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Freitag, 19. Dezember 2014, Ausgabe Nr. 51

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Medizintechnik

Im Studium das Zusammenspiel von Material, Mensch und Technik lernen

Von Michael Sudahl | 9. November 2012 | Ausgabe 45

Weil die Zahl der Hochschulen wächst, die einen Medizinstudiengang ins Portfolio aufnehmen, wächst in Zukunft die Zahl der Absolventen. Was wiederum dringend nötig ist, wie man beispielsweise beim Dental-Spezialisten Dürr in Bietigheim-Bissingen in der Nähe von Stuttgart findet.

Als Andreas Brehm zwei Semester studiert hatte, war ihm schnell klar, in welche Richtung es geht. Der heute 24-Jährige wollte sein Arbeitsleben nicht nur damit verbringen, Mechanik und Elektronik für Maschinen zu entwickeln. "Mich faszinierte von Anfang an das Zusammenspiel von Technik, Mensch und Material", sagt der im bayrischen Höchstadt lebende Ingenieur.

Daher zog es den in Singapur aufgewachsenen Franken, der an der Technischen Universität München Maschinenbau-Management studierte, nach dem Grundstudium in die Fachrichtung Medizin- und Kunststofftechnik. "Ich wollte wissen, wie man etwa ein Implantat entwickelt und herstellt, das 30 Jahre ohne Probleme im Körper verbleiben kann", sagt Brehm.

Auch, dass er sein zu lernendes Ingenieurwissen zu Materialeigenschaften und Fertigungsprozessen mit der Hilfe am Menschen verbinden kann, gefiel dem damaligen Studenten. Inzwischen forscht er bei der ebenfalls in Höchstadt ansässigen Firma Medwork und schreibt an seiner Doktorarbeit. Das mittelständische Unternehmen stellt endotherapeutisches Instrumentarium her und erwirtschaftet in diesem Jahr mit etwas mehr als 100 Mitarbeitern rund 17 Mio. € Umsatz. Unter die medizinischen Produkte fällt beispielsweise der mit einem Innovationspreis ausgezeichnete Clipmaster. Er klammert innere Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Dabei funktioniert er in einem nur 2,8 mm schmalen und bis zu 2 m langen Arbeitskanal, durch den parallel auch das Videoauge des Operateurs läuft.

Insgesamt fünf Ingenieure beschäftigt das 1998 gegründete Unternehmen. Alle arbeiten in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die Chef Gerald Fischer Innovationsschmiede nennt. Medwork beschäftigt auch Ingenieure aus anderen Fachrichtungen. "Einer ist Kunststoff-Experte. Das Spezialgebiet des anderen ist Feinwerktechnik", wie Fischer verdeutlicht. Die Medizintechnik ist allerdings inzwischen ihre Heimat. Kein Wunder.

Denn der Bedarf an gut ausgebildeten Ingenieuren, die medizinische Arbeitsgeräte entwickeln und herstellen, wächst rasant. Ein Grund: Durch den demografischen Wandel steigt die Nachfrage an Gesundheitsequipment. Nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums soll es heute bereits mehr als 1,6 Mio. verschiedene Medizinprodukte geben: Geräte für Diagnostik, Chirurgie, Intensivmedizin, Implantate oder Sterilisation. Laut aktuellem Branchenbericht des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) arbeiten in Deutschland inzwischen mehr als 175 000 Menschen in der Medizintechnik. In 95 % der Betriebe arbeiten weniger als 250 Menschen.

Neben der TU München gibt es bundesweit einige Hochschulen, die passende Medizintechnik-Studiengänge anbieten. Etwa in Stuttgart und Tübingen. Beim interuniversitären Bachelor-Studiengang kooperieren die beiden Unis. Zum Wintersemester 2013/14 planen sie zudem, zwei sich anschließende Masterstudiengänge einzuführen. Die medizinische Fakultät in Tübingen will den Studiengang Biomedical Technology und die Uni Stuttgart den Studiengang Medical Engineering anbieten. Weitere Fakultäten, die einen Bachelor-Abschluss in Medizintechnik anbieten, finden sich beispielsweise in Bremerhaven, Trier, Jena, Potsdam oder Mannheim. Letztgenannte kooperiert mit der Mediziner-Universität in Heidelberg.

Weil die Zahl der Hochschulen wächst, die einen Medizinstudiengang ins Portfolio aufnehmen, wächst in Zukunft die Zahl der Absolventen. Was wiederum dringend nötig ist, wie man beim Dental-Spezialisten Dürr in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart findet.

Personalchefin Claudia Geyer hat aktuell 15 offene Stellen, die sie gerne mit Ingenieuren besetzen würde. Für die Fertigungsschwerpunkte Druckluft, Absaugung, Bildgebung, Zahnerhaltung und Hygiene ist neben Kenntnissen in Softwareentwicklung, Elektrotechnik und Mechatronik auch Wissen im Maschinenbau notwendig.

Das Unternehmen stellt weltweit mit 1000 Menschen Produkte für Zahnärzte her und hat im vergangenen Jahr 200 Mio. € Umsatz erzielt. Alleine 130 Techniker und Ingenieure arbeiten in den Forschung- und Entwicklungsabteilungen des schwäbischen Mittelständlers in Deutschland und den USA. Damit der Nachwuchs zu Dürr Dental findet, kooperiert die Firma mit den Hochschulen aus der Umgebung. Im Norden ist das Heilbronn und im Süden Pforzheim, wo Dürr einen Lehrstuhl finanziert.

Ihr Wissen aus dem Studium können die künftigen Medizintechniker bei Dürr Dental in neue Produkte einfließen lassen – wie die VistaCam iX. Die mit dem Designpreis Reddot ausgezeichnete, infrarote Kamera soll den Mundspiegel des Zahnarztes ersetzen. Mit bis zu 120-facher Vergrößerung sei dadurch etwa eine Karies-Diagnostik in einem sehr frühen Stadium möglich, wie Geyer berichtet.    MICHAEL SUDAHL

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