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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Hochschule

Forschen für den Klimawandel

Von Monika Etspüler | 27. November 2015 | Ausgabe 48

Es gab Zeiten, als sich der örtliche Pfarrer mit Klimaphänomenen beschäftigte. Heute kümmern sich die Hochschulen darum, wobei nicht immer deutlich wird, welche Rolle den Ingenieurwissenschaften bei der Bekämpfung klimatischer Auswüchse zufällt.

Klima Hochschulen BU
Foto: Peter Maltz/dpa Picture-Alliance

Die Erdtemperatur erreicht kritische Werte. Lehre und Forschung widmen sich der Herkulesaufgabe, die Ingenieurwissenschaften sind bislang kaum beteiligt.

Auf der Weltklimakonferenz hat die Weltgemeinschaft Großes vor. Ziel ist es, die Treibhausgase zu reduzieren. Nicht nur die Politik ist gefordert, auch Hochschulen stehen angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen in der Verantwortung, denn ohne gut ausgebildete Naturwissenschaftler und Ingenieure lassen sich die globalen Klima- und Umweltaufgaben nicht meistern.

Drei deutsche Hochschulen kooperieren im Auftrag der Umwelt

Doch was studieren und mit welcher Perspektive? Die aktuelle Hochschullandschaft ist nicht dafür geschaffen, den angehenden Studenten die Entscheidung zu erleichtern. „Eine systematische Aufstellung über Studiengänge, die sich mit Klima und Umwelt im weitesten Sinne befassen, fehlt“, stellt Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn fest.

In der Tat: Die Fülle der Angebote gleicht einem Flickenteppich und wirft gleichzeitig die Frage auf, welche Rolle die Ingenieurwissenschaften bei der Rettung der Welt eigentlich spielen.

Die Antwort von Klaus Maßmeyer vom Standort Höxter der Hochschule Ostwestfalen-Lippe lautet etwa so: „Die Wissenschaftler setzen die Daten fest, in deren Rahmen die Ingenieure dann arbeiten.“ Seit 2008 bildet Höxter Umweltingenieure aus, zunächst im Rahmen der Bachelorstudiengänge „Wasser und Abfall“ sowie „Klima und Energie“; 2012 sattelte die Hochschule einen Master obendrauf. Vergleichbares bei Umwelt und Energie bieten nur rund 15 Fachhochschulen, nimmt man die Universitäten dazu, kommt man auf zirka 20 Lehreinrichtungen bundesweit, schätzt Maßmeyer.

Kerstin Lopau absolvierte ihren Bachelor in Höxter. „Nach dem Abitur meldete ich mich für ein freiwilliges ökologisches Jahr. Danach war für mich klar, etwas in Richtung Umwelt zu machen.“

Inzwischen sieht sie ihre berufliche Zukunft konkreter auf dem Gebiet erneuerbarer Energien und deren Verknüpfung. Ziel ist es, in einem überschaubaren Zeitraum den Energiebedarf zu 100 % durch regenerative Quellen decken zu können.

Besonders viel Zuspruch in Sachen Umwelt und Klima benötigt die Bauwirtschaft, denn Gebäude verbrauchen nach wie vor weltweit rund 50 % aller Primärenergie. Diese Tatsache verhalf Samuel Meile zu seinem Traumstudium. Bekannte machten ihn auf den interdisziplinären Bachelor-Studiengang Klima-Engineering aufmerksam, der 2011 an der Hochschule für Technik in Stuttgart eingerichtet worden war. Er orientiert sich an den steigenden energetischen und konstruktiven Anforderungen im Bereich Architektur und Stadtplanung. Hauptanliegen ist es, den Energieverbrauch mithilfe intelligenter technischer Lösungen zu reduzieren. „Dieses Studium ist für mich wie maßgeschneidert“, sagt Meile. Den angehenden Klimaingenieur, der gern praktisch arbeitet, reizt der berufliche Spagat im Spannungsfeld von Architektur und Fachplanung. Die Chancen für einen beruflichen Einstieg sind gut. „Wir haben noch immer einen großen Bedarf an Spezialisten, die gleichzeitig die energetische Optimierung eines Gebäudes und die gestalterische Umsetzung im Auge haben“, so Jan Cremers von der Fakultät Architektur und Gestaltung.

Angehende Ingenieure mit Hang zum wissenschaftlichen Arbeiten sind auch gern gesehen an der Universität Hohenheim. Klein, aber fein präsentiert sich dort der 2011 gegründete internationale Masterstudiengang Earth System Science. Zehn Bewerber werden zurzeit pro Jahr aufgenommen. Ginge es nach Volker Wulfmeyer vom Institut für Physik und Meteorologie, dürften es gerne ein paar mehr sein, denn der Forschungsbereich birgt eine Fülle aktueller Ansatzpunkte. So wird in Hohenheim die weltweite Klimaentwicklung, speziell auf Landoberflächen, und ihre Auswirkung auf wirtschaftliche Prozesse untersucht.

Obwohl noch jung, blickt der Studiengang auf eine lange Tradition zurück. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es einen Lehrstuhl namens „Physik und Meteorologie“. Damals brüteten allerdings keine Wissenschaftler über den Wetterkapriolen. Es war der ortsansässige Pfarrer, der sich Gedanken über die Ereignisse in der Atmosphäre und am Himmel machte.

Im Vergleich zu damals ist die Vielfalt an wissenschaftlichen Themenstellungen geradezu inflationär. Doch so umfassend viele Studiengänge auch sein mögen, häufig fehlt es an Kooperation und Transparenz zwischen den Hochschulen. Was fakultätsübergreifende Allianzen und die Zusammenarbeit mit anderen Lehr- und Forschungseinrichtungen betrifft, so sind es vor allem die Universitäten, die momentan die Nase vorn haben. So üben sich etwa im Exzellenzcluster CliSAP neben der Universität Hamburg auch das Max-Planck-Institut für Meteorologie und das Hemholtz-Zentrum Geesthacht gemeinsam im Brückenschlag zwischen Natur-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften. Ziel ist es, die natürlichen und vom Mensch gemachten Klimaänderungen zu analysieren und mögliche Zukunftsszenarien zu entwickeln.

Dass so etwas auch mit Fachhochschulen zu machen ist, zeigt ein Projekt in südlichen Vietnam. Dort engagieren sich Wissenschaftler der TU Braunschweig und der Uni Köln mit Umweltingenieuren der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, um die Umwelt- und Lebensbedingungen einer ganzen Küstenregion zu verbessern. 

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