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Donnerstag, 23. November 2017, Ausgabe Nr. 47

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Management

„Ein Idee wird meist erst im Team wirklich gut“

Von Peter Ilg | 26. Februar 2016 | Ausgabe 08

Birgit Thoben ist Innovationsmanagerin am neuen Forschungscampus von Bosch in Renningen. Sie unterstützt die Forscher darin, sich auszutauschen und Ideen in Topseller zu verwandeln – ein Porträt.

Bosch BU
Foto: Ilg

Birgit Thoben: „Ich wollte schon als Kind Forscherin werden.“

Innovationen kann man nicht erzwingen. Man kann sie aber begünstigen. „Dafür schaffe ich die besten Bedingungen“, sagt Birgit Thoben. Sie ist Innovationsmanagerin bei Bosch am Forschungscampus in Renningen bei Stuttgart, dem neuen Zentrum des Konzerns für Forschung und Vorausentwicklung. Vorher waren die rund 1750 Forscher auf drei Standorte in Stuttgart verteilt.

Bosch-Forschungscampus Renningen

Wie effektiv sie arbeiten, zeigt eine Zahl aus dem Jahr 2014: Pro Arbeitstag hat Bosch weltweit 18 Patente angemeldet, rund 4600 insgesamt. Das Patent-Portfolio-Management ist eine von Thobens Aufgaben. Die anderen sind: beraten, vernetzen, organisieren, Präsentationen vorbereiten und Schulungen darüber halten, wie aus einer Idee ein Millionenprodukt wird. Das gelingt in einem von hundert Fällen.

Forscherin ist Thobens Traumberuf. „Das wollte ich als Kind schon werden.“ In Experimenten hat sie fleißig geübt. An der TU Berlin studierte sie später Energie- und Verfahrenstechnik, hat dann am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme gearbeitet und sich anschließend am Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt an der Uni Stuttgart promovieren lassen.

Daraufhin ging sie zu Bosch. Zunächst in die Abgasnachbehandlung von Diesel-motoren, dann forschte sie an der Brennstoffzelle fürs Auto. Das setzte sich nach ihrem Wechsel in den Bereich Chemie von Bosch fort. Sie war dort Team- und Teilprojektleiterin.

Während dieser Zeit bildete sie sich berufsbegleitend am Robert Bosch Kolleg zur Innovationsmanagerin weiter. Die Kurse fanden von Anfang 2012 bis Ende 2013 statt. „Ich habe gelernt, Forscher zu begleiten, dass sie dahin kommen wo sie hin wollen und sollen.“ Letztendlich gehe es bei jeder Innovation auch um den wirtschaftlichen Nutzen.

Seit Mai 2014 ist Thoben Innovationsmanagerin in der Forschung und Vorausentwicklung bei Bosch. „Wir forschen nicht produktbezogen.“ Dafür sind Kollegen in den Konzerntöchtern zuständig.

Die Forscher in Renningen sind meist Ingenieure oder Physiker, zwei Drittel haben promoviert. Sie sind absolute Experten auf ihrem Gebiet.

Der hohe Spezialisierungsgrad ist eine von Thobens Herausforderungen: „Die Forscher sind auf ihr Thema fokussiert, begeistert, leidenschaftlich. Daher ist es mein permanenter Auftrag, ihnen den Blick über den Tellerrand zu ermöglichen.“

Das macht sie, indem sie Forscher miteinander vernetzt, die an Themen arbeiten, die zusammenpassen. „Vernetzen ist deshalb so wichtig, weil eine Idee meist erst im Team wirklich gut wird.“ Allein könne man selten alle Facetten denken. „Das Team bringt Vielfalt.“ Einzellösungen seien eindimensional.

Thoben beschafft Marktzahlen und hilft den Forschern, ihre Ideen überzeugend darzustellen. Das müssen sie, wenn sie alle anderen Hürden genommen haben vor der Geschäftsführung.

Sie hebt oder senkt den Daumen, entscheidet, was aus dem Forschungs- ein Entwicklungsprojekt wird. An etwa 70 bis 80 solcher Präsentationen war Thoben seit eineinhalb Jahren beteiligt.

Mitarbeiter hat sie keine, aber Innovationsmanager in den einzelnen Forschungsbereichen. Sie sind Thobens Ansprechpartner und informieren sie über ihre Themen.

Thoben ist eine zierliche Frau mit dunkelbraunen, kurzen Haaren. Hinter der randlosen Brille sitzen wache Augen. Sie hört interessiert zu, antwortet präzise und wirkt ein bisschen spitzbübisch. So locker und offen stellt man sich Forscher eigentlich nicht vor.

Für ihren Job braucht sie ein breites, technisches Verständnis, praktische Erfahrung in der Forschung und Rechtskenntnisse zu Patenten – von denen sie übrigens selbst einige hält. „Ich muss offen für Neues sein und Lösungen für Dinge finden, die es nicht gibt.“

So kam es auch zur Platform 12, einem loftartigen Kreativrefugium. Es befindet sich im obersten Stock, dem 12. des Zentralgebäudes auf dem Forschungscampus.

Thoben war die treibende Kraft hinter der Idee. „Dort können sich Forscher mit Kollegen ganz ungezwungen treffen. Ohne Druck und Erfolgskontrolle.“

Die Haptik steht im Vordergrund, das Formen von Knete, bauen mit Legos, formen mit Holz. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Anfassen beim Umsetzen von Ideen hilft.“

Auch verschiedene Künstler sind in der Plattform 12 vertreten. Mit ihnen können sich die Forscher austauschen. 10 % ihrer Arbeitszeit stehen ihnen für Neues zur Verfügung. „Kunst entsteht ähnlich wie eine technische Innovation.“ Im Mittelalter seien Kunst und Ingenieurwissenschaften eine gemeinsame Disziplin gewesen, sagt Thoben.

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