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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Kommentar

Rechte und Pflichten

Von Christoph Böckmann | 23. November 2017 | Ausgabe 47

Das Entlassen von Mitarbeitern gehört zu den unternehmerischen Freiheiten. In der freien Marktwirtschaft muss jeder Firmenlenker selbst entscheiden dürfen, wie er sein Unternehmen aufstellt, um zukunftssicher und profitabel zu sein.

Christoph Böckmann, Redakteur: Unternehmerische Verantwortung ist eine Tugend des Mittelstands.

Von diesem Recht machen auch Siemens-Chef Joe Kaeser und Personalchefin Janina Kugel gerade Gebrauch. Sie wollen wegen schlechter Geschäfte in der Kraftwerks- und Antriebstechnik weltweit rund 6900 Jobs streichen, etwa die Hälfte davon in Deutschland.

Aber für Unternehmen gibt es nicht nur Rechte sondern auch Pflichten, etwa vertraglicher Art. Sie werden von Juristen formuliert und (oft erst) vor Gericht ausgelegt. So bleibt abzuwarten, wie weit die IG Metall mit ihrem Einwurf kommt, Siemens hätte 2010 in einer Vereinbarung betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Und dann gibt es Pflichten, die aus der Macht und der damit einhergehenden Verantwortung der Unternehmen entstehen: Verantwortung für Mitarbeiter und Standort. Erlebbar sind diese ungeschriebenen ethischen Gesetze bei Mittelständlern, Familienunternehmen und Hidden Champions. Sie wissen, was ihre Unternehmen für Region und Mitarbeiter bedeuten. Sie wissen auch, was sie von diesen wiederbekommen: Loyalität von Kommune und Belegschaft sind ihnen sicher, auch in schwierigen Zeiten.

Wer mit seinem Betrieb auf der schwäbischen Alb oder in der westfälischen Provinz sitzt, begegnet seinen Angestellten beim Einkaufen, Spazierengehen oder im Restaurant. Das lässt Chefs die Konsequenzen ihres Handelns sehen und spüren. Konzernchefs dagegen leben in anderen Sphären. Während ihre Mitarbeiter oft seit Generationen beim Unternehmen sind, verweilen sie selbst meist nur wenige Jahre dort. So wird die Verantwortung für sie zur Interpretationsfrage. SPD-Chef Martin Schulz spricht vielen Betroffenen und Beobachtern aus der Seele, wenn er sagt: „Es ist inakzeptabel, dass ein internationaler Konzern, der über Jahrzehnte direkt und indirekt vom deutschen Staat profitiert hat, jetzt die Mitarbeiter für Managementfehler bluten lassen will.“

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft sind nicht die Konzerne, sondern der Mittelstand. Das Für- und Miteinander in diesen Betrieben ist ein Grund dafür.

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