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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Olympia 2012

Auch IT-Infrastruktur verlangt nach Spitzenleistung

Von Lothar Lochmaier | 20. Juli 2012 | Ausgabe 29

Die Informationstechnik bei den Olympischen Spielen stellt hohe Ansprüche. Schließlich gilt es, weltweit 4,5 Mrd. Zuschauer und 21 000 Journalisten innerhalb von knapp einer Drittelsekunde über alle Wettkampfergebnisse zu informieren. Die IT-Infrastruktur muss dabei zuverlässig und vor allem gegen alle möglichen Angriffe gefeit sein.

Wer sich heute in die Docklands in das früher wenig glamouröse Londoner Eastend verirrt, der erkennt diese kaum wieder. In einer Gegend, in der vor wenigen Jahrzehnten noch industrielle Brachlandschaften das Straßenbild beherrschten, dominiert jetzt eine einträgliche Symbiose aus modernen Geschäfts- und Wohnblöcken.

Nur unweit des in die Docklands eingebetteten kleinen Flughafens befindet sich das Technologiezentrum für die Olympischen Sommerspiele 2012. Es ist ein Hochsicherheitstrakt. Mehrstufige Zugangskontrollen in das Areal verzögern die Anreise. Hinter den Kulissen haben fleißige Programmierer für die Olympischen Sommerspiele eine halbe Million
Codezeilen neu geschrieben.

Dabei sollte ihnen niemand über die Schultern geschaut haben. Denn für IT-Spezialisten gilt keineswegs das Leitmotiv "Dabei sein ist alles". Nur makellose Spitzenleistung zählt. Jede Schwachstelle kann eine zu viel sein. Und so fürchten die Verantwortlichen nichts mehr als Systemausfälle und technische Verzögerungen bei der Übermittlung von Informationen. Wen wundert es da, dass der Countdown für die Informationstechnologie zu den Olympischen Sommerspielen 2012 in London bereits vor 18 Monaten begonnen hat.

"Insbesondere bei Großereignissen wie den Olympischen Spielen dürfen keine Fehler passieren, schließlich können die Wettkämpfe nicht wiederholt werden", skizziert Winfried Holz, Chef von Atos Deutschland, die sportliche Gratwanderung.

Den Überblick erschwere nicht nur die Vielzahl der Wettkampforte und
-arten, sagt Holz. "Der informationstechnische Aufwand ist ohnehin etwa zehnmal so groß wie bei der letzten Fußball-WM."

Als Herrscherin über das virtuelle Datenreich koordiniert beim hauptverantwortlichen IT-Dienstleister Atos "Chief Integration Officer" Michèle Hyron die Arbeit der olympischen Technologiepartner. Die Herausforderung: Alle Systeme sind fortlaufend auf Herz und Nieren zu überprüfen. Rund 3500 IT-Spezialisten arbeiten jetzt in der heißen Phase mit höchster Konzentration.

Hinzu kommen unzählige geprüfte Freiwillige. Manche sind bereits seit Herbst 2010 vor Ort, im Testlabor und an den Originalschauplätzen. "Wir haben ein umfassendes Testprogramm entwickelt, um höchste Zuverlässigkeit von Technologie, Personen und Prozessen sicherzustellen", betont Holz.

Die Rechenzentren und das Technologiezentrum sind ähnlich gut bewacht wie die englischen Kronjuwelen. Denn während sich die technische Infrastruktur noch halbwegs professionell absichern lässt, bleiben Einrichtungen wie Wettkampforte oder Hotels verwundbar. 100 %ige Sicherheit ist eine Illusion.

Um die IT möglichst flexibel und zuverlässig aufzustellen, setzen die Organisatoren auf eine erstmals eingesetzte Lösung zur Servervirtualisierung sowie ein komplett redundantes Datennetzwerk.

Die Infrastruktur umfasst 11 500 Desktop-Rechner, 1100 Notebooks, 1000 Netzwerk- und Security-Komponenten, 900 Server sowie unzählige Monitore, Kopierer und Drucker. Bei Letzteren setzt man auf "Green IT" und damit auf möglichst wenig Papier in den Büros, wobei auch fast alle Anmeldeverfahren in digitaler Form erfolgen.

Über ein ausgefeiltes Identity-Management-System warten die Daten auf die endgültige Freigabe. Hier dominieren höchste Sicherheitsstandards, um jegliche Passwortmanipulation an den Zugangsberechtigungen zu unterbinden.

Das Ungemach lauert im Detail, etwa beim alltäglichen Umgang mit Sicherheitsroutinen. So tauchten in Peking bei den Sommerspielen 2008 immerhin rund 12 Mio. zu überprüfende Sicherheitsmeldungen im IT-System auf, sogenannte Security Incidents. Bei den letzten Winterspielen in Vancouver waren es noch 9 Mio. Die Schwierigkeit ist, hier aus der Masse von Meldungen die wirklich "gefährlichen" Muster, die beispielsweise Hacker erzeugen, zu erkennen.

Aber auch hier greift das Konzept der ausgeklügelten "High Performance Security". Intelligente Filtersysteme klassifizieren die meisten Meldungen als unkritisch. Übrig bleibt in der Regel eine dreistellige Zahl von Meldungen, die Spezialisten eingehend überprüfen. Aber auch diese Zahl dürfte weiter wachsen, da London ein attraktives Ziel für Eindringlinge jeder Art darstellt.     LOTHAR LOCHMAIER

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