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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Führungsstil

Erkenne Dich selbst - Führung auf dem Prüfstand

Von Bärbel Schwertfeger | 27. September 2013 | Ausgabe 39

An vielen führenden Business Schools weltweit spielt das Thema Leadership – verbunden mit der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit – schon seit Langem eine wichtige Rolle. In Deutschland steht diese Entwicklung noch am Beginn.

Erkenne Dich selbst - Führung auf dem Prüfstand

Was für ein Chef bin ich eigentlich? Business-Schools bieten zunehmend die Auseinandersetzung und Analyse von Führungsprofilen an. Absolventen schätzen daran, dass sie viel über sich selbst erfahren. Foto: Fotolia

Nach zwölf Jahren im internationalen Projektgeschäft wurde Stefan Dunkel immer klarer, dass ihm als Bauingenieur kaufmännisches Wissen fehlte. "Auch beim Thema Mitarbeiterführung bin ich bisweilen an meine Grenzen gestoßen", erzählt der 42-Jährige.

Im April 2012 begann er daher mit dem berufsbegleitendem Executive MBA an der TUM School of Management an der Technischen Universität München. Als dort erstmals angeboten wurde, ein individuelles Führungsprofil zu erstellen, war er sofort dabei. Anhand eines Online-Fragebogens musste er sich selbst beurteilen. Auch seine Mitarbeiter bewerteten ihn anonym. "Dazu braucht es schon ein gewisses Maß an Offenheit und ein bisschen Mut", sagt Dunkel. "Aber man lernt durch die Auswertungen einiges über sich selbst und bekommt einen neutralen Spiegel vorgehalten."

Seit 2012 können die Teilnehmer an den Executive MBA Programmen an der TUM School of Management eine wissenschaftlich fundierte Analyse ihres Führungsstils in Anspruch nehmen und während des Studiums an ihrer persönlichen Weiterentwicklung arbeiten. "Unser Executive MBA ist mehr als nur die Vermittlung von Fachwissen", erklärt Claudia Peus, TUM-Professorin für Forschungs- und Wissenschaftsmanagement und akademische Direktorin des Executive Education Center. "Ein zentraler Aspekt ist auch die Weiterentwicklung der individuellen Führungsqualitäten."

An vielen führenden Business Schools spielt das Thema Leadership – verbunden mit der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit – schon seit Langem eine wichtige Rolle. In Deutschland steht dagegen bisher noch meist die fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema Führung im Vordergrund. In den USA sei die Integration von Psychologen in Wirtschaftsstudiengänge viel verbreiteter, weiß TUM-Professorin Peus.

Dort werde auch generell offener mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung im Bereich der Leadership-Weiterbildung umgegangen. "Man weiß einfach, dass die kognitive Ebene allein nicht ausreicht und man auch Selbstreflexion und Feedback über die eigene Persönlichkeit und den eigenen Führungsstil braucht", so die Psychologin. Das decke sich mit den Forschungsergebnissen, die zeigen, dass Führungskräfte und Teams besser und effektiver sind, wenn sie regelmäßig darüber reflektieren, was sie gut oder schlecht machen. Für die Professorin ist daher die Förderung des Reflective Learning – also des Lernens durch Reflexion – ein wichtiges Anliegen. Grundlage dafür ist im MBA-Studium der Vergleich von Selbst- und Fremdbild.

Beim Evaluieren des Fragebogens zum Führungsstil gab es bei Stefan Dunkel viel Übereinstimmung, aber auch leichte Differenzen zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung. So hatte er sich bei der "individuellen Wertschätzung" ("Ich erkenne die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Ziele meiner Mitarbeiter") selbst einen höheren Wert gegeben als seine Mitarbeiter. "Da war ich schon erst mal überrascht", erinnert sich der Bauingenieur. Das Ergebnis ging er dann mit der TUM-Mitarbeiterin und Psychologin Ellen Schmid Punkt für Punkt durch und besprach mit ihr, an welchen Themen er wie arbeiten kann. Heraus kam eine Art To-do-Liste, für deren Umsetzung er selbst verantwortlich ist.

Auch im berufsbegleitenden MBA-Programm der Professional School of Business & Technology an der Hochschule Kempten arbeitet man mit einem wissenschaftlich fundierten "Leadership Development Konzept" mit zahlreichen Modulen zur Persönlichkeitsentwicklung. "Wir wollen eine nachhaltige persönliche Entwicklung in Gang bringen", erklärt Professor Christoph Desjardins, Direktor der Professional School of Business & Technology an der Fachhochschule Kempten. Bereits zu Beginn des Studiums machen die Studenten einen wissenschaftlich fundierten Test zur Emotionalen Intelligenz. Das Ergebnis zeigt, wie gut sie die Gefühle anderer Menschen verstehen und ihre eigenen Gefühle managen können. Aufbauend auf den Ergebnisbericht wird dann für jeden ein individueller Entwicklungsplan erstellt mit konkreten Aufgaben, wie er sein Verhalten am Arbeitslatz verändern kann. "Dahinter steht letztlich vor allem die Anleitung zur Selbstreflexion", erklärt Professor Desjardins.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer seien Ingenieure, die sich meist noch nie mit ihrer eigenen Persönlichkeit beschäftigt haben. Für sie sei das oft eine völlig neue und gewinnbringende Erfahrung. "Sie erleben, dass sie sich selbst verändern und steuern können und dass das auch funktioniert", beobachtet der Psychologe. Begleitend dazu gibt es Seminare, in denen die Erfahrungen und Fortschritte besprochen werden. Dass das Programm wirkt, haben die Wissenschaftler inzwischen sogar empirisch nachgewiesen: Bei einem erneuten Test ein bis drei Jahre nach dem Studium gab es eine signifikante Verbesserung der emotionalen Intelligenz. Die werde auch von den Vorgesetzten wahrgenommen und in vielen Fällen komme es daher schon während des Studiums zu Beförderungen, so Professor Desjardins.

Vor Kurzem hat man zudem noch eine Analyse des konkreten Führungsverhaltens eingeführt, bei dem die Teilnehmer Feedback von ihren Kollegen und Mitarbeitern einholen und dann an ihrem individuellen Entwicklungsplan arbeiten müssen.

Wie wichtig das Thema Persönlichkeitsentwicklung für die MBA-Studenten ist, bestätigt auch Daniel Weninger, zuständig für Leadership Development an der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Nur das "Knowing", also die Wissensvermittlung, reiche heute nicht mehr aus. Es gehe auch um das "Being", also um Werte und Charakter, und um das "Doing", die Fähigkeiten zur Umsetzung. Bereits zu Beginn müssen sich die Studenten für jeden der drei Bereiche konkrete Ziele setzen. Dazu gibt es mehrere Workshops, in denen sie zur Selbstreflexion aufgefordert werden.   BÄRBEL SCHWERTFEGER

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