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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Weiterbildung

Mit dem neuen Wissen im Beruf punkten

Von Peter Ilg | 4. Oktober 2013 | Ausgabe 40

Fortbildungen bringen die Teilnehmer voran und sind mitunter die Eintrittskarte bei einem Job- oder Branchenwechsel. Der Ingenieur Steffen Muraszewski (47) wechselte 2012 zu WindMW in Bremerhaven. Seine Eintrittskarte dort: der erfolgreiche Abschluss des Zertifikatlehrgangs Windenergietechnik VDI.

Mit dem neuen Wissen im Beruf punkten

Steffen Muraszewski ist bei WindMW in Bremerhaven verantwortlicher Ingenieur für Instandhaltung und Betrieb der Windkraftanlagen. Foto: WindMV

Der 6. 2. 1992 war ein rabenschwarzer Tag für Deutschland. Die Bundesanstalt für Arbeit verkündet zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte eine Arbeitslosenzahl von mehr als 3 Mio. Drei Jahre später war das Heer an Arbeitslosen auf 5 Mio. angewachsen. Die Mitte 1990er-Jahre war selbst für die am Arbeitsmarkt verwöhnten Ingenieure eine schwierige Zeit. Steffen Muraszewski, 47, schloss sein Maschinenbaustudium an der Universität Rostock Mitte 1992 ab – und hatte ab 1993 einen Job. Allerdings nicht in dem von ihm logischerweise favorisierten Maschinenbau, sondern auf dem Bau. "Sechs Jahre war ich Bau- und Projektleiter und danach nicht mehr auf dem Stand der Technik im Maschinenbau." Dort wollte er immer noch arbeiten und die Chancen waren gut, die Wirtschaft in Deutschland florierte Ende der 1990er-Jahre.

Weiterbildung: So viele wie noch nie!

Muraszewski fand eine Stelle in der Forschung und Entwicklung bei einem Automobilzulieferer für Dichtungssysteme. Um seine Arbeit gründlich machen zu können, studierte er an der Fernuniversität Hagen berufsbegleitend Informatik, anschließend absolvierte er an der Universität Hannover das Weiterbildungsstudium Kautschuktechnologie. Das war wichtig, um sich mit den Dicht-Materialien auszukennen, die Informatik für Berechnung und Simulation derselben.

Muraszewski fühlte sich fachlich sicher, wollte sich aber nicht auf diesem Wissen ausruhen und zudem vorankommen. "Dafür brauchte ich betriebswirtschaftliche Kenntnisse." Er schrieb sich an der Hochschule Ravensburg-Weingarten ein und schloss 2010 sein MBA-Studium International Business Management ab. Da arbeitete er bereits ein Jahr bei Vestas, einem Hersteller von Windkraftanlagen. 2012 wechselte Muraszewski zu WindMW, einer Projektierungs- und Betreibergesellschaft für Windparks in Bremerhaven. Seine Eintrittskarte dort: der erfolgreiche Abschluss des Zertifikatlehrgangs Windenergietechnik VDI.

Angeboten wird dieser Lehrgang vom VDI Wissensforum, einer eigenständigen Gesellschaft innerhalb des VDI. 2012 haben sich dort rund 25 000 Ingenieure weitergebildet. Die Gesellschaft geht davon aus, dass die Teilnehmerzahlen weiterhin steigend sind, weil die technischen Entwicklungen heute rascher vorangehen und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich Ingenieure in immer kürzeren Abständen weiterbilden.

Den Zertifikatslehrgang Fachingenieur Windenergietechnik gibt es seit zwei Jahren, rund 50 Ingenieure haben ihn bislang abgeschlossen. Der typische Teilnehmer dieses Lehrgangs ist männlich und entweder ein junger Ingenieur, der sich für die Branche oder eine Tätigkeit dort spezialisieren will. Oder er ist ein alter Hase, der im Management oder als Geschäftsführer arbeitet und das Unternehmen in der Windenergiebranche positionieren will.

Die Motivation für die Lehrgangsteilnahme beruht daher auf eigenem oder unternehmerischem Interesse. Eindeutig ist die Kostenübernahme: Es gibt so gut wie keine Selbstzahler. In den allermeisten Fällen übernimmt der Arbeitgeber die Kursgebühren von rund 10 000 €. Auch Muraszewski wurde bei seinen Qualifizierungen unterstützt: Entweder finanziell oder in Form von Freistellung von der Arbeit. Neben der Windenergietechnik bietet das VDI Wissensforum zwei weitere Zertifikatslehrgänge an: Elektromobilität und Gebäudeautomation. Ebenso Kurse ohne Zertifikat. Zertifizierte Kurse werden mit einer Prüfung abgeschlossen, in den anderen Fällen ist eine Bescheinigung der Beleg für die Teilnahme.

"Welche Qualifizierung mehr wert ist? Diese Frage hat der Markt schon geklärt", sagt Ulrich Brill, geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Haus der Technik, Essen. "Wenn zwei Bewerber die gleichen Abschlüsse haben, einer aber mit Zeugnis oder anerkanntem Zertifikat, wird dieser bevorzugt."

Das Haus der Technik ist ebenfalls Seminaranbieter. 2012 haben rund 16 000 Techniker und Ingenieure an Kursen und Studiengängen dieses Veranstalters teilgenommen. Insbesondere die Fachbereiche Energie, Management und Chemie waren nach Anbieterangabe sehr gefragt. Acht von zehn Teilnehmern besuchten Technik-, zwei Softskills-Kurse.

"Fortbildung bringt das, was man daraus macht", sagt Brill. Zunächst forciere sie den nächsten Karriereschritt und damit die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen. "Das neue Wissen muss dann aber auch strategisch eingesetzt und kommuniziert werden." Darüber hinaus gebe es vielfältigen Nutzen der Fort- und Weiterbildung: Von der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben bis hin zu der Freude an neuen Erkenntnissen wird alles geboten.

Es mag viel gewesen sein, was sich Muraszewski an Weiterbildungen aufgelastet hat. Er sieht das nicht so: "Man wechselt nicht so einfach die Branche oder den Job. Man muss schon dafür qualifiziert sein. Nur dann funktionieren Um- oder Einstieg."

Ihm ging es primär darum, sich Wissen anzueignen, für den Teil der Technik, die ihn interessiert. Karriere stand nicht im Vordergrund, doch die kommt bei einem solch hohen beruflichen Engagement fast zwangsläufig: Bei WindMW ist Muraszewski als verantwortlicher Ingenieur zuständig für Instandhaltung und Betrieb der Windkraftanlagen. "Mir macht mein Job Spaß, ich bin zufrieden." Eine Weiterbildung hat er aktuell nicht geplant.  PETER ILG

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