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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Personalmanagement

Lernprogramm Globalisierung

Von Claudia Burger | 23. Mai 2014 | Ausgabe 21

Die Globalisierung und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und das Arbeitsleben waren das Thema des DGFP-Kongresses in Hamburg.

Globalisierung, so sagte es der Keynotespeaker und Philosoph Peter Sloterdijk beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), sei ein Lernprogramm. Man könne die alten Seefahrer als Protagonisten der ersten Globalisierungswelle sehen und die heutige Globalisierung sei eine "perverse und überdimensionalisierte Simulation" der Erfahrung der Seefahrt-Pioniere.

Damals habe die Welt lernen können, weil die Seefahrer mit ihrem Wissen von ihren Fahrten in das Ursprungsland zurückgekehrt seien, so sei beispielsweise die Globografie erst möglich geworden. Columbus sei zudem eigentlich der erste Personalmanager gewesen. "Lesen Sie sein Logbuch, er hat die Mannschaft nach Strich und Faden belogen, um sie bei Laune zu halten – und sich selbst auch", erklärte Sloterdijk launisch. Und bezeichnete die anwesenden Personalverantwortlichen mit einem Augenzwinkern als "Begeisterungsproletariat für Globalisierung". Die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts seien bereits eindeutig zu erkennen, dazu zählen die weitere Urbanisierung sowie eine Diktatur der Sicherheitsindustrie. "Jedes Menschenrecht wird im Namen der Sicherheit gebrochen." Zudem warnte er davor, dass die Leistungsträger im Zuge der von ihm prognostizierten zunehmenden "Etatisierung" des Staates und einer fehlenden "progressiven Fiskalkultur", beispielsweise der Abschaffung von Steuern, demoralisiert werden. "Ihr Beruf ist an diesem Punkt besonders geeignet, an dieser Stelle Gutes zu leisten", erklärte Sloterdijk den Personalern.

Globalisierung, so das Fazit der meisten Vortragenden, das sei eigentlich nur wünschenswert, wenn die Staaten einen multilateralen Ordnungsrahmen gestalten. "Der Staat wird in die Wirtschaft zurückkommen", prognostizierte Hanns Heinrich Schumacher, Leiter der Ständigen Vertretung Deutschlands beim Büro der Uno in Genf. Das hörte Rudolf Hickel von der Uni Bremen gern, denn, so Hickel, bislang seien es ausschließlich die Interessen der globalen Konzerne, die die Triebfeder der Globalisierung seien. "Ich stehe noch unter Schock, wir haben eine der größten Krisen der Globalisierung noch gar nicht verarbeitet, die Finanzkrise", betonte Hickel. Auch er forderte eine Politisierung der Weltmarktordnung. Allerdings, kippte Schumacher einen Wermutstropfen in die Harmonie, seien es gerade die Schwellenländer, die sich einer Beteiligung an einem neuen politischen Regelwerk verweigern würden. China-Experte Frank Sieren erklärte, dass die globalen Entwicklungen mit der Absetzung des Adels gleichzusetzen seien.Dieses Mal sei der Westen der alte Adel, und Asien, speziell China, werde in Zukunft die Regeln bestimmen.

Und was bedeutet das für die Mitarbeiter? Schumacher erklärte, dass Bildung das Zahlungsmittel sei, mit dem ein Land in der Globalisierung gewinnen könne. Weniger optimistisch zeigte sich Franz Josef Radermacher, Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm: "Man ist zum Schluss ein Teil der Maschine", sagte er im Hinblick auf die fortschreitende Digitalisierung. Mensch und Maschine konkurrierten direkt. Zudem sei es im Wesen des Systems, dass es nur ganz wenige Führungspositionen gebe. Anne Grovu, Head of Human Resources bei InnoGames, hingegen beschwichtigte: "So schlimm wird es nicht. Der Mensch wird nicht ausgelöscht."   cer

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