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Donnerstag, 21. September 2017, Ausgabe Nr. 38

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Karrieretelefon

Wer aufsteigt, kann 20 % mehr Geld fordern

Von Peter Schwarz | 26. Februar 2016 | Ausgabe 08

Die Personalberater Rolf Klausmann und Martin Peußer standen am Donnerstag vergangener Woche unseren Lesern Rede und Antwort. In den Gesprächen ging es unter anderem um Bewerbungsstrategien, Branchenwechsel und Gehaltsverhandlungen.

BU Karrieretelefon
Foto: imago/Westend61

Oh, it‘s lonely at the top: Wer es nach oben schafft, ist bei Karrierefragen meist auf externen Rat angewiesen.

Ein promovierter Maschinenbauingenieur möchte möglichst schnell die Karriereleiter erklimmen. Er erwägt deshalb einen Arbeitgeberwechsel. Allerdings arbeitet er in einer industrieschwachen Region, die er aus familiären Gründen nicht verlassen möchte.

Karriereberatung der VDI nachrichten

Es macht wenig Sinn, Energie auf die Suche nach alternativen Arbeitgebern zu verwenden. Sie dürften in der Region kaum zu finden sein. Zielführender ist die Konzentration auf die Karrieremöglichkeiten beim jetzigen Arbeitgeber, einem bedeutenden Hersteller von Hightech-Produkten. Dazu gehört etwa der Ausbau des persönlichen Netzwerkes.

Foto: privat

Rolf Klausmann ist Personalberater bei Kempers Partner in Leverkusen.

 Oft werden Entwicklungschancen in der eigenen Firma unterschätzt, das Eigenmarketing zur beruflichen Weiterentwicklung nicht bewusst verfolgt. Andererseits werden die Möglichkeiten am Arbeitsmarkt überschätzt. Die Kirschen in Nachbars Garten sind jedoch nicht immer süßer.

Ein Maschinenbauer, der im Industrial Engineering in den letzten sieben Jahren viele Aufgaben erfolgreich gemeistert hat, ist aufgrund einer Reorganisation entlassen worden. Jetzt möchte er gerne in der Automobilindustrie arbeiten.

Foto: privat

Martin Peußer arbeitet als selbstständiger Personalberater in Kronberg/Ts.

Viele junge Ingenieure zieht es in die Automobilindustrie. Dank ihres positiven Images erhalten Automobilfirmen sehr viele Bewerbungen, aus denen sie die geeignetsten Kandidaten auswählen können. Dabei werden vorrangig sehr gute Hochschulabsolventen eingestellt, die von Anbeginn mit den firmenspezifischen Abläufen vertraut gemacht werden.

Die Chance des Anrufers, in der Automobilindustrie Fuß zu fassen, ist deshalb gering. Er ist besser beraten, zu analysieren, welche Erfahrungen er erworben hat und durch welches Umfeld er in den ersten Berufsjahren geprägt wurde. Im nächsten Schritt sollte er mögliche neue Arbeitgeber selektieren, die ähnliche Strukturen aufweisen und sein Kompetenzprofil benötigen. Das erhöht seinen Erfolg bei Bewerbungen um ein Vielfaches. Generell gilt: Nicht nur die „Edelmarken“ sind als Arbeitgeber interessant. Der Mittelstand ist oft sogar attraktiver.

Ein Vertriebsingenieur hat jahrelang Exportmärkte aufgebaut. Vor Kurzem kam es in seinem Unternehmen zu einem Generationenwechsel in der Geschäftsleitung. Sein direkter Chef wurde schon entlassen, er selbst fühlt sich nicht mehr wohl.

Das Vertrauen scheint gestört, der neue geschäftsführende Gesellschafter möchte neue Wege gehen – und das mit einer neuen Mannschaft. In einem solchen Fall gilt es, Ruhe zu bewahren. Schnelle Arbeitgeberwechsel führen selten zu langfristiger Zufriedenheit.

Das erste Ziel sollte es sein, den jetzigen Arbeitsplatz zu sichern. Dann kann man sich in Ruhe eine neue Aufgabe suchen. Wichtig ist es dabei, die Wunschkriterien für den neuen Arbeitsplatz schriftlich zu fixieren. Des Weiteren sollte man die eigenen Kompetenzen, Stärken und langfristigen Ziele analysieren. Mit diesem Rüstzeug können Stellenangebote besser bewertet und gezielter Bewerbungsgespräche geführt werden.

Ein Maschinenbauer hat sich im Bachelorstudium auf einen Technikbereich spezialisiert. Seit mehreren Monaten sucht er erfolglos eine erste Anstellung im Mittelstand.

Mittelständler können vielfach die Qualität und das Wissensniveau eines Bachelorabsolventen nicht einschätzen. Deshalb der Rat an den Anrufer: Verbreitern Sie Ihr Kompetenzprofil!

Die Agentur für Arbeit hat dem Absolventen eine Weiterbildung im Bereich Konstruktionssoftware angeboten. Diese Chance sollte er in jedem Fall nutzen.

Der Anrufer ist seit einigen Jahren als Kundendienst- und Servicetechniker in der Medizintechnik tätig. Zusätzlich hat er ein FH-Studium in Medizintechnik absolviert. Jetzt würde er gerne als Produktmanager bei einem Arbeitgeber in einer anderen Branche arbeiten.

Für einen solchen Wechsel spricht wenig. Eine erfolgreiche Bewerbung ist bei neuen Jobinhalten in einer fremden Branche unwahrscheinlich. Deshalb die Empfehlung: Fachkompetenz in der Medizintechnik – einer Zukunftsbranche! – nicht brachliegen lassen, sondern in diesem Sektor eine neue Aufgabe suchen. Die vorhandene Kompetenz ist dabei eine gute Basis für den weiteren Karriereweg.

Ein Masterabsolvent der Energietechnik bemüht sich seit mehreren Monaten erfolglos um eine Stelle bei Energieerzeugern. Bei welchen Unternehmen könnte er sich eventuell noch bewerben?

Die detaillierte Analyse seiner Studieninhalte zeigt, dass der Anrufer umfangreiches Wissen für die Kraftwerkstechnik (Industriearmaturen, Pumpen, Messsensorik) mitbringt. Außerdem verfügt er über Methodenkompetenz in Strömungstechnik und Thermodynamik, die z. B. in der Gebäudetechnik benötigt wird. Diese analytische Betrachtungsweise hat weitere Branchen identifiziert, in denen das Wissen des Absolventen von Nutzen ist. Unternehmen aus diesen Branchen kommen deshalb ebenfalls für Bewerbungen infrage.

Die wenigsten Stellenanzeigen listen auf, welche Unterlagen erwartet werden. Reicht es, Kurzprofil/Lebenslauf einzureichen?

Generell ist es immer ratsam, die kompletten relevanten Unterlagen zu senden, also einen ausführlichen Lebenslauf, zusammen mit einem individuell für diese Vakanz erstellen Anschreiben. Außerdem sollten Kopien aller für diese Position relevanten Dokumente (Zeugnisse, Zertifikate) beigefügt werden.

Bei Arbeitszeugnissen wird neben dem Inhalt auch auf die Lückenlosigkeit geachtet. Ein fehlendes Zeugnis kann schnell negativ interpretiert werden. Bewerber sollten aber darauf achten, ihre Bewerbungsdokumente nicht unnötig aufzublähen. Als Faustregel gilt: Alle Weiterbildungszertifikate, die älter als fünf Jahre sind, gehören nicht in Bewerbungsunterlagen. Auch das erste Ausbildungszeugnis muss nicht beigelegt werden, wenn inzwischen ein entsprechendes Studium absolviert und Berufserfahrung gesammelt wurde. Einen Kurzlebenslauf sollten Bewerber nur dann versenden, wenn dies ausdrücklich gewünscht wird. Im Zweifel gilt: nachfragen! Die meisten Stellenanzeigen enthalten Kontaktangebote per Telefon oder E-Mail.

Der Anrufer hat sich auf eine technische Leitungsposition beworben. Am Vorstellungsgespräch werden Vertreter der Personalabteilung, des Fachbereichs und der Geschäftsführung teilnehmen. Worauf gilt es in dem Gespräch zu achten?

Egal wer die Frage stellt – bei der Antwort möglichst immer alle Gesprächspartner einbeziehen. Bewerber sollten nicht den Fehler machen, nur den Ranghöchsten direkt anzusprechen und mit Blickkontakt zu beehren. Selbst bei Fachfragen ist es angemessen, fachfremde Gesprächsteilnehmer nicht außer Acht zu lassen.

Ihre eigenen Fragen sollten Bewerber offen in die Runde stellen. Es bleibt den Gesprächspartnern überlassen, wer für das Unternehmen antwortet.

Ein Ingenieur wird im Bewerbungsprozess nach seinem Gehaltswunsch befragt. Wie ermittelt man den?

Als Richtwert gilt das bisherige Gehalt. Dann sollten sich Bewerber Folgendes fragen: Ist die künftige Aufgabe, wie sie im Stellenprofil beschrieben wird, in etwa gleich, höher oder niedriger zu bewerten? Ähneln die Arbeitsbedingungen (Arbeitszeiten, Wochenstunden, Urlaub, Sozialleistungen etc.) den bisherigen?

 Selbstverständlich kann auch die eigene Vorstellung von gerechter Vergütung einfließen. Als Faustregel kann man sagen: Beim Aufstieg auf die nächsthöhere Fach-/Führungsposition sind – vorausgesetzt jemand wird bislang fair entlohnt – bis zu 20 % mehr Gehalt realistisch.

Auf gleicher Hierarchieebene sollten Bewerber maximal 15 % mehr fordern und sich auf Verhandlungen einstellen. Übertriebene Gehaltswünsche, gilt es zu vermeiden. Wer in den anschließenden Gehaltsverhandlungen um mehr als 10 % zurückrudert, wirkt nämlich schnell unseriös.

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