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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Trend

Wenn die Software den Bewerber auswählt

Von Michael Sudahl | 5. August 2016 | Ausgabe 31

Headhunter mit guten Kontakten leiden unter Konkurrenz. Und die ist maschineller Art: Roboter Recruiting nimmt Fahrt auf.

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Foto: Panthermedia.net/HASLOO

Schwimmen ihm die Felle davon? Headhunter müssen sich in Zukunft vermehrt mit technologischen Konkurrenten herumschlagen.

Lange war Headhunting ein Geschäft, das auf persönlichen Kontakten basierte. Heute wird die Branche von der digitalen Welle überrollt: Datenmengen aus den sozialen Netzen, detaillierte Profile, Spuren im Netz – all das ist von Wert für Personalsuchende. Lernende Software analysiert diese Daten und wirft passende Talente aus. Dass dieser Trend unaufhaltbar ist, bestätigt Tim Weitzel. Der Professor an der Uni Bamberg forscht in Sachen Recruiting-Trends und sagt: „Wir werden eine noch stärkere IT-Unterstützung der Vorauswahl von Bewerbungen sehen.“ Das Schlagwort ist Robot-Recruiting. Gestützt wird seine Aussage durch eine Studienreihe, an der die Universität mitwirkt.

Studienreihe „Recruiting-Trends“ gibt es seit 13 Jahren

Jeweils ein Drittel der für die Studie „Recruiting Trends 2015“ befragten Unternehmen sowie der Stellensuchenden seien der Meinung, dass moderne Kommunikationsformen verstärkt eingesetzt werden müssen – und erwarten das auch vom jeweils anderen. Allerdings wird aktuell noch mehr darüber diskutiert, als tatsächlich Tools genutzt werden. Die Branche hat insgesamt 2015 um fast 7 % zugelegt – damit schwillt der Umsatz auf 1,8 Mrd.  € an, wie es laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) heißt. Vor allem Vertriebs- und Marketingexperten wurden vermittelt. Und auch für 2016 sehen die Anbieter keine grauen Wolken am Himmel.

Ein Heidelberger Start-up gehört dagegen zu den Werkzeugentwicklern, die bald für zugige Verhältnisse in der Personalbranche sorgen könnten. Ihre Software bringt automatisch Bewerber und Betriebe zusammen. E-Darling für den Job – sozusagen.

Ähnlich der Dating-Portale matchen die jungen Unternehmer Kandidatenprofile mit Stellenanforderungen. Ein Algorithmus analysiert, wer zu wem passt. Kriterien sind etwa Gehaltsvorstellung, Reisebereitschaft sowie Fachkenntnisse und Berufserfahrungen. Dabei bleiben die Bewerber so lange anonym, bis der Suchende sein Profil freigibt. „Im Fokus haben wir aktuell vor allem IT-affine Berufe“, sagt Instaffo-Geschäftsführer Christoph Zöller.

Befeuert wird der Automatisierungstrend zudem von einem schwachen Nachfrager-Markt. Viele hoch qualifizierte Ingenieure und Entwickler sind wenig wechselwillig. Jedoch würden 80 % aller Beschäftigten den Job wechseln, „wenn das passende Angebot käme“, verdeutlicht Betriebswirt Zöller die für ihn sehr gute Ausgangssituation.

Simone Stargardt aus Stuttgart wiederum meint eine weitere Ursache für eine automatisierte Bewerbervorauswahl erkennen zu können: „Wenn in Firmen auf 15 freie Stellen 500 Bewerbungen eintrudeln, ist das ohne Online-Vorauswahl nicht effektiv zu stemmen.“ Gleichwohl sieht die Karriereberaterin eine Einschränkung. „Quereinsteiger fallen durch automatisierte Raster, weil sie fachlich nicht optimal auf eine Stelle passen, aber vielleicht die Werte einer Firma teilen“, urteilt die Chefin einer Privatakademie.

Doch auch hier treiben IT-Dienstleister Digitaltechnik voran. Schon heute stellt das Zusatzprogramm Chrystal des Google-Browsers Chrome eine umfangreiche Personenakte zusammen: Es greift dazu auf Daten aus beruflichen und privaten Netzwerken zurück. Bei Instaffo wiederum können sich Nutzer durch einen visuellen Persönlichkeitstest klicken. Und intensiv arbeiten IT-Firmen an Spracherkennungs-Software, die bei Interviews mit Kandidaten zuhören und danach eine Persönlichkeitsanalyse liefern. Damit stechen Technologiefirmen vermutlich bald eines der letzten Asse klassischer Personaljäger aus.

In Bamberg sehen die Forscher neben dem Robot Recruiting übrigens weitere Spielwiesen, auf denen Firmen und Fachleute einander begegnen. Unter dem Begriff Gamification sollen Anforderungen und Fähigkeiten spielerisch abgeglichen werden. Doch nur wenige Firmen (2,5 %) bieten solche Spiele auf ihrer Webseite oder in sozialen Netzwerken überhaupt an.

Größer ist der Spieltrieb bei den Stellensuchenden: 12,9 % haben ihre Eignung für eine offene Stelle schon einmal online ausgespielt. Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp hingegen genießen keinen guten Ruf – wenn es um die Jobsuche geht. Verschwindende 1,3 % der Firmen ermöglichen es Kandidaten, sie über Whats-App anzutexten. 96 % der Bewerber erwarten das aber auch nicht. Sie haben diesen Dienst noch nie dazu genutzt, um mit Betrieben in Kontakt zu kommen. Noch nicht.

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