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Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Donnerstag, 16. November 2017, Ausgabe Nr. 46

Buchtipps

Weihnachtszeit ist Lesezeit

Von Redaktion | 4. Dezember 2015 | Ausgabe 49

Aus der großen Zahl von Büchern, die in diesem Jahr erschienen sind, hat die Redaktion der VDI nachrichten eine lesenswerte Auswahl getroffen: zum Schmökern oder zum Verschenken und zu ganz unterschiedlichen Themen.

Buch-Kasten (2)
Foto: Getty Images/Dimitri Vervitsiotis

Wer in dieser Positur schmökert, muss eine Leseratte sein.

Auf den Spuren der Daten

Foto: Cividale Verlag

Weihnachten muss es nicht immer leichte Kost sein. Das gilt für Gänse ebenso wie für das neue Buch des Journalisten und Datenschutzaktivisten Joachim Jakobs. „Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohung“ zeigt eindringlich, wie begehrt und gefährlich zugleich unsere Datenspuren sind. Ob E-Mail, elektronische Krankenakte oder vernetztes Auto – alle personenbezogenen Daten sind im Visier von Kriminellen. Gleiches gilt für vernetzte Fabriken und das Internet der Dinge. Auch Sicherheitsbehörden und Geheimdienste mischen mit. Jakobs gelingt ein Rundumschlag durch die aktuelle Datenschutzdiskussion. Er endet in einem Appell, Algorithmen und künstliche Intelligenzen nicht wie Götter der Neuzeit zu verehren, sondern zu lernen, sie infrage zu stellen. Ein Buch, das jetzt gelesen werden muss. 2016 dürfte es genug Stoff für eine Neuauflage geben. rb

Joachim Jakobs: Vernetzte Gesellschaft. Vernetzte Bedrohung. Cividale Verlag, Berlin 2015, 350 S., 21,90 €

Das Imperium der Baumwolle

Foto: C. H. Beck Verlag

Die Geschichte des Kapitalismus als globales System von Produktion und Handel beginnt im 17. Jahrhundert mit der Herstellung und Verbreitung der Baumwolle. In dieser Frühphase war der Kapitalismus, das zeigt anschaulich und gut lesbar der an der Universität Harvard lehrende Historiker Sven Beckert, ein Kriegskapitalismus, der sich auf die Enteignung von Landarbeitern, von Boden und auf Sklaverei stützte und der mit der Expansion Europas einherging. Die Baumwollindustrie – sie legte den Grundstein für das Fabriksystem – war viele Jahre in Europa und Nordamerika der wichtigste Industriezweig, der riesige Gewinne abwarf und die Industrialisierung beschleunigte, während er im Rest der Welt zur Deindustrialisierung führte. Beckert zeigt das Imperium der Baumwolle in all seinen Facetten: von miserablen Arbeitsbedingungen über Umweltzerstörungen und der zentralen Rolle von Staaten, die heute noch Subventionen gewähren oder Kinderarbeit erlauben. Ein Buch, dem man viele Leser wünscht. has

Sven Beckert: King Cotton. Eine Geschichte des globalen Kapitalismus. C.H. Beck Verlag, München 2015, 525 S., 29,95 €

Organisation vor Technik

Foto: Vahlen

Schafft Industrie 4.0 die Voraussetzungen für ein Wirtschaftswunder 2.0? Tim Cole verbindet wie gewohnt die Formulierkunst des einstigen Playboy-Autors mit der Expertise des IT-Spezialisten, wenn er beschreibt, wie die Digitalisierung des Wirtschaftens den Wohlstand in Deutschland gewährleisten kann, sofern sich Unternehmen und Gesellschaft der Herausforderung stellen. Der Autor führt den Leser durch die relevanten Unternehmensbereiche wie Marketing, Vertrieb, Produktion und Personalmanagement. Wie Cole betont, hat digitale Transformation weniger mit Technik und mehr mit Infrastruktur, Organisation und Führung zu tun: Es gehe um „die Ausrichtung aller unternehmerischen Aktivität darauf, den maximalen Nutzen aus dem Einsatz neuer Digitaltechnologien zu ziehen.“ VW, Bosch und der Maschinenbauer Wittenstein zeigen anschaulich, wie das funktioniert. pst

Tim Cole: Digitale Transformation. Verlag Franz Vahlen, München 2015, 211 S., 24,90 € (Kindle-Edition 19,99 €)

Unterhaltsames Arbeitsbuch zur Philosophie

Foto: dtv

Wollen Sie sich auch mal über den Tellerrand Ihres normalen (Berufs-)Lebens ein bisschen umtun und dem Gehirn andere Nahrung liefern? Dann könnte das Buch „Denksport Philosophie“ von Robert Zimmer interessant für Sie sein. Es ist keine philosophische Abhandlung, sondern ein besonderes Arbeitsbuch, das nichts weniger möchte, als mit Gedanken rund um philosophische Themen vertraut zu machen und dazu anzuregen, selbst die eigenen grauen Zellen in Fahrt zu bringen. Der Leser lernt die Instrumente der berühmten Meister der Philosophie kennen, wobei der Autor keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Das Buch ist für den interessierten Laien gedacht. Wer gar keine Ahnung hat, kann in dem Kapitel „Worum es in der Philosophie geht, warum sie auch ein Denksport ist und was sie schon alles hinter sich hat“ einen gut lesbaren Überblick erhalten. cer

Robert Zimmer: Denksport Philosophie. Fragen Argumente, Gedankenspiele. dtv premium, München 2015, 336 S., 16,90 €

Der verkannte Kontinent

Foto: Kösel-Verlag

Afrika erregte hierzulande zuletzt mit Ebola, Boko Haram und dem päpstlichen Aufruf zu mehr Brüderlichkeit Aufmerksamkeit. Doch der Kontinent bietet mehr. Hans Stoisser gibt einen sehr persönlichen Einblick in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Afrikas. Der Unternehmer zeichnet das Bild einer Gesellschaft, die sich von den Ketten des Kolonialismus befreit hat und in rasendem Tempo neue Techniken annimmt. In der Telekommunikation etwa haben die meisten Länder Afrikas die Festnetztechnologie und den Desktop-PC übersprungen und direkt die mobile Revolution eingeläutet. Vor allem in Ostafrika sind hoch innovative Zentren entstanden und eine junge, im Ausland ausgebildete Generation strebt in die Politik. Wer seinen Horizont über Afrika erweitern und nicht bei Buschkämpfern und Hungerleidenden enden lassen möchte, sollte dieses Buch zur Hand nehmen. Leichte Lektüre für wissenshungrige Weltenbummler. lis

Hans Stoisser: Der schwarze Tiger. Kösel-Verlag, München 2015, 208 S., 17,99 €

Den Nord-Ostsee-Kanal entlang schippern

Foto: Koehlers Verlagsgesellschaft

Das kommt dabei heraus, wenn ein Mann mit Seefahrern in der Ahnenreihe Journalist und Autor wird: Ein wunderbares Buch über den Nord-Ostsee-Kanal mit vielen Fotos und Anekdoten rund um das Gewässer. Der Kanal zwischen Brunsbüttel und Kiel erspart Schiffen eine ca. 800 km lange Fahrtstrecke über Dänemark. Nach einem historischen Abriss über den Bau und die Eröffnung im Jahr 1895 (der Kanal wurde also in diesem Jahr 120 Jahre alt!) folgen technische Aspekte wie das Leitsystem und die Kanallotsen sowie nennenswerte Brücken und Schleusen. Der Autor beschreibt aber auch den Freizeitwert des Nord-Ostsee-Kanals. Was kann man da nicht alles machen: Rad fahren, ausgedehnte Spaziergänge, campen oder einfach nur die Seele baumeln lassen. „Nirgendwo ist der Kontrast zwischen Natur, Technik und Erholung so groß wie zwischen Brunsbüttel und Kiel“, meint Fröhling. Doch all den schönen Geschichten und Fotos rund um den Kanal schickt der Autor auch einige Kritik voraus. So seien der Kanal und seine Infrastruktur vernachlässigt worden, wichtige Brücken seien Sanierungsfälle. Manchmal stoße die Technik an ihre Grenzen. „Für den Kanal gilt: Fünf vor zwölf ist Jahre her – jetzt muss etwas passieren.“ cer

Thomas Fröhling: Nord-Ostsee-Kanal. Von Brunsbüttel nach Kiel. 2. überarbeitete Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2015, 104 S., 14,95 € 

Das Revier der Frauen in einem Fotoband

Foto: Emons Verlag

Der Fotoband „Frauen im Revier“ zeigt auf über 250 Fotografien vom Kaiserreich bis in die 1990er-Jahre Frauen im privaten und öffentlichen Raum, ihr Leben in Städten und Dörfern, ihre Wohnungen und Arbeitsplätze, Freizeit und Politik – oft in dem für das Ruhrgebiet typischen Nebeneinander von Tradition und Moderne.

Eine nist Elisabeth Zöllner. Sie genießt auf der Bank vor ihrer Zechenwohnung den Feierabend – nur 200 m vom Schacht Zollverein IV entfernt (Fotograf Wolf Schöne). Die einst roten Zechenhäuser ringsum sind schwarz verfärbt. Renovierung? „Auf keinen Fall, lohnt nicht, ist doch alles gleich wieder grau und grau.“ So sind auch die meisten der von Sigrid Schneider zusammengetragenen Fotos schwarz-weiß. Die Herausgeberin baute die fotografische Sammlung des Ruhr Museums auf, das sich heute auf dem Gelände des Unesco-Welterbes Zeche Zollverein in Essen befindet. Dass sie zahlreiche Ausstellungen kuratierte, unter anderem zur Nachkriegsfotografie, zu den 1960er-Jahren oder zur Ikonografie des Ruhrgebiets, ist dem Fotoband anzumerken: Er ist chronologisch wie eine Ausstellung aufgebaut und gliedert das Revier der Frauen in fünf Teile: Kaiserreich, Moderne Zeiten, Diktatur und Krieg, Wirtschaftswunder und Konflikte sowie Nach der Industrie.

Die Bilder aus 100 Jahren, von denen viele hier zum ersten Mal veröffentlicht werden, spiegeln das Leben der Frauen im Land der Schwerindustrie wider – der Männergesellschaft schlechthin. Schneider stellt die Kontraste heraus: Auf das Elend der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg folgen die „Goldenen Zwanziger“. Ohne die Trümmerfrauen hätte nach dem Zweiten Weltkrieg der Wiederaufbau Deutschlands nicht gelingen können, denn die im Ruhrgebiet gewonnene Kohle lieferte die dafür notwendige Energie. Für das Wirtschaftswunder in den 60er-Jahren steht eine Dior-Modenschau auf der Villa Hügel in Essen, dem einstigen Wohnsitz der Familie Krupp; zeitgleich sammeln weniger Betuchte Brennholz am Rheinufer.

Die Montanindustrie war arbeitsintensiv, so kamen viele Gastarbeiter an Rhein und Ruhr. Entsprechend der Guss- und Stahlschmelztiegel wurde das Revier zum Melting Pot seiner Bewohner. Hier gab es ein einzigartiges Zusammengehörigkeitsgefühl, das unter Tage oder am Hochofen lebenswichtig war und in der Freizeit fortgelebt wurde. Dazu gehörte, als Zechensterben und Stahlkrise begannen, auch der gemeinsame Kampf der Frauen um die Arbeitsplätze ihrer Männer. Die Fotos sind dementsprechend oft in den Kontext von (Sozial-)Reportagen eingebettet. Eine wichtige Funktion haben die Bilder als Zeitzeugen: Neben den Industrieanlagen gibt es auch viele der abgelichteten Arbeitersiedlungen heute so nicht mehr. Was von der selbstbewussten Montanindustrie noch zeugt, sind Industriedenkmäler.   Eckart Pasche

Sigrid Schneider (Hrsg.): Frauen im Revier – Bilderreise durch ein Jahrhundert, Emons Verlag, Köln 2015, 260 S., 35 €

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