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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Start-up-Finanzierung

USA: Gründer stolpern über Studienschulden

Von Harald Weiss | 11. Oktober 2013 | Ausgabe 41

In den USA haben die Kredite zur Studienfinanzierung einen neuen Rekordwert erreicht. Das hat inzwischen auch Auswirkungen auf die Start-up-Szene. So geht die Zahl der Gründungen durch Hochschulabsolventen kontinuierlich zurück. Viele Experten sehen die Hauptursache dafür in dem Schuldenberg, mit dem die frisch Graduierten ins Berufsleben starten.

USA: Gründer stolpern über Studienschulden

Foto: Fotolia

In den USA sind die Belastungen durch die Kredite zur Studienfinanzierung in den letzten Jahren stark angestiegen. Laut der Studienberatungsagentur Edvisor beträgt die durchschnittliche Verschuldung derzeit 55 000 $ pro Graduierung – vor zehn Jahren waren es noch 40 000 $. Insgesamt beträgt die Summe aller Studentenkredite derzeit rund 1200 Mrd. $.

Viele Experten sehen bereits die hohen Schulden der Absolventen als die größte Blockade für den Start eines eigenen Unternehmens. "Die hohe Verschuldung, mit der die Studenten heute die Universität verlassen, bremst unsere Gründerszene immer stärker aus", sagt Vivek Wadhwa, Karriereberater bei der Stanford University. Eine von American Express durchgeführte Untersuchung bestätigt den rückläufigen Trend in der Gründerszene. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit nur noch 16 % aller Studienabgänger von einer eigenen Firmengründung träumen, das ist wesentlich weniger als die 28 %, die es noch im Jahr 2007 waren.

Einer, der sein Start-up unter der Last der Studienschulden wieder eingestellt hat, ist Jackson Solway aus Boston. Er hatte eine Online-Plattform geschaffen, die freie Mitarbeiter mit den Personalabteilungen von Firmen verbindet, damit diese ihren Personalbestand flexibler gestalten können. Doch die unregelmäßigen Einnahmen aus dem Betrieb der Plattform machten seinen Traum zunichte. "Ich muss jeden Monat 400 $ für meinen Studienkredit zurückzahlen, dazu benötige ich einen Job mit einem monatlichen festen Einkommen", gab er als Grund für seinen Rückzug aus der Unternehmerwelt an.

Die beiden Harvardabsolventen Levi Belnap und Alex Pak arbeiten zwar noch intensiv am Aufbau ihrer Firma FindIt, die eine Art Suchmaschine für E-Mails und Dokumente auf dem iPhone bietet, doch die finanziellen Belastungen türmen sich dramatisch auf. Zusammen hatten sie bei der Graduierung 250 000 $ Kreditschulden. Und ihr Start-up wurde mit 200 000 $ finanziert. Noch befinden sie sich in der sogenannten Ruhezeit, in der die Studienschulden nicht zurückgezahlt werden müssen. Doch diese Phase läuft bald aus – und bislang wissen sie nicht, wie sie die monatlichen Belastungen dann tragen können. "Wir brauchen ganz dringend neues Kapital", sagt Belnap verzweifelt.

Hohe Studienschulden verhindern auch eine andere Art der Anschubfinanzierung, die sich gerade während des Dot.com-Booms größter Beliebtheit erfreute: Die Finanzierung mit der Kreditkarte. "Generell sollte jede Art von persönlichen Krediten bei einer Firmengründung vermieden werden, doch manchmal ist die Kreditkarte die einfachste und schnellste Form einer Brückenfinanzierung. Diese Möglichkeit aber entfällt, wenn die Kreditkarte nur einen minimalen Kreditrahmen bietet oder man gar keine mehr hat", sagt Isaac Bowers, ein Schuldenberater, der sich auf Start-ups und Studentenüberschuldung spezialisiert hat.

Hohe Studienschulden können unter Umständen auch Business Angels abschrecken. Diese Privatinvestoren achten bei der Wahl ihrer Investitionsziele nicht nur auf den Geschäftsinhalt. Oft ist ihnen das dahinter stehende Team sogar wichtiger. "Ich schaue mir ausschließlich den Gründer und seine Mannschaft an – und treffe dann eine Bauchentscheidung", sagt Anne Johnson, Angel-Investorin aus dem Silicon Valley, über ihr Vorgehen bei einer Neuinvestition. Doch das "Anschauen" beinhaltet einen ausführlichen Personen-Check, bei dem alle bisherigen Schulden und alle Rückzahlungen genauestens unter die Lupe genommen werden. Selbst ein vor Jahren geplatzter Scheck bei der Telefonrechnung kann Misstrauen säen. Umso argwöhnischer schauen die Angel-Investoren auf den Schuldenberg der Studienfinanzierung und deren Rückzahlungsverpflichtungen.

"Eine Start-up-Finanzierung, bei der die Inhaber hoch verschuldet sind, kann dazu führen, dass die Firmengelder klammheimlich zweckentfremdet werden, da sie von den Gründern zur Finanzierung oder zur Überbrückung von persönlichen Verbindlichkeiten genutzt werden", sagt Unternehmensberaterin Jean Murray, die sich auf Start-up-Finanzierungen spezialisiert hat.   "Das ist ein Vorgang, der praktisch nur mit kostspieligen Kontrollen verhindert werden könnte – was aber wiederum erhebliche Kosten und Bürokratie bedeutet."

Eine Besserung der Situation aus Gründersicht ist kurzfristig nicht zu erwarten. Zwar erwägt die Regierung, die Rückzahlungsmodalitäten bei staatlichen Krediten zu lockern, de facto verbietet die Haushaltslage aber einen solchen Schritt. Doch selbst wenn er käme, wäre den meisten Gründern damit nicht geholfen: Sie stehen vor allem bei Banken in der Kreide.   HARALD WEISS

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