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Freitag, 11. April 2014, Ausgabe Nr. 15

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Start-up-Porträt

Birds suchen Bugs in der Software

Von E. Tsakiridou | 15. Februar 2013 | Ausgabe 7

"Crowdtesting" heißt der neue Trend, auf den die Testbirds setzen. Der IT-Dienstleister überprüft Webseiten und Apps auf Fehler. Das machen nicht die Mitarbeiter selbst, sondern Tester, die im Internet rekrutiert werden. Das Start-up fasst die Ergebnisse für die Auftraggeber zusammen und erarbeitet daraus Maßnahmen zur Qualitätssicherung.

Diese Vögel mögen keine Würmer, Larven oder Beeren, ihre Leibspeise sind Bugs (deutsch: Programmfehler). Und die suchen sie in neu entwickelten Apps oder Internetanwendungen von Onlineshops, Portalen, Internetseiten oder in Spielen. Dafür müssen sie sich nicht einmal von ihrem "Nest" entfernen. Das Nest befindet sich auf einem Server in einem Bürogebäude im Münchner Norden und ist die Testplattform des Unternehmens. Dort werden die Software-Tests organisiert, durchgeführt und verwaltet.

"Wir haben uns auf die Bereiche Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit spezialisiert", sagt Markus Steinhauser, verantwortlich für Marketing und PR. Gemeinsam mit seinen Kollegen, Georg Hansbauer und Philipp Benkler, beide Absolventen des Studiengangs Finanz- und Informationsmanagement (Universität Augsburg und TU München), hat er das Unternehmen vor einem Jahr gegründet. Geholfen haben eine Anschubfinanzierung aus dem Exist-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums und ein Gründer-Stipendium der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seitdem haben die Testbirds eine gute Flughöhe erreicht: Zu den Kunden zählen unter anderem namhafte Unternehmen aus der Versicherungs- oder Tourismusbranche. Die Firma ist mittlerweile auf 20 Mitarbeiter angewachsen. Ein Investor ist inzwischen auch an Bord: Die Walter Beteiligungen und Immobilien AG engagiert sich mit einem siebenstelligen Betrag.

Zum Tester-Pool gehören Studenten, Hausfrauen, Führungskräfte oder erfahrene Softwareexperten. Deren Entlohnung ist zweigeteilt: Zum fixen Stundenlohn von mindestens 10 € kommen noch einstellige Eurobeträge für jeden gefundenen Bug.

Bevor die Tester starten können, müssen sie sich im Nest registrieren, ihr Profil hinterlegen und eine Schulung durchlaufen. Jeder kann ein "Bird" werden – vorausgesetzt er besitzt einen Rechner, einen Tablet-PC oder ein Smartphone. "Für unsere Kunden hat das den Vorteil, dass sie bereits während der Produktentwicklung die Softwarequalität überprüfen können, und zwar in Kombination mit allen möglichen Betriebssystemen, Browsern und Geräten", berichtet Steinhauser.

Im Durchschnitt sind die Tester 30 Jahre alt. "Jüngere Leute zu gewinnen, ist kein Problem, denn sie gehören zur Gruppe der, Digital Natives‘, die mit der Technik aufgewachsen ist", meint der 25-Jährige. Anders sieht es bei der Generation 50plus aus, für die der Umgang mit elektronischen Geräten und Software-Applikationen nicht immer selbstverständlich ist. Auch um diese Gruppe bemühen sich die Testbirds. Denn der Tester-Pool soll möglichst einen Querschnitt der Gesellschaft repräsentieren.

Zu ihren Stärken zählt, laut eigenen Angaben, dass sie sehr flexibel Gruppen für bestimmte Testanforderungen zusammenstellen und auf Projekte verteilen können. Die Birds gehen bei ihren Tests vor wie potenzielle Kunden: Sie surfen auf Webseiten und untersuchen beispielsweise, ob das Bezahlen oder Ausloggen funktioniert oder die Menüführung stimmig ist. Die häufigsten Probleme bei Webseiten kommen bei der Registrierung oder bei der Bezahlabwicklung vor, haben sie festgestellt. Bei der einen oder anderen Navigations-App funktioniert das GPS nicht oder die Aktualisierung misslingt. Und manche App lässt sich gar nicht einsetzen, weil sie vorher immer "abstürzt".

Die Tester dokumentieren alle Fehler in ihren Berichten und illustrieren diese mit Screenshots oder Videocasts. Ihre Ansprechpartner, die Testbirds-Projektmanager, werten die Berichte aus und erarbeiten konkrete Handlungsempfehlungen für die Auftraggeber. Denn nichts schreckt Nutzer mehr ab, als Anwendungen, die nicht funktionieren. Da das Angebot im Internet nahezu unbegrenzt ist, lassen sich verlorene Kunden kaum zurückgewinnen. Das wissen die Firmen, da sie aber die Ressourcen für das Softwaretesten nicht selbst vorhalten möchten oder können, nutzen Sie die Möglichkeit, einen Teil ihres Qualitätsmanagements an Firmen wie die Testbirds auszulagern. Was sie dafür zu zahlen haben, verraten die Gründer nicht.

Zu den Dienstleistungen des Unternehmens gehören neben sogenannten Beta-Tests (also das Testen von Software in der Entwicklungsphase) auch die Evaluation von Software-Prototypen und die Beratung. Die Testberichte rufen die Auftraggeber im Nest ab, wo sie auch Informationen zum Projektstand einsehen können. Die Anpassungen der eigenen Software bzw. das Ausmerzen der Fehler führen die Firmen mit ihren eigenen Entwicklern durch. Im Moment ist die Crowdtesting-Branche recht übersichtlich. Auf dem Gebiet sind nur ein paar Firmen in den USA und in Europa aktiv, in Deutschland etwa die Berliner Testcloud GmbH. Konkurrenz schreckt die Testbirds nicht: "Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken. Unser Ziel ist, Marktführer im deutschsprachigen Raum und mittelfristig in Europa zu werden", sagt Steinhauser selbstbewusst.   E. TSAKIRIDOU

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