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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

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Hochschule

München gleitet fast ohne Luftwiderstand ins Finale

Von Evdoxia Tsakiridou | 26. Februar 2016 | Ausgabe 08

Jubel in München. Studierende der Technischen Universität zogen beim Finale eines weltweit ausgeschriebenen Design-Wettbewerbs ins Finale ein. Mit dem Konzept der Münchner könnten sich Reisende mit Schallgeschwindigkeit von A nach B bewegen.

Projektarbeit BU
Foto: privat

US-Verkehrsminister Anthony Foxx stattete den Studenten der TU München beim Wettbewerb „Hyperloop Pod Competition“ einen Besuch ab und verewigte sich per Autogramm auf der bayerischen Fahne.

„Der Wettbewerb war eine tolle Erfahrung“, fasst Mariana Avezum zusammen. Die angehende Informatikerin und ihr 19-köpfiges Studierendenteam der TU München gehörten zu den Teilnehmern der „Hyperloop Pod Competition“, die auf eine Idee von Elon Musk, dem Erfinder des E-Autos Tesla, zurückgeht. Der Unternehmer will eine neue Art des Reisens verwirklichen – mit dem Hyperloop.

Projektarbeit motiviert junge Akademiker

Das neuartige Fortbewegungsmittel sieht auf den Entwürfen wie eine Rakete aus. In einer zigarrenförmigen Kapsel (Pod) sollen 28 Passagiere mit Schallgeschwindigkeit (1200 km/h) an ihr Ziel gelangen. Wie bei einer Rohrpost sollen sich, so die Idee, mehrere aneinandergekoppelte Kapseln reibungsarm durch Fahrröhren fortbewegen, die auf Trägern aufliegen. „Gerade für Mittelstrecken bis 1000 km wäre Hyperloop ein ideales Transportmittel“, ist Avezum überzeugt.

Foto: privat

Der Hyperloop Marke TU München ist ein rein deutsches Produkt.

Musks Firma SpaceX baut auf ein offenes Entwicklungskonzept und lud deshalb Anfang des Jahres Studierende aus aller Welt zum Design-Wettbewerb an die Texas A&M University (Tamu) ein. Dem Aufruf folgten 124 studentische Gruppen, darunter die Münchner. Gewonnen hat das Team vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Aber es gibt ein Finale, zu dem 30 Teams eingeladen sind, darunter das Warr-Team („Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt“) der TUM und die Studierenden der TU Delft (Niederlande) – als einzige europäische Vertreter.

Das Konzept der TUM-Studierenden: Ein Kompressor auf der Vorderseite saugt Luft an, verdichtet sie und leitet sie durch die Kapseln, sodass diese fast ohne Luftwiderstand auf einem magnetischen Schwebesystem vorwärtsgleiten. „Es muss nichts erfunden werden. Wir verwenden für unsere Subsysteme wie Kompressor, Batterie, Bremsen oder Linearmotoren Technologien, die es bereits gibt. Das Beste daran: Die Hersteller sind deutsche Weltfirmen. Das ist ein großer Vorteil“, freut sich Projektleiterin Avezum.

„Ich bin beeindruckt, was unsere Studenten in vier Monaten auf die Beine gestellt haben. Sie haben in kürzester Zeit ein konsistentes Gesamtkonzept entwickelt“, lobt Martin Dziura. Der Maschinenbau-Ingenieur und Dozent am TUM-Lehrstuhl für Raumfahrttechnik betreut das Warr-Team, aus dem sich die Gruppe um Mariana Avezum gebildet hat. „Ich bin von der Hyperloop-Idee begeistert. Es war es ein Glücksfall, dass ich mich innerhalb der Uni an die Warr wenden konnte, die mich sofort unterstützt hat“, erklärt die aus Brasilien stammende Masterstudentin. Innerhalb von zwei Wochen konnte sie eine Projektgruppe aus Maschinenbauern, Physikern und Informatikern zusammenstellen.

Die Beteiligten stehen vor der Herausforderung, Konstruktionsarbeit und Lernpensum fürs Studium unter einen Hut zu bringen. Trotzdem empfindet niemand die Projektarbeit als Belastung. Zudem können die jungen Leute die vorhandene Infrastruktur nutzen. Der Lehrstuhl für Raumfahrttechnik stellt Arbeitsplätze und Werkstätten zur Verfügung.

„Unsere Studierenden arbeiten selbstständig. Wir bringen ihnen nur die Methodik nahe, also das wissenschaftliche Arbeiten“, unterstreicht der Warr-Betreuer. Zeitliche Probleme wegen Prüfungen, Praktika oder Seminararbeiten gibt es keine. Der Lehrstuhl erkennt die Warr-Projektarbeiten als Studienleistungen an.

Dabei handelt es sich immer um Kooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen oder Industrievertretern, die Finanzierung und Material bereitstellen. So profitiert der Lehrstuhl von den Ideen und der Arbeit der Studierenden. Diese wiederum erfahren anschaulich, warum sie sich zuvor intensiv mit Fächern wie Mathematik, Mechanik oder Werkstoffkunde beschäftigt hatten. Sie lernen, interdisziplinär zusammenzuarbeiten, und das große Ganze im Blick zu behalten. „Sie lernen Systemdenken“, bringt es Martin Dziura auf den Punkt und erläutert, warum die Absolventen für künftige Arbeitgeber interessant sind. „Sie gewinnen praktische Erfahrung, erkennen, wie wichtig Teamgeist ist. Wenn es Probleme gibt, regt das zur Diskussion an, um gemeinsam Lösungen zu finden. Für Arbeitgeber ist eine solche Ausbildung attraktiv: Sie reduziert nicht nur die Einarbeitungszeit, sondern auch das Risiko für Fehlbesetzungen.“

Auch wenn Kritiker meinen, die Realisierung des Hyperloop sei utopisch, da das System zu teuer sei, schreibt das Team um Mariana Avezum das Projekt noch lange nicht ab. Die Gruppe jedenfalls ist auf der Suche nach Geldgebern. Sie benötigt mindestens 100 000 € und Materialspenden. Im Sommer werden die Münchner ihren 850 kg schweren Prototypen auf der 1,6 km langen Teststrecke am Hauptsitz von Space X in Los Angeles präsentieren. Um sich ganz auf das Projekt zu konzentrieren, das auch Teil ihrer Masterarbeit ist, hat Mariana Avezum ihren Werkstudentenvertrag bei einem großen internationalen Konzern gekündigt.  

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