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Montag, 11. Dezember 2017

Personalmanagement

„Laptop-Nomaden“ zwischen Freiheit und Fußfessel

Von W. Schmitz | 23. Mai 2014 | Ausgabe 21

Manager, die nur auf die Bilanzen schauen, gefährden die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, erklärte der Arbeitsexperte Jochen Prümper auf der Messe "Personal2014" am Dienstag in Stuttgart. Der soziale Kitt beginne zu bröckeln.

Die Sensibilität für psychische Erkrankungen ist gewachsen. Und deren gesellschaftliche Akzeptanz. Wer über Burn-out klagt, erntet an Stammtischen längst kein mitleidiges Lächeln mehr. Diese erfreuliche Entwicklung zu mehr Transparenz und Verständnis erklärt aber noch nicht das volle Ausmaß der explosionsartig steigenden Krankenzahlen.

"Über 42 % der Frühverrentungen gehen auf das Konto psychischer Erkrankungen", erklärte der Berliner Wirtschafts- und Organisationspsychologe Jochen Prümper auf der "Personal2014 Süd – Fachmesse für Personalmanagement" am Dienstag in Stuttgart. Dabei seien Zeitdruck, Arbeitsverdichtung und steigende Verantwortung für den Negativtrend nicht allein verantwortlich. Auf der anderen Seite der Waage verliere das soziale Miteinander immer mehr an Gewicht. Diese Unausgewogenheit schlauche die Beschäftigten – mitunter bis zu Burn-out und Depression.

Die Arbeitgeber schauten oft tatenlos zu. Nicht immer aus Desinteresse, häufig aus Ratlosigkeit und Unwissen. So wüsste man in den meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht, dass man laut Gesetz zu Gefährdungsbeurteilungen (wo lauern Gefahren für die Beschäftigten?) – auch unter Berücksichtigung psychischer Aspekte – verpflichtet ist. Wissenschaftler und Berater seien aufgefordert, Licht ins Wissensdunkel der Arbeitgeber zu bringen, so Jochen Prümper.

Erschwerend komme hinzu, dass sich in den vergangenen Jahren der Trend zum "produktionsorientierten" Manager verschärft habe, der Sozialauftrag an Führungskräfte sei, beklagt Prümper, auf der Strecke geblieben. Leidtragende dieses einzig auf Leistung fokussierten Managementstils seien in zunehmendem Maße junge Führungskräfte, die den Druck von oben aushalten und den Druck nach unten intensivieren müssen.

Nach außen bekennen sich aber vor allem die Älteren als psychisch angeschlagen. Prümper: "Beschäftigte mit rund 55 Jahren sind aufgrund psychischer Erkrankungen doppelt so häufig krankgeschrieben wie Beschäftigte im Alter von rund 25 Jahren. Viele Unternehmer aber vergessen, dass die 25-Jährigen die 55-Jährigen von morgen sind." Vorbeugende Maßnahmen sollten sich daher an die gesamte Belegschaft richten.

Wertschätzung laute das Zauberwort, meint der Arbeitswissenschaftler. Das aber werde den Mitarbeitern viel zu selten entgegengebracht. Dabei gehe es nicht zwangsläufig um monetäre Gratifikationen. "Auf die Frage: Was erwarten Arbeitnehmer für ihre Leistungen? wissen Personalmanager viel zu selten eine Antwort."

Hinter Führung stehen Menschen. Nicht jeder sei dafür geboren, sagte Prümper. Um nicht karrierewillige Ingenieure auf ein falsches Gleis zu setzen, sollte die Fachlaufbahn als attraktive Alternative zur Führungskarriere aufgewertet werden.

Hinter die "schöne neue" Arbeitswelt, geprägt von mobilen Endgeräten und flexiblen Arbeitsmodellen, setzt Prümper ein großes Fragezeichen. "Die Frage ,große Freiheit‘ oder ,elektronische Fußfessel‘ ist nicht leicht zu beantworten." Mehr als drei Viertel der "Laptop-Nomaden" berichteten schon heute über innere Unruhe, vorzeitige Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, gesteigerte Reizbarkeit und Nervosität.

Heidrun Kleefeld, Personalbeauftragte bei SAP, stellte in Stuttgart die Projekte vor, mit denen der Softwarehersteller den gesundheitlichen Gefährdungen seiner Mitarbeiter begegnet. Neben anderen Maßnahmen gebe es Vertrauensarbeitszeit und den Appell an die Führungskräfte, eine "gesunde Erreichbarkeit" vorzuleben. Strikt eingegrenzte Arbeitszeiten aber könne es für ein international aufgestelltes Software-Unternehmen nicht geben. "Wir können nicht ab einer bestimmten Uhrzeit die Server abstellen oder keine Mails mehr verschicken."

Die Gesundheit hängt stark damit zusammen, wie sehr sich die Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber identifizieren. Bei Haufe-umantis habe man diesen Gedanken erfolgreich umgesetzt, so Geschäftsführer Marc Stoffel. Das Software-Unternehmen lässt seine Mitarbeiter abstimmen, wer den Chefhut in den verschiedenen Einheiten trägt. Nach dem Motto "Mitentscheiden steigert Motivation und Leistung".  W. SCHMITZ

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