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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Karrierepfade

Eine Frage der Persönlichkeit und Ziele

Von Peter Ilg | 23. Mai 2014 | Ausgabe 21

Es war einmal, dass Trainees Karrierevorteile gegenüber Direkteinsteigern hatten. Heute herrscht Chancengleichheit. Entscheidend für die Karriere sind Persönlichkeit und eigene Ziele. Und die bestimmen auch die Art des Einstiegs. Generalisten eignen sich fürs Traineeprogramm, Experten für den Direkteinstieg. Elektroingenieure starten üblicherweise direkt, selten als Trainee.

Traineeprogramme für Ingenieure
Foto: mauritius/Cultura

40 % der Unternehmen in Deutschland bieten für Ingenieure Traineeprogramme an. Wer den betrieblichen Alltag kennenlernen möchte, für den kann ein solches Programm eine hilfreiche Orientierung für den Einstieg sein.

Als Yannik Höpke, 23, in der 11. Klasse für einige Monate nach Southampton ging, wusste er nicht, dass er mehrere Jahre in der Hafenstadt an der Südküste Englands bleiben würde. Er machte dort seinen Schulabschluss und studierte an der Universität Southampton allgemeine Elektrotechnik. In einer Studienarbeit entwickelte er einen Bordcomputer zur Verbrauchsanalyse für ältere Autos. Das Projekt weckte sein Interesse an der Automobilindustrie und die deutschen Premium-Hersteller wurden seine erste Arbeitgeber-Wahl. Über eine Internet-Plattform kam er in Kontakt zu Audi. Der Funke sprang bei beiden über und ab September 2012 war der junge Ingenieur internationaler Trainee bei Audi in Ingolstadt.

"Ein Trainee-Programm ist eine reizvolle Variante für den Berufseinstieg, um in einem großen Unternehmen Fuß zu fassen", sagt Höpke. Bei Audi hat er immerhin 73 000 Kollegen. Und er wollte die Verzahnung zwischen den einzelnen Abteilungen kennenlernen, um das Auto als Ganzes zu verstehen. Das Programm dauert zwölf Monate und beginnt dreimal jährlich mit jeweils etwa zehn Teilnehmern. Die meisten sind Ingenieure. "Sie bearbeiten drei bis vier Projekte in ebenso vielen unterschiedlichen Geschäftsbereichen", sagt Annett Konitzky, Leiterin internationale Traineeprogramme. Es sind Bereichs-Trainees, die für ihren späteren Einsatz dort ausgebildet werden. Bei Höpke war es die Entwicklung. Ziel des Programms ist es, dass die Teilnehmer das Unternehmen umfassend kennenlernen und sich ein Netzwerk aufbauen. Karrierevorteile gegenüber Direkteinsteigern haben sie nicht. "Entscheidend sind die Persönlichkeit und die eigenen Ziele, nicht die Art des Einstiegs", sagt Konitzky. Höpke war im Vertrieb, in der Rechtsabteilung und in zwei unterschiedlichen Entwicklungsabteilungen. Seit Oktober 2013 ist er Entwicklungs-Ingenieur für Fahrerassistenzsysteme im automatisierten Fahren. "Durch das Programm fühlte ich mich sehr gut gerüstet für meine Arbeit."

Immerhin bietet die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland Traineeprogramme an, für Ingenieure sind es 40 %. Dies sind Resultate der Unternehmensbefragung "Jobtrends 2013" des Staufenbiel Instituts. Im Vergleich zum Vorjahr wurden 22 % mehr Trainee-Plätze angeboten. "Die Teilnahme an einem Traineeprogramm macht nur Sinn, wenn der Kandidat Interesse an anderen Unternehmensbereichen hat. Das haben viele Elektroingenieure eben nicht, weil deren Leidenschaft die Technik ist", sagt Reinhard Scharff, Geschäftsführer der Personalberatung personal total in Stuttgart.

Trainee zu sein, kann laut Scharff eine ganz schön zweischneidige Sache sein. "Wer keine klaren Vorstellungen hat, was man in einem Unternehmen überhaupt machen will, für den ist Trainee zu sein Gold wert." Doch weil man nicht wirklich in der Linie sei, Abteilungsleiter aber gerne länger als über einen Zeitraum von wenigen Monaten planen wollen, sei das ein Nachteil. Trainees aber müssen wechseln und nicht mit jedem Vorgesetzten stimme die Chemie, "was durchaus negative Presse im Unternehmen bringen kann". Außerdem habe jeder Vorgesetzte seine eigenen Favoriten, die durch Trainees in ihrem Aufstieg Konkurrenz bekommen. Groß im Vorteil ist der Trainee nicht. "Ein Karrieregarant ist ein Traineeprogramm mitnichten, Anschubhilfe in jedem Fall." Nach seinen Angaben bieten eher große Firmen Traineeprogramme an.

Die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) mit ihren gut 46 000 Mitarbeitern gehört dazu. Doch Daniel Hitzler, 26, ist lieber direkt eingestiegen. "Ich wollte zügig Verantwortung übernehmen und mein Wissen einbringen." Er hat an der Hochschule Augsburg Elektrotechnik studiert, seit Juni 2013 arbeitet er wieder bei BSH in Dillingen, dem Entwicklungs- und Produktionsstandort für Geschirrspüler. Er schreibt Programme für die Spültechnik und entwickelt Anzeigemodule.

"Ein Trainee ist jemand, der ein wissenschaftliches Studium hat und den Boden der betrieblichen Tatsachen kennenlernen will", sagt Thomas Reuter, Personalleiter in Dillingen. Für diese Personengruppe sei ein Trainee eine hilfreiche Orientierung für den Berufseinstieg.

Bei BSH gibt es die typischen drei Karrierewege großer Firmen: Experte, Projektleiter und Manager mit Personalführung. "Experten werden eher Ingenieure mit klassischem Direkteinstieg, Projektleiter und Manager sind häufiger ehemalige Trainees", sagt Reuter. Beiden aber würden alle drei Wege offen stehen. Das Traineeprogramm dauert 15 Monate. Jeder Direkteinsteiger wie Hitzler hat einen Paten, die Personalabteilung einen Standard-Einarbeitungsplan für obligatorische Themen wie Unterweisungen zur Arbeitssicherheit. Der wird zwischen Vorgesetztem und Einsteiger ergänzt um arbeitsplatzspezifische Themen, etwa fachliche Schulungen. Auch Hitzler fühlte sich durch seine Einarbeitung gut vorbereitet auf den Job. Bei beiden haben sich die Erwartungshaltungen an ihren Berufseinstieg erfüllt. Doch Hitzlers kommen viel häufiger vor als Höpkes. Denn einer Handvoll Trainees in beiden Unternehmen stehen viele Hundert Direkteinsteiger gegenüber.   PETER ILG

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