.“

Gallenkämper ist überzeugt, dass die Aachener Lösung die effizienteste Art ist, junge Menschen ohne Zeit- und Notendruck entscheiden zu lassen, welches Fach und welche Hochschule zu ihnen passt. „Eine Beratung hin zu einer Hochschulform gehört explizit nicht zu unserem ergebnisoffenen Konzept“, betont der Projektbetreuer. Die freie Wahl bleibt vielen Interessenten auch nicht, da einige Ingenieurstudiengänge wie Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität einen Numerus Clausus setzen.

Unter dem Strich kann auch die Erkenntnis stehen, dass das Ingenieurstudium die falsche Karriereentscheidung wäre. Gallenkämper: „Ein nicht zu vernachlässigender Anteil unserer Teilnehmer wählt zum Schluss ein Studium außerhalb der Ingenieurwissenschaften. Die Orientierungsphase bewerten sie dennoch oder gerade deswegen als äußerst hilfreich.“

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