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Donnerstag, 10. August 2017, Ausgabe Nr. 32

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Gründer

Teilen ist für Berliner Start-ups eine Tugend

Von Peter Trechow | 8. November 2013 | Ausgabe 45

Unternehmungslustige aus aller Welt sammeln sich seit jeher in Berlin. Mittlerweile bringen immer mehr Zugereiste Unternehmerlust mit. In der bunten Start-up-Szene der Stadt ist Teilen eine Tugend. Viele Gründerteams starten quasi ohne Budget. Indem sie Räume, Projekte, Wissen und Netzwerke teilen, halten sie Aufwand und ggf. Fallhöhe gering und stärken sich gegenseitig den Rücken.

Coworking
Foto: dpa

In Coworking Spaces helfen sich Gründer gegenseitig – etwa beim Programmieren. Mitunter schließen sich die Jungunternehmer auch zusammen, um Großaufträge annehmen und abarbeiten zu können.

Berlin gilt als führendes europäisches Gründer-Ökotop. In Anlehnung an ihr kalifornisches Mekka spricht die Start-up-Szene vom "Silicon Allee".

"Silicon Allee" heißt auch ein Webportal, dass die Berliner Gründerszene von innen beleuchtet – inklusive Veranstaltungshinweisen und Jobbörse. Urheber sind die Väter der Four Sector UG: David Knight, Schuyler Deerman und Travis Todd. Am Anfang ihrer Berliner Zeit erlebten die Amerikaner einen Kulturschock: "Wer die deutsche und die USGründerszene kennt, weiß, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten", erklären sie. Aus dem Valley kannten sie offenen Ideenaustausch, ständige Treffen und Hilfsbereitschaft. Gründer dort würden die Ideen ihrer Kollegen anhören, sich gegenseitig Feedback geben und Kontakte vermitteln. In Berlin erlebten sie die Szene dagegen als eher eigenbrötlerisch. Mit ihrer Plattform wollen sie dazu beitragen, dass zusammenwächst, was zusammen gehört.

Mittlerweile mehren sich die Anzeichen, dass mit dem Zuzug von Gründern aus aller Welt ein neuer Geist durch die Berliner Alleen weht. Teilen ist angesagt. Konkreter Beleg ist die wachsende Zahl von Gründern, die ihre Projekte in Coworking Spaces vorantreiben. Es gibt in den Innenstadtbezirken inzwischen ein dichtes Netz dieser günstigen Gemeinschaftsbüros. Für Preise zwischen 99 € und 290 € finden Gründer hier voll ausgestattete Arbeitsplätze mit Internetverbindung, Räume für Meetings und gemütliche Ecken für den Plausch zwischendurch. Top-10-Listen kursieren, in denen die Räume und Angebote von "Raumstation", "BETAhaus", "Tante Renate" & Co, bewertet werden.

Teils vermarkten sich die Gründer in den Coworking Spaces als Team. Etwa im Kreuzberger Loft "Welance", das auf Freiberufler zugeschnitten ist. Gemeinsam können sie auch größere Projekte aus IT-, E-Commerce und mobilem Internet annehmen. Ansonsten arbeiten sie auf eigene Faust.

Der Wissensaustausch der Hauptstadt-Gründer passiert auch in anderen Strukturen. Eine davon sind Meetup-Gruppen. Teils haben sie über 2000 Mitglieder. Dort wird diskutiert und koperiert. Im Rahmen der Treffen geht es etwa um HTML5-, Android-, iOS-, C++- oder 3-D-Spiel-Programmierung. Andere Themen sind 3-D-Druck, BigData, Teambuilding oder die Suche nach Mitgründern. Interessierte können sich den Debatten jederzeit anschließen. Experten halten Vorträge. Programmierer teilen ihr Know-how und assistieren bei den ersten Schritten. Gründer stellen einander ihre Ideen und Projekte vor.

In manchen Gruppen, wie dem "Women Start-ups and Entrepreneurs Brainstorming" oder den "Berlin Geekettes" treffen sich nur Frauen. Manche sind klare Freizeit-Treffen, etwa die "Berlin Entrepreneurs Sports Group", das montägliche "Yoga in English" oder die "BigData Beers". Allen Gruppen gemeinsam ist der internationale Geist.

Dieser Geist weht auch durch die Stellenangebote der Börse "Berlin StartupJobs". Nicht nur, weil Stellen ausschließlich in Englisch angepriesen werden, sondern weil in der Regel statt mit Cash nur mit Equity entlohnt wird. Die angeheuerten Spezialisten bekommen für ihre Dienste also Unternehmensanteile. Das hält die Personalbudgets der jungen Unternehmen schlank. Mit dem Vorteil, dass die Schuldenberge im Fall des Scheiterns überschaubar bleiben.

Ein Projekt, das die importierte Tugend des Teilens wie kein Zweites repräsentiert, ist "Give-something-back-to-Berlin". Qualifizierte Wahlberliner wollen der Stadt, die sie lieben und von deren Strukturen sie profitieren, etwas zurückgeben, das über das Zahlen von Steuergeldern hinausgeht. Sie bieten Computerkurse für Flüchtlinge, gehen in Schulen in sozialen Brennpunkten und öffnen ihre Unternehmen für Schulklassen. "Wir wollen uns austauschen, lernen und teilen", begründen sie ihr Engagement. Sie sehen die Armut der Stadt, die soziale Schieflage und sind sich bewusst, dass sie mit ihrem Zuzug als Besserverdienende zum Strukturwandel beitragen, der eingefleischte Berliner zu verdrängen droht. Ihre Antwort darauf ist mit anzupacken und Chancen für sozial Schwache zu schaffen: "Wir finden, eine Prise des typischen Berliner Do-it-yourself, etwas soziales Engagement und das Nutzen sozialer Medien sind ein guter Anfang, für eine spannende Zusammenarbeit!"  PETER TRECHOW

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