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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

Bildung

Aus der (Schul-)Zeit gefallen

Von Lisa Schneider | 5. August 2016 | Ausgabe 31

Wie man einen Roboter programmiert, interessiert viele Jugendliche. Doch die Fächer Technik und Informatik werden in den Schulen noch immer stiefmütterlich behandelt. Stattdessen füllen außerschulische Initiativen die Lücken.

vdigarage
Foto: L. Schneider

Roboter sind faszinierend anzuschauen. Doch wie werden sie eigentlich gesteuert?

Sieben Jungs drängeln sich um den Schaukasten, in dem der kleine Industrieroboter auf seinen Einsatz wartet. Noch eine Koordinate, dann gehts los: Der Roboter erhebt sich von seiner Position, steuert den ersten Leuchtpunkt an, er nimmt eine Hürde und schwenkt quer durch das kleine Labyrinth, durch das ihn die Jungs lotsen wollen. Ihr Ziel: Den ABB-Roboter IRB 120 in weniger als 14 s über ein Koordinatenfeld führen.

Die jungen Technikfans sind VDI-Zukunftspiloten aus ganz Deutschland, die sich beim jährlichen Summercamp in Leipzig trafen. Dort können die 13- bis 18-Jährigen außerhalb des Schulstresses über Technik und Programmierung fachsimpeln, sich ausprobieren und lernen. Eine Gelegenheit, die sich in der Schule nur sporadisch bietet.

„Leider ist unser Bildungssystem zurzeit nicht in der Lage, Schülerinnen und Schüler auf das digitale Zeitalter vorzubereiten“, mahnte VDI-Direktor Ralph Appel bereits auf der Hannover Messe. Bildungseinrichtungen müssten sie befähigen, die digitale Zukunft mitzugestalten anstatt Facebook und Co. nur „passiv und oberflächlich“ zu konsumieren.

Diese Aufgabe müssten nach Ansicht von Steffen Friedrich die Schulen übernehmen. Der Informatikprofessor an der TU Dresden kämpft seit Jahren darum, dass „Informatik zu den Pflichtfächern gehört – flächendeckend und für alle Schularten“. Zwar hat es die Informatik im Gegensatz zur Technik mittlerweile in viele Lehrpläne geschafft (s. Tabelle), Friedrich ist aber nicht zufrieden: „Häufig wird Informatik als Wahlfach oder im Fächerverbund angeboten, ein systematisches fachliches Behandeln findet kaum statt.“ Dass viele außerschulische Initiativen in diese Lücke vordringen, sei gut. Doch er will mehr.

Schule unterliege stetigem Wandel. „Derzeit ist es die Digitalisierung, die Lehrpläne und Unterrichtsmethoden nachhaltig verändern müsste. Stattdessen arbeiten wir mit Tafel und Kreide wie vor über hundert Jahren“, sagt Friedrich. Sein Tonfall lässt keinen Zweifel an seiner Unzufriedenheit.

Tatsächlich hatten von den 13 Jugendlichen in Leipzig bisher die wenigsten Zugang zu informatischer Schulbildung. Und wenn, sei der Umgang etwa mit Robotern spielerischer Natur, sagt Angelika Träger-Nestler, Geschäftsführerin der VDI-Garage. „Wir wollten dagegen tatsächliche Anwendungsfelder aufzeigen“, erklärt sie den Einsatz von IRB 120. Statt wie seine 250 000 ABB-Kollegen weitweit in der Industrie zu arbeiten, betätigt sich der kleine graue Neu-Leipziger als Lernroboter.

Eine gute Gelegenheit für Michael. Er programmiert gerne, ist extra aus Berlin zum Summercamp angereist, sein Vater ist Ingenieur. „In der Schule hatte ich zwar mal eine AG zur Robotik, aber das war in der Grundschule“, sagt der Achtklässler. „Programmieren lernen wir erst in der Oberstufe.“ So lange möchte er eigentlich nicht warten.

Doch Michael wird nichts übrig bleiben, eine Änderung im Bildungssystem ist eine zähe Angelegenheit: Sechzehn Länder haben ebenso viele Interessen, es mangelt an gut ausgebildetem Lehrpersonal und ein Plus wird es ohne ein Minus nicht geben. Denn Lehreramtsstudenten wählen kein Fach, dass nicht flächendeckend zum Grundgerüst der Lehrinhalte gehört. Zudem müsste im angespannten Zeitkorsett der Schulbildung ein bestehendes Fach Platz machen, bevor Technik oder Informatik Einzug halten können. „Der ganze Prozess der Allgemeinbildung müsste überdacht werden“, sagt Friedrich und klingt dabei wenig optimistisch.

Foto: VDI nachrichten

Wie der Anstieg des außerschulischen Angebots vermuten lässt, ist er damit nicht allein. Die unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel stehende Initiative „Mint Zukunft Schaffen“ listet derzeit 337 Technik- und 260 Informatikangebote in ganz Deutschland auf – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Und Unternehmen springen nur allzu gerne auf diesen Zug auf.

Wie in Leipzig. ABB-Sprecher Alexander Vogler erklärt, dass „der demografische Wandel Unternehmen wie ABB dazu drängt, mehr junge Menschen an technische Berufe heranzuführen, um die eigenen Stellen auch künftig mit kompetenten Nachwuchskräften besetzen zu können“. Wie real das Schreckensszenario Fachkräftemangel ist, kann Vogler in Zahlen fassen: „Bis 2022 verlassen jedes Jahr knapp 300 Mitarbeiter das Unternehmen in Deutschland aus Altersgründen.“ Entsprechend aktiv sei man bei der Nachwuchsförderung. 

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