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Donnerstag, 21. September 2017, Ausgabe Nr. 38

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Start-up-Porträt

Auf direktem Weg von Monet zum WC

Von M. Jordanova-Duda/Stefan Asche | 4. März 2011 | Ausgabe 9

Öffentliche Gebäude wie Museen oder Bibliotheken laden nicht nur zum Verweilen, sondern mitunter auch zum Verlaufen ein. Zwischen Kunst und Kultur hat schon so mancher den Überblick verloren und seine Ziele verfehlt. Helfen will Mapongo. Das Start-up aus Cottbus entwickelt einen mobilen Indoor-Wegweiser.

Ungewissheit ist dem Informatiker Michael Tauer ein Graus. So muss er stets genau wissen, wo er ist. Bei einem Auslandspraktikum auf der iberischen Halbinsel gelang ihm das aber nicht immer. Auf Bahnhöfen, Flughäfen und in Shopping-Malls kam ihm mancher Weg spanisch vor. Da hatte er die Idee, Karten für öffentliche Gebäudekomplexe zu kreieren. Daheim in Cottbus holte er sich dafür Unterstützung von der angehenden Architektin Asja Kasdorf und dem künftigen Elektroingenieur Thomas Hölzel. Ende 2010 gründet das Trio die Mapongo UG.

Erster Kunde der Mini-GmbH war das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) der heimischen Universität Cottbus. Für sie entwarfen die Gründer eine Orientierungshilfe, die sowohl an zentralen Terminals als auch via Smartphone abgerufen werden kann. Die Karten lassen sich aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen, wahlweise zwei- oder dreidimensional.

Aktuell arbeiten die Jungunternehmer an einer Anwendung für die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Das System wird alle Standortinformationen, die bereits vorhanden sind, visualisieren und mit dem Bibliotheks-Suchsystem kombinieren. Wenn Nutzer nun nach einem bestimmten Fachbuch suchen, leuchtet auf der Karte die entsprechende Regalspalte.

"Verändert sich der Standort eines Buches, kann das Bibliothekspersonal mit Hilfe einer Editor-Software die Visualisierung anpassen", sagt Hölzel. Dabei gibt es stets ein Dilemma: Je genauer ein Regalplatz angezeigt werden soll, desto häufiger besteht Aktualisierungsbedarf. Beim IKMZ leuchtet deshalb derzeit der ganze Themenbereich grün auf, wo Bücher aus dem gesuchten Fachgebiet stehen.

Künftige Kunden sollen Messen, Flughäfen, Kreuzfahrtschiffen, Ferienparks, Bahnhöfe oder auch Museen sein.

Für die 3D-Visualisierung nutzt Mapongo Adobe Flash. Das macht die Einbindung weiterer Zusatzinformationen zum gesuchten Objekt, etwa durch Text oder Video, möglich. "Die Karte läuft im Grunde auf jedem Mobilgerät, auf dem Adobe Flash läuft", so Hölzel. Bei Handys mit geringerer Rechenleistung gäbe es noch die Möglichkeit, sich eine statische, nicht-interaktive Abbildung anzeigen zu lassen.

Echte Navigation bietet Mapongo noch nicht. Das Smartphone sagt also noch nicht an, an welchen Regalen abgebogen und in welches Fach gegriffen werden muss. Noch nicht.

"Wir arbeiten aber schon an der mobilen Ortung", unterstreicht Hölzel. Unklar sei nur noch, welche Technologie zum Einsatz komme. Vorhandene Gebäudeinformationssysteme würden WLAN oder RFID nutzen. Aber diese Funkverbindung sei nicht flächendeckend und es habe sich noch kein Standard herausgebildet, so Hölzel. Mapongo wolle deshalb nicht auf das falsche Pferd setzen: "Wir sind verhältnismäßig zuversichtlich, dass GPS sich soweit entwickelt, dass es auch im Gebäudekern funktioniert. Am Rande tut es das ja mitunter schon". Und die meisten Handys seien ohnehin mit einem GPS-Empfänger ausgestattet.

Für die interaktiven Karten zahlen nicht die Endnutzer, sondern die Betreiber der jeweiligen Einrichtungen. Die Erstellung kostet je nach Größe und Informationstiefe zwischen 5000 € und 20 000 €. Wenn der Kunde die Daten mit Hilfe der Editor-Software selbst pflegen will, hat er keine weiteren Kosten. Will er die Wartung der Firma überlassen, kann er das gegen eine Monatsgebühr tun.

Um weitere Kunden zu gewinnen, zählt Hölzel auf die Unterstützung der SLUB, mit der es eine Kooperationsvereinbarung gäbe. Einige Interessenten seien bereits auf den neuen Internetauftritt der Bibliothek aufmerksam geworden und wurden an Mapongo weiter vermittelt.

Die zurückhaltende Marketingstrategie ist nicht zuletzt dem Grundsatz des Gründerteams geschuldet, ohne externes Kapital auskommen zu wollen. "Wir haben diese Gründung neben dem Studium angestoßen", sagt Hölzel, "und unser Lebensunterhalt wird noch von unseren Eltern finanziert."

Leichte finanzielle Entlastung brachten derweil Preisgelder: Mapongo belegte den ersten Platz beim Lausitzer Gründerwettbewerb LEX und gewann kürzlich den Roland-Berger-Gründerpreis. Unterstützung kam außerdem vom Hochschullotsendienst des Landes Brandenburg. Er übernahm die Kosten für die Beratung beim Rechtsanwalt und Steuerfachmann. Die Jungunternehmer behelfen sich mit Praktikanten von der Uni – und studieren weiter.

  M. JORDANOVA-DUDA/sta

www.mapongo.de

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